> > > Bachianas Brasileiras : No. 5
Samstag, 10. Dezember 2022

Bachianas Brasileiras - No. 5

Bachianas Brutalas


Label/Verlag: Brana records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ist schon die Auswahl der Stücke fragwürdig, so ist es die Qualität der Musik um so mehr.

Annette Celine (Sopran) und Felicja Blumental (Piano) präsentieren auf ihrer CD "Bachianas Brasileiras No. 5" von Brana Records eine Zusammenstellung mit 22 Liedern von 11 verschiedenen Komponisten. Die Auswahl reicht dabei von Scarlatti über Mozart, Chopin und Richard Strauss bis zu Schönberg, Weill und Villa-Lobos, der mit seinen Bachianas Brasileiras auch den Titel für die CD gegeben hat. Eigentlich hatte ich aufgrund des Titels erwartet, Stücke zu finden, die entweder etwas mit Bach oder mit brasilianischer Musik oder mit beidem zu tun haben. Außer zwei Bachianas Brasileiras von Villa-Lobos hat das aber kein weiterer Titel. Offenbar soll es sich also bei dieser Veröffentlichung um eine lose Liedersammlung handeln, einen Querschnitt durch die Geschichte des Kunstliedes. Schade nur, dass dabei dann größere Namen wie Schubert, Schumann oder Wolf fehlen.

Ist schon die Auswahl der Stücke fragwürdig, so ist es die Qualität der Musik um so mehr. Das Lied ist leider eine sehr empfindliche Gattung, zu der ein Sänger / eine Sängerin wirklich berufen sein muss. Die Weichheit und Zartheit, gleichzeitig aber auch die dramatische Stärke eines Thomas Quasthoff oder Dietrich Fischer-Dieskau setzt da schon Maßstäbe, von denen Annette Celine nicht einmal träumen kann. Was große Lieder-Stimmen vereint, ist die Tatsache, dass sie ihre Stimme zurücknehmen können, um im kleinen, privaten, fast kammermusikalischen Rahmen viel Emotion zu vermitteln, nur mit Klavier und Stimme, also in einer intimen, dichten Atmosphäre. Celines Stimme erweist sich daher als nahezu ungeeignet für das Lied. Sie kennt leider nur ein Register: laut mit viel Vibrato. Was als Grande Dame, als Primadonna in der Oper funktionieren mag, kleistert das Lied völlig zu. Nur zu wenigen ausgewählten Liedern passt Celines Stimme.

Zum einfachen italienischen Stil Scarlattis passt ihre Stimme einigermaßen, auch wenn "Le Violette" fast an eine Übung aus dem Vacchaj erinnert, was als Eröffnungsstück einer CD eher etwas fragwürdig wirkt. Zwei Stücke von Pergolesi, beides Opernarien, bewältigt sie auch ganz passabel. Aber schon das zarte und einfühlsame "Traumbild" von Mozart leidet unter Celines starkem Vibrato. Zwar singt sie auch leise und dynamisch, aber viel retten kann das nicht mehr. Gleiches gilt auch für Felix Mendelssohns "Auf Flügeln des Gesanges" (Übrigens: muss man den zweiten Teil seines Namens - Bartholdy - jetzt auf einem CD-Cover verheimlichen?) und für die drei Lieder Richard Strauss'. Höchstens der temperamentvolle Chopin verträgt Celines Timbre. Leider leiden die vier Chopin-Stücke dieser CD dafür unter anderen Problemen. Celine muss sie an einem schlechten Tag gesungen haben, ihre Stimme erscheint hier schwächer, gelegentlich verliert sie bei sehr tiefen Tönen sogar ihre Stütze oder wird unsauber. Ganz aus dem Ruder läuft diese Sache bei zwei komischen Liedern Schönbergs und den beiden Stücken von Kurt Weill. Celine versucht hier die Intonation großer Chanson-Sängerinnen der zwanziger Jahre nachzuahmen, was aber aufgrund ihrer immer wieder aufblitzenden opernhaften Stimmgewalt etwas über das Ziel hinausschießt. Die Titelsongs schließlich, zwei Sätze aus den "Bachianas Brasileiras No. 5" von Heitor Villa-Lobos sind durchaus hörenswert. Hier passt das lateinamerikanische Temperament der (brasilianischen) Sängerin zur Intention des Komponisten.

Alles in allem muss man aber sagen, dass ihre kraftvolle und manchmal etwas dumpfe Stimme mit dem unkontrollierten Vibrato und ihrer Vorliebe für dunkle Vokale leider nicht für das Lied-Genre geeignet ist. Auch aufnahmetechnisch sind deutliche Schwächen vorhanden: ein mager klingendes Klavier und deutliche klangliche Unterschiede zwischen den einzelnen Stücken müssen heute eigentlich nicht mehr sein. Einzig die Pianistin Felicja Blumental verdient ein Lob: Sie erfüllt ihre Aufgabe souverän und dezent, sehr gekonnt und ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bachianas Brasileiras : No. 5

Label:
Anzahl Medien:
Brana records
1
Medium:

CD


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Chopin, Frédéric
Moniuszko, Stanislaw
Mozart, Wolfgang Amadeus
Pergolesi, Giovanni Battista
Villa-Lobos, Heitor
Weill, Kurt


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Interpret(en):Celine, Annette
Blumental, Felicja


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Brana records

Brana Records exists to restore and publish rare recordings by neglected artists and recordings of newly discovered masterpieces.
Our current focus is the life and work of the Polish / Brazilian pianist Felicja Blumental who overcame prejudice to scale the heights of her chosen profession. A champion of the piano music of the early 19th Century outside that of the regular repertory, she recorded works by lesser known composers such as Arensky, Clementi, Czerny, Kuhlau, Hoffmeister, Hummel and Ries, as well as acclaimed recordings of Mozart, Beethoven and Chopin.
It is these wonderful recordings that we are restoring and releasing to create a lasting record of this wonderfully talented pianist.


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