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Mittwoch, 30. November 2022

Verdi, Giuseppe - Falstaff

Rau, verwegen, wild mit Charme und Liebenswürdigkeit


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Prächtig die Weiberriege mit Regina Resnik als Alice, Martha Lipton als Mag Page und der fundamentalen Cloe Elmo als Quickly.

Es muss einer der großen Abende an der New Yorker Met gewesen sein, als am 26. Februar 1949 Verdis letzte Oper ‘Falstaff’ gegeben wurde. Die Besetzungsliste führt einige der Sängerinnen und Sänger auf, die das Publikum ins Herz geschlossen hatte, Fritz Rainer hatte die Leitung. Es muss ein temperamentvoller und höchst vergnüglicher Abend gewesen sein. Warum immer ‘muss’, war es nicht so?

Die Aufführung wurde im Rundfunk übertragen und in bewährter Weise von Milton Cross kommentiert. Der Mitschnitt dieser Aufführung liegt nun auf zwei CDs in der Reihe ‘Immortal Performances’ des Labels ‘Guild’ vor und was da zu hören ist, oder streckenweise eben nicht zu hören ist, das gibt einen leider nur unvollkommenen Eindruck davon, welch berauschender Operabend da vor 56 Jahren über die Bühne der Met gegangen sein muss.
Es rauscht und knattert, es gibt sehr unangenehme Übersteuerungen und Verzerrungen, die Lautstärke schwankt, und doch vermittelt sich unwahrscheinlich viel von der grandiosen Stimmung dieser Aufführung.
Fans werden die technischen Mängel in Kauf nehmen, wer dem Reinheitsgebot der Studioproduktionen bzw. moderner Aufnahme- und Übertragungstechniken anhängt, wird entsetzt sein.

Der amerikanische Bariton Leonhard Warren hatte zehn Jahre zuvor sein Debüt an der Met gegeben, 1949 war er schon recht weit in seiner Karriere, bald übernahm er den Dogen in Verdis ‘Simone Boccanegra’, errang mit dem ‘italienischen Boris’ seine großen Triumphe. Warren war auch international bekannt und berühmt geworden, aber er hielt New York die Treue mit 622 Auftritten, davon allein an 376 Abenden in Aufführungen von Verdiopern. Auch am 4. März 1960 wurde an der Met eine Oper von Verdi gegeben, ‘La Forza del Destino’, mit Warren sagen Renata Tebaldi und Richard Tucker. Es war Warrens letzter Auftritt und einer der tragischsten Abende des Opernhauses, denn der so berühmte wie beliebte Bariton brach mitten im Freundschaftsduett zusammen und verstarb auf der Bühne. Warren, ein Sänger der sich stets verausgabte, der seinen Figuren pralles Leben schenkte, stimmlich vor allem, war auch ein bedeutender Interpret des ‘Falstaff’.

In der vorliegenden Aufnahme bekommt man, trotz genannter Einschränkungen, doch recht viel mit von der Direktheit, der lebensprallen Lust des alternden Helden auf Liebespfaden, in philosophischen Exkursen und Trinkmeisterschaften. Warren – stimmlich jedenfalls – ist ein liebenswürdiges Raubein, ein kraftvoller Bariton mit zartem Kern. Ein so sehr geschmeidiger, eleganter Bariton ist er nicht, wiewohl er auch die Töne des Fauns im alten Zausel erklingen lässt, und man von der Tragik seiner Rolle nicht unberührt bleibt. Giuseppe di Stefano, 1948 an die Met gekommen, singt den Fenton und Licia Albanese die Anne Ford. Viele schöne Töne, so hoffnungsvoll, wie Verdi sie seinem jungen Paar in seiner Abschiedsoper geschrieben hat.

Prächtig die Weiberriege mit Regina Resnik als Alice, Martha Lipton als Mag Page und der fundamentalen Cloe Elmo als Quickly. Ford und Caius singen Giuseppe Valdengo und Leslie Chabay, Bardolph und Pistol sind Alessio de Paolis und Lorenzo Alvary.

Jede Passage dieser Aufnahme, in die man sich bei mehrmaligem Hören immer besser einhört, so dass die Störungen weniger abweisend werden, macht schmerzlich deutlich, welcher Genuss es wäre, dieses Dokument einer höchst lebensvollen und vor allem musikalisch prächtigen Aufführung, ungestörter genießen zu können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Verdi, Giuseppe: Falstaff

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Guild
2
24.06.2005
150:58
1949
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
795754231021
GHCD 2309/10


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Verdi, Giuseppe
 - Broadcast commentary -
 - Act I, Scene 1 - Falstaff!
 - Act I, Scene 1 - So che se andiam, la notte
 - Act I, Scene 1 - Ma è tempo d’assottigliar l’ingegno
 - Act I, Scene 1 - Ehi! paggio!
 - Broadcast Commentary -
 - Act 1, Scene 2 - Alice
 - Act 1, Scene 2 - Fuglida Alice! amor t’offro
 - Act 1, Scene 2 - Ripeti
 - Act 1, Scene 2 - Pst, pst, Nannetta
 - Act 1, Scene 2 - Torno all’assalto
 - Act 1, Scene 2 - Del tuo barbaro diagnostico
 - Broadcast Commentary -
 - Act 2, Scene 1 - Orchestral Introduction
 - Act 2, Scene 1 - Siam pentiti e contriti


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Dirigent(en):Reiner, Fritz
Orchester/Ensemble:Metropolitan Opera Orchestra
Interpret(en):Chabay, Leslie
Alvary, Lorenzo
de Paolis, Alessio
Lipton, Martha
Elmo, Cloe
Albanese, Licia
Resnik, Regina
di Stefano, Giuseppe
Valdengo, Giuseppe
Warren, Leonard


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"Endlich! Eine akzeptable, volltönende Aufnahme einer bemerkenswerten Wiederaufführung an der Met: Der Falstaff von 1949 - von Fritz Reiner mit hervorragendem Können inszeniert. Dieses Album erhält als einziges diese Sänger/innen in Verdis ausgelassenen und überschäumenden Komödie, mit der Ausnahme von Cloe Elmos berühmten Dame Quickly, die auch im folgenden Jahr in Toscaninis Aufführung dieser Oper zu hören war. Diese Übertragung, zusammen mit einer Inszenierung desselben Dirigenten von Salome mit Wellitsch, war die Sensation der Saison, und hier hört man warum. Das Beiheft enthält Informationen über die Sänger/innen und die Aufführung mit seltenen Fotos dieser Vokalkünstler in ihren Rollen und auf der Bühne. Dies, zusammen mit der Live-Reportage und tobendem Beifall, stellt eine weitere Herausgabe von bedeutenden Met Ausstrahlungen dar."


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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