> > > Bach, Johann Sebastian: Tilge, Höchster, meine Sünden
Sonntag, 25. Oktober 2020

Bach, Johann Sebastian - Tilge, Höchster, meine Sünden

Musikalische Verbeugung


Label/Verlag: Atma classique
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das eigentlich Hörenswerte an dieser Aufnahme ist allerdings der Dirigent Bernard Labadie und das Kammerorchester Les Violons du Roy.

Ein Muss für jeden Liebhaber des Stabat Mater von Pergolesi. Johann Sebastian Bach hat sein Leben lang die Werke anderer Komponisten abgeschrieben, bearbeitet, adaptiert. Was für viele heute als verwerflich gilt, war zu Bachs Zeit und auch schon viel früher an der Tagesordnung und keineswegs verpönt. Es war nicht nur eine Methode, fremde Musikstile zu erlernen und die eigene Fantasie zu beflügeln, es war auch eine Verbeugung vor dem Meisterwerk eines verehrten Kollegen. Durch seine Neutextierung in deutscher Sprache war Bach zu einigen Änderungen gezwungen und passte Melodik und Rhythmik dem neuen Text an. Somit untermalt die Musik auch den neuen Text, deutet ihn aus, gestaltet ihn plastisch.

Die beiden Sänger der Einspielung gehen mit den deutschsprachigen Gegebenheiten erstaunlich gut um. Sowohl der Countertenor Daniel Taylor, als auch die Sopranistin Karina Gauvin sind gebürtige Kanadier. In ihrer Heimatstadt Montréal sind beide Künstler längst gefeierte Stars, und erobern sich auch immer mehr die internationalen Opern- und Konzertbühnen. Gauvin und Taylor sangen bereits in Musikmetropolen wie London, New York, Berlin, München und Rom und fanden daneben Zeit, in bedeutenden Aufnahmen mitzuwirken.

Für das vorliegende Werk stellen sie eine Idealbesetzung dar. Ihr beiden Stimmen blenden gut und lassen durch ihr helles Timbre Bachs Musik sehr leichtfüßig wirken. Karina Gauvins Sopran ist sehr klar und erklingt auch in den stimmlichen Höhen noch rund und ohne Schärfe. Allerdings klingt ihr Vortrag etwas bemüht und angestrengt, was wohl vor allem an der Eigenheit der deutschen Sprache liegt. Somit wirkt die Melodik, die durch die Bearbeitung sehr stark vom Idiom der Sprache geprägt ist, etwas holperig gestaltet und wenig organisch.

Diesen Gegebenheiten ist Daniel Taylor besser gewachsen. Seine Aussprache ist nicht nur besser verständlich, sondern er meistert auch melodische Schwerpunkte und Verzierungen ausgewogener. Harmonisch wie sein Vortrag ist auch die Stimme des Countertenors in sich: klar, weich mit tenoraler Tiefe und leuchtender Höhe, zu der er ohne störende Registerbrüche Zugang hat.

Das eigentlich Hörenswerte an dieser Aufnahme ist allerdings der Dirigent Bernard Labadie und das Kammerorchester Les Violons du Roy. Das 15-köpfige Orchester klingt mit seinen modernen Instrumenten stilistisch korrekt im Sinne der historischen Aufführungspraxis. Labadie lotet jede dynamische Möglichkeit der Partitur aus und erweckt das Werk damit zu frischem Leben. Nie wir dein großer Klangteppich durch gemütliche Legatobögen ausgebreitet, sondern immer wieder wird der Hörer durch präzise Akzente und pointierte rhythmische Herausarbeitung überrascht. Für die Sänger ist es zuweilen kaum möglich mit dieser kleinteiligen, dabei aber nie zerfallenden Gestaltung stimmlich mitzuhalten.

Das kurze Programm der CD wird durch Bachs Solokantate ‘Ich habe genug’ BWV 82 ergänzt. Karina Gauvin tritt hier als Solistin in Erscheinung. Eine Beigabe, die die Laufzeit der CD immerhin auf knapp eine Stunde verlängert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Tilge, Höchster, meine Sünden

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Atma classique
1
05.05.2005
Medium:
EAN:

CD
0722056234221


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Bach, Johann Sebastian


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Orchester/Ensemble:Les Violons du Roy
Interpret(en):Gauvin, Karina
Taylor, Daniel


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Atma classique

Das Label ATMA - Seele oder Lebensgeist auf Sanskrit - wurde 1995 gegründet und bietet inzwischen mehr als 200 Aufnahmen von mittelalterlicher bis zu zeitgenössischer Musik mit einem besonderen Schwerpunkt im Barock. Für ihre Aufnahmen umgibt sich Johanne Goyette, Direktorin und zugleich Toningenieurin der Firma, gerne mit wagemutigen Künstlern, um in ihrem Studio Unerhörtes (und Ungehörtes) zu schaffen.
ATMA Classique vertreibt in Kanada, den Vereinigten Staaten, in Europa, Australien und Asien. Das Label erfreut sich zunehmend großen Erfolgs und genießt weltweite Anerkennung für die hohe Produktionsqualität sowohl in aufnahmetechnischer als auch in künstlerischer Hinsicht. Zahlreiche Aufnahmen wurden mit Preisen (Diapason d?or, Goldberg, Prix Opus, Félix, JUNO u.a.) ausgezeichnet.
Im Juni 2004 hat ATMA Classique in Zusammenarbeit mit dem Festival Montréal Baroque den Grundstein zu einem anspruchsvollen Großprojekt gelegt: Über die nächsten fünfzehn Jahre sollen Johann Sebastian Bachs 200 geistliche Kantaten zum ersten Mal im hybriden SACD-Format (Super Audio Compact Disc) mit Surround-Sound aufgenommen werden.


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