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Montag, 25. Oktober 2021

Taneyev, Sergey Ivanovich - String Trios

Zwei Meisterwerke für Streichtrio


Label/Verlag: Arco Diva
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Obwohl schon die Koppelung zweier Meisterwerke für Streichtrio auf dieser CD an sich zu begrüßen ist, gewinnen beide Schöpfungen durch die erstklassigen Interpretationen noch zusätzlich.

Unübersehbar ist die Zahl der komponierten Streichquartette von Joseph Haydn bis Wolfgang Rihm – und vermutlich kommen täglich neue hinzu. Da erscheint die Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen, fast unlösbar. Gewiß gibt es einige anerkannte Meisterwerke, doch den Überblick zu behalten fällt angesichts der riesigen Masse schwer. Ganz anders sieht die Situation beim Streichtrio aus, einer Gattung, die von den meisten Komponisten recht stiefmütterlich behandelt wurde. Beethovens drei Werke op. 9 würden wohl vielen einfallen, daneben die Beiträge so produktiver Komponisten wie Hindemith und Milhaud. Aus der Zeit der vorvergangenen Jahrhundertwende stammen indes zwei Streichtrios, die man getrost zu den Gipfelwerken der vernachlässigten Gattung rechnen darf: das 1879/80 komponierte D-Dur-Trio des Tschaikowsky-Schülers Sergej Tanejew und die 1902 komponierte Serenade op. 10 von Ernst von Dohnanyi, ein höchst originelles fünfsätziges Werk. Das tschechische Streichtrio (Petr Matìják, Violine; Jiøí Rajniš, Viola; Marie Hixová, Violoncello) hat die beiden Werke auf dieser bei arcodiva erschienenen CD eingespielt.

Tanejews Trio umfaßt die traditionellen vier Sätze, unter denen sich das Scherzo am auffälligsten präsentiert: ‚in contrapunto alla riversa‘ ist es bezeichnet, also im umgekehrten Kontrapunkt komponiert – eine Demonstration technischen Könnens, die leicht zum Selbstzweck entarten könnte, wovor den Komponisten glücklicherweise seine Inspiration bewahrte. Doch auch die anderen drei Sätze müssen sich nicht hinter dem Scherzo verstecken, gleich der Kopfsatz bietet allen drei Streichern Gelegenheit, sich musikalisch zu entfalten. Die drei Mitglieder des tschechischen Streichtrios lassen sich diese Chance nicht entgehen: Auch wenn Matìjáks Violine meist im Vordergrund steht, haben Viola und Cello genug Möglichkeiten, Virtuosität und (vor allem) Sanglichkeit zu demonstrieren. Die Klangbalance ist beinahe optimal, was nicht nur auf die Aufnahmetechnik, sondern auch auf die drei sorgfältig miteinander kommunizierenden Interpreten zurückzuführen sein dürfte. Die kontrapunktischen Finessen des zweiten Satzes erschließen sich im Detail wohl erst aus dem Studium der Partitur; vergnüglich anzuhören ist er allemal. Wäre der Kopfsatz bei aller Originalität noch als ein Stück Mozarts durchgegangen, so verschärft sich nun auch die Harmonik. Das tschechische Streichtrio ist der Musik jedenfalls stets gewachsen: Die Intonation ist sauber, die Tempi wurden sorgfältig gewählt. Gerade Jiøí Rajniš an der Viola, dem undankbarsten Instrument eines Streichquartettes, kann sich in diesem Streichtrio profilieren. Der langsame Satz zeichnet sich durch einen sehr elegischen Tonfall aus, der in starkem Kontrast zum eher heiteren Finale steht. Immer jedoch gelingt es Tanejew, hohes kompositorisches Können mit Ausdruckskraft zu verbinden. Gerade in puncto Expressivität stehen die drei Musiker dem Komponisten in nichts nach, diese Interpretation kann sich sehen (und natürlich hören) lassen.

Dohnanyis Serenade besteht aus fünf Sätzen, die jeweils eine individuelle Prägung aufweisen: Einem ‚Marcia‘ folgt eine ‚Romanza‘, danach – die einzige Gemeinsamkeit mit Tanejew – ein Scherzo, ein Variationssatz und schließlich ein Rondo. Diese inhaltliche Vielfalt verlangt von den Interpreten hohe Flexibilität; die drei Musiker lassen es daran nicht fehlen, obwohl sie den ersten Satz vielleicht etwas zu geruhsam angehen. Doch in den herrlichen Kantilenen des zweiten und den neckischen Wendungen des dritten Satzes stimmt dann wieder alles – der Eindruck eines hervorragend aufeinander abgestimmten Zusammenspiels, der schon in Tanejews Trio aufkam, stellt sich auch hier ein. Nach dem anspruchsvollen Variationssatz ist das Finale das verspielte Tüpfelchen auf dem ‚i‘.

Obwohl schon die Koppelung zweier Meisterwerke für Streichtrio auf dieser CD an sich zu begrüßen ist, gewinnen beide Schöpfungen durch die erstklassigen Interpretationen noch zusätzlich. Das tschechische Streichtrio kann sich gegenüber der in beiden Fällen vorhandenen Konkurrenz mühelos behaupten. Einziger kleiner Schönheitsfehler dieser Veröffentlichung ist der fehlende deutsche Booklettext.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Taneyev, Sergey Ivanovich: String Trios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arco Diva
1
25.08.2005
Medium:
EAN:

CD
8594029810761


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Dohnányi, Ernst von
Taneyev, Sergey Ivanovich


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Arco Diva

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 gehört Arco Diva aus Prag zu den bedeutendsten unabhängigen Produzenten klassischer Musik in Tschechien und Mitteleuropa, die sich nach den politischen Umwälzungen 1989 etablierten.

Der Katalog des Labels umfasst mehr als hundert Titel; viele davon wurden auch außerhalb Tschechiens ausgezeichnet. Arco Diva legt pro Jahr etwa 12 neue Produktionen vor, sehr oft in Kooperation mit Institutionen wie dem tschechischen Rundfunk, dem internationalen Festival ?Prager Frühling? usw. Das Label ist stets auf der MIDEM in Cannes vertreten und exportiert nach Übersee incl. Asien (Japan, China, Südkorea).

Der Schwerpunkt der Produktionen liegt vorwiegend, aber nicht ausschließlich, auf Werken tschechischer und mittel- bzw. osteuropäischer Komponisten. Das Label sucht ständig nach neuen, vielversprechenden Interpreten und versucht, junge Künstler zu promoten. Besonders bedeutende Aufnahmen sind das Oratorium ?Svata Ludmilla? von Dvorák (als SACD in Kooperation mit dem ?Prager Frühling? erschienen), das Oratorium ?Judas Maccabäus? von Sylvie Borodová und andere mit dem Radiosymphonieorchester Prag, dem Prager Symphonieorchester, dem philharmonischen Orchester Brno, dem Prager Kammerorchester, Prague Philharmonia usw. Zum Kreis der Künstler zählen die Quattro Group, Gabriela Benackova, Stefan Margita, Katerina Englichova, Martin Kasi, Martina Bacova, dem tschechischen Knabenchor Boni pueri, dem Quattro Orchester, Wihan Quartet, ArteMiss Trio, Puella Trio und Komponisten wie Sylvie Bodorova, Lubos Fiser, Zdenek Lukas, Otmar Macha.

Technisch arbeitet das Label in der hochauflösenden 24 bit/96 KHz-Technik, wobei auch Dienstaufträge für andere Label wie Praga Digital übernommen werden. Arco Diva ist ein Pionier bezüglich des Digitalvertriebs in Tschechien und repräsentiert dort die Firma The Orchard.


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