> > > Portugal, Marcos: The Mistress and the Maid or The Triumph of Humility
Montag, 6. Dezember 2021

Portugal, Marcos - The Mistress and the Maid or The Triumph of Humility

Von Extravaganzen und Frauen


Label/Verlag: ARS MUSICI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung bleibt durchaus ein fundierter Versuch, an den bekanntesten Opernkomponisten Portugals zu erinnern.

Nach Italien, ins Mutterland der Oper, zog es viele Komponisten der vergangenen Jahrhunderte. Hier konnten sie die verschiedenen Stilrichtungen studieren, die lebendige Opernpraxis erleben und Verbindungen zu Sängern, Instrumentalisten, Komponistenkollegen und natürlich zu zukünftigen Geldgebern herstellen. Manche blieben jahrelang dort, anderen reichte eine kurze Studienreise zur Vervollkommnung ihrer künstlerischen Fähigkeiten. Aus Lissabon reiste 1792 ein junger Komponist namens Marcos Antonio Portugal an; vornehmlich zum Studium. Zu diesem Zweck bekam er vom portugiesischen Königshof ein Stipendium, nachdem er schon sechs Jahre am Lissaboner Salitre-Theater gearbeitet hatte.

Während der folgenden acht Jahre schrieb Marcos Portugal für verschiedene italienische Theater über zwanzig Opern, die ihn innerhalb kürzester Zeit in Europa bekannt machten. Eine seiner erfolgreichsten Opern, Le donne cambiate, liegt nun erstmals in einer Einspielung bei dem Label ‚Marco Polo' vor. Seine Werke sind kaum im Druck erhältlich. Die Rekonstruktion dieser Oper ist schwierig gewesen und wohl immer noch nicht abgeschlossen.

Stilistisch ist dieses Werk im neapolitanischen Opernstil gehalten. Als burleske Komödie komponiert, mit einem etwas derben Libretto, mit dem üblichen hohen und dem niederen Paar; natürlich mit glücklichem Ende und einer lehrenden Moral. Anleihen an Cimarosa und Paisiello sind offensichtlich. Rossini und Donizetti haben an Portugals Stil angeknüpft.

Seit Pergolesis La serva padrona ist der Stoff dieser Verwechslungskomödie vielfach verwendet worden. In Le donne cambiate werden die Dienerin zur Herrin und die Gräfin zur Schustersgattin. Im Mittelpunkt dieser einaktigen ‚Farsa' steht allerdings die Klage des Grafen über die Extravaganzen seiner Frau, die mit nichts anderem zu besänftigen ist, als mit der Erfüllung ihrer Wünsche. Nichts ist ihr gut genug, nichts ist ihr recht zu machen. Selbst ihr Mann - die Gutmütigkeit in Person - ist ihr zu alt, zu langweilig und wehleidig. Der Graf ist so verzweifelt, dass er schon seinen Kammerdiener und seinen Schuster ins Vertrauen zieht und Ratschläge einholt, wie er seine Frau beruhigen könnte. Ein zufällig vorbeiziehender Pilger hört diese Klagen und verwandelt die Gräfin in die Gestalt von Carlotta, der Gattin des Schusters. Carlotta findet sich in der Gestalt der Gräfin Ernesta wieder. Beide Frauen sind verwirrt und unglücklich über ihre Situation, wohingegen die beiden Ehegatten über die Veränderung ihrer Frauen angenehm erstaunt sind. Erst als es zur Liebesprobe kommen soll, erklärt der Pilger die Verwechslung und verwandelt die beiden Frauen wieder zurück.

Leider scheint die Einspielung auf starken Kürzungen zu basieren, denn die abgedruckte Inhaltsangabe bespricht einige Szenen, zu der keine Musik aufgenommen wurde. Auch ist der musikalische Zusammenhang des öfteren gestört; zum Beispiel an den Stellen, an denen ein überleitendes Rezitativ die Handlung erklärt hätte. So gibt es mehrmals harmonische Brüche und recht grobe Übergänge zwischen den Szenen. Insgesamt lebt diese Oper von den Ensembles, wie zum Beispiel der großen Duettszene zwischen Graf und Gräfin in der ersten Szene oder dem Duett Biagio-Gräfin in der zweiten Szene. Die Arien sind zwar mit einem gewissen Einfallsreichtum komponiert, ihnen fehlt aber die Konzentration auf wenige musikalische Gedanken, so dass die Melodieführung beliebig wirkt. Zudem ist die Textverteilung in der gesamten Oper nicht zwingend; nicht selten mit merkwürdigen Betonungen und Phrasierungen. Musikalisch rund und mit großem Tempo sowie frischem Stil ist die Finalszene gestaltet, die die Stimmcharaktere der beiden Soprane und der drei Männerstimmen variabel in Szene setzt.

Diese Aufnahme hat leider zwei große Mängel: Zum einen die oben geschilderten Kürzungen und zum anderen die langen Pausen zwischen den einzelnen Tracks, die dem Stück Spannung und Tempo nehmen. Hier hätten dann doch das eine oder andere Rezitativ auf die CD gepasst und die insgesamt etwa eineinhalb Minuten Leerlauf besser genutzt werden können.

Die Interpretation unter Álvaro Cassuto hingegen ist dem Stück angemessen. In der Sängerauswahl hat der Chefdirigent des Portugiesischen Sinfonieorchesters eine glückliche Hand bewiesen. Die beiden Soprane - Ana Paula Russo als Gräfin Ernesta und Ana Ferraz als Carlotta - haben helle, klare Stimmen, sind koloratursicher und versprühen den verspielten, neckischen Reiz der Opera buffa. Jorge Vaz de Carvalho als Graf Fricandó spielt seine große Mozart-Erfahrung aus und gibt souverän den verzweifelten Gatten. Seine Bariton ist voll, beweglich, allerdings manchmal etwas hohl. Luís Rodrigues als Biagio hat seinen großen Auftritt in der zweiten Szene mit Ernesta, den er temporeich, witzig und kraftvoll gestaltet. In den Szenen mit Graf und Lucindo geht er unter, da er seine Stimme etwas behäbig führt und das Klischee des alten Dieners überstrapaziert. In der Rolle des Kammerdieners Lucindo spielt der junge Tenor Alberto Lobo da Silva. Seine weiche, lyrische Stimme hebt sich schön von den dunkleren Männerstimmen ab, allerdings ist da Silva rhythmisch nicht sicher, was besonders im Finale mit seinen vielen Rubati und Accelerandi unangenehm auffällt.

Mit der City of London Sinfonia spielt leider ein Orchester auf modernen Instrumenten und moderner Bogenführung. Insbesondere die grazile Melodieführung in den ersten Geigen bereitet diesem Orchester große Probleme, der Zusammenklang der vollen, dunklen Holzbläser mit den hellen, schlanken Stimmen tut dieser Musik nicht gut. Auch fällt es dem Orchester schwer, den Tempowechseln des Dirigenten zu folgen, wodurch die Bindung von Sängern und Orchester des öfteren aufbricht. Man versucht den leichten Ton der Buffo-Oper zu treffen, was oft, aber leider nicht immer gelingt.

So bleibt diese Einspielung ein durchaus fundierter Versuch, an den bekanntesten Opernkomponisten Portugals zu erinnern. Man wünscht sich jedoch eine ausgefeiltere Interpretation.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Barbara Schönfeld,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Portugal, Marcos: The Mistress and the Maid or The Triumph of Humility

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
ARS MUSICI
1
04.07.2000
69:16
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0636943515426
8.225154

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Portugal, Marcos


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Dirigent(en):Cassuto, Álvaro
Orchester/Ensemble:City of London Sinfonia
Interpret(en):Russo, Ana Paula (Contessa Ernesta)
Ferraz, Ana (Carlotta)
Vaz de Carvalho, Jorge (Conte Fricandò)
Rodrigues, Luís (Biagio)
Lobo da Silva, Alberto (Lucindo)
Villalonga, Nuno de (Pellegrino)


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ARS MUSICI

Wenn man es genau nimmt, reichen die Wurzeln des Labels ARS MUSICI bis in die 1950er Jahre zurück. Damals gründete Rudolf Ruby in Freiburg i.Br. die Schallplattenfirma deutsche harmonia mundi, die Pionierleistungen mit inzwischen legendären Interpreten auf dem Gebiet der Alten Musik in Sachen Historische Aufführungspraxis vollbrachte. Nach dem Verkauf des Labels und Katalogs an die BMG setzte man seit 1994 in der Schwarzwald-Metropole die Arbeit unter dem neuen Firmennamen Freiburger Musik Forum GmbH fort. Das Label ARS MUSICI wurde ins Leben gerufen, und das Themen-Spektrum der Produktionen erweiterte sich von Musik des Mittelalters bis hin zu aktuellster zeitgenössischer Musik.
Schwerpunkte liegen seitdem in den Bereichen der vokalen Ensemblemusik (Solisten, vokalsolistische Ensembles, Chöre) sowie instrumentaler Musik (insbesondere Tasteninstrumente und Kammermusik). Seit dem nunmehr über 10-jährigen Bestehen des Labels erschienen zahlreiche Neuveröffentlichungen, die national wie international eine breite und positive Resonanz in der Fachwelt sowie bei Presse und Kritik fanden und von denen etliche mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurden. Den Katalog zieren heute Namen wie Michael Korstick, Robert Hill, Lorenzo Ghielmi, Tabea Zimmermann, Henrik Wiese, Klavierduo Stenzl, Trio Jean Paul, Artemis Quartett, Ensemble Modern, Ensemble Aventure, Singer Pur, Dufay Ensemble, Augsburger Domsingknaben, Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger ... ? um nur einige wenige zu nennen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Freiburger Musik Forums liegt in der Publikation von Tonträgern mit ausgezeichneten Interpreten der jungen Generation. So verbindet die Firma eine langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat. Mit der CD-Reihe PRIMAVERA hat das Freiburger Musik Forum im Auftrag des DMR seit ca. 25 Jahren zahlreichen Preisträgern des Deutschen Musikwettbewerbs ihre erste Chance gegeben, sich der Öffentlichkeit mit einer eigenen CD vorzustellen.
Mit dem Theodor-Egel-Saal in Freiburg Ebnet bietet die Firma einen idealen Raum für Tonträger-Aufnahmen ? in Zusammenarbeit mit erfahrenen Tonmeistern und einer rundherum sehr guten Betreuung der Künstler, die hier aufnehmen.


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