> > > Bach, Johann Sebastian: Ouverture 3 (Suite in D Major)
Samstag, 30. Mai 2020

Bach, Johann Sebastian - Ouverture 3 (Suite in D Major)

Unglaublich perfekter Bach


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Bach Collegium Japan zeigt sich von seiner besten Seite.

Jede Generation glaubt sich der alten überlegen, meint das, was ‘die Alten’ gemacht haben, wenn nicht unbedingt übertreffen, so doch modifizieren zu können oder zu müssen. Das hört sich an wie Lebensweisheiten eines weisen Greises, und doch steckt darin viel Wahrheit. Auch jede Künstlergeneration scheint – zu Recht – mit dem Willen behaftet zu sein, ihre eigene Sicht auf die Meisterwerke der Vergangenheit der Nachwelt zu hinterlassen. Damit lässt sich jede Neueinspielung bereits hundert mal aufgezeichneter Werke legitimieren – und wenn das dann noch von der Erschließung neuer Repertoiresparten flankiert wird, scheint ja alles beim Besten zu stehen. Als CD-Käufer fragt man sich aber doch manchmal nach dem Sinn des 753. Zyklus der Beethoven-Sinfonien oder, wie hier, der vier Orchestersuiten BWV 1066–1069 von Johann Sebastian Bach.

Neue Referenz 

Hört man die Neueinspielung dieser bekannten Werke durch das mittlerweile weltberühmte Bach Collegium Japan unter der begeisternden Stabführung ihres langjährigen Leiters Masaaki Suzuki, so kann man froh sein, dass Plattenfirmen das Wagnis aufnehmen, auch Altbekanntes zu produzieren. Mit dem Bach Collegium Japan hat das schwedische Label BIS auf alle Fälle einen Glücksgriff getan, was nicht nur die bisher erschienenen CDs des Kantaten-Zyklus von Bach zeigen, sondern eben auch dieser hervorragende Aufnahme.

Auch die Interpretationen der vier ‘Ouvertüren’ sind mindestens auf der Höhe der Kantaten-Einspielungen und müssen unbedingt zu den Referenzeinspielungen dieser Werke gerechnet werden. Schon der Beginn der ‘Dritten Orchestersuite’ in D-Dur (BWV 1068) zeigt das Ensemble in seiner ganzen Klangpracht, die jedoch nicht barockem Pathos geschuldet ist, sondern vielmehr einer fulminanten Ensemble-Balance. Auch wenn Masaaki Suzuki im Gegensatz zu anderen Dirigenten, die sich dem Ideal einer historischen Aufführungspraxis verschrieben haben, besonders in der einleitenden Ouvertüre ein eher bedächtiges Tempo anschlägt, so geht dies keineswegs auf Kosten der Spannung oder der Bewegung. Im Gegenteil: Man hat hier den Eindruck, als würde hier mit dem absolut ‘richtigen’ Tempo musiziert. Fließende Bewegungen, im schnelleren Teil richtig schön flott und drängend, herrschen in der Ouvertüre vor. Begibt man sich in diese wunderschöne und doch gespannt faszinierende Klangwelt, so erscheinen einem die fetzigen Interpretationen so manch anderer Ensembles als sportive Jagd. Unter Suzukis Leitung kommen alle kleinen Schönheiten dieser (nachträglich von Bach mit Pauken und Trompeten aufgemotzten) Partituren glanzvoll zum Tragen. Auch die berühmt-berüchtigte ‘Air’ aus dieser Orchestersuite, von der man glaubte, sie sei tot gespielt, gewinnt in dieser unprätentiösen und grazilen Interpretation Anmut, ohne sentimental-triefende abzugleiten.

Ensemble von Solisten

Das Bach Collegium Japan zeigt sich von seiner besten Seite. Die weichen Phrasierungen, das perfekte rhythmische Timing, die Balance in diesem Orchester sind hervorragend. Jeder Instrumentalist scheint ein perfekter Solist zu sein, und trotzdem verbindet sich alles zu einem selten gehörten Ensembleklang. Die Trompeten klingen nie spitz oder scharf; mit ganz scheinbar ganz weichem Ansatz tönen die Signale in den satten Streicher- und Holzbläserklang. Auch letztere, besonders die Oboen verdienen lobend hervorgehoben zu werden. Nicht zu vergessen natürlich die glänzend agieren Flötistin in der ‘Zweiten Ouvertüre’ h-Moll (BWV 1067). Nicht weniger Meriten verdient jedoch auch die Streichergruppe, die sehr feinfühlig agiert. Allerdings sollte nach dem Lob des weichen, perfekten Ensembleklanges hinzugefügt werden, dass dies nie ins Liebliche abgleitet. Suzuki schafft es vielmehr, Klangschönheit mit einem tänzerischen, beweglichen und vor allem spannenden Zugriff zu verbinden. Akzente werden deutlich gemacht, ohne jedoch um es Effektes oder des Verstörenden willen hervorgehoben zu werden. Alles scheint eingebunden in eine spannungsvolle Interpretation mit weiten Bögen, die den Gestus dieser Musik bestens wiedergibt.

Rundum-Klang

Ob man die Surround-Version oder die herkömmliche Stereo-Variante nutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Zum Glück sind Super-Audio-CDs auch mit der altehrwürdigen Stereo-Technik kompatibel. Natürlich wirkt der Ensembleklang im Surround-Format differenzierter. Allerdings ist auch mit zwei Lautsprechern eine umwerfende Ensemblebalance zu genießen. Die Tontechnik von BIS hat hier aber einmal mehr Zeugnis von ihrem Können abgelegt.

Zieht man zusätzlich das unschlagbare Preis-Angebot in Betracht, so ist diese Aufnahme beinahe unschlagbar: Zwei CDs gibt es für den Preis von einer, da alle vier Orchestersuiten leider nicht auf eine CD passen; warum allerdings auf der ersten Scheibe drei Suite und auf der nächsten nur eine enthalten sind, bleibt in den Sternen. Auf alle Fälle aber eine Einspielung, die man sich unbedingt zulegen sollte! Auch wenn man schon fünf hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Ouverture 3 (Suite in D Major)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
2
25.08.2005
Medium:
EAN:

SACD
7318599914312


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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Suzuki, Masaaki
Orchester/Ensemble:Orchestra of the Bach Collegium Japan


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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