> > > Sullivan, Arthur: The Rose of Persia
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Sullivan, Arthur - The Rose of Persia

Komik im Akademikertonfall


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trotz der angesprochenen Mankos wird hier eine außerordentlich gut gemachte Sullivan-Oper in historischer Aufführungspraxis geboten.

Kurt Schwaen sagte einmal: ‚Was man nicht mit drei Tönen ausdrücken kann, das kann man auch nicht mit einhundert Tönen ausdrücken’. Diesem Motto scheint bereits Sir Arthur Sullivan gefolgt zu sein, der mit seiner Musik zu zahlreichen komischen Opern auf Libretti von William Schwenck Gilbert große Erfolge feierte und viel Geld verdiente. Nicht die Tatsache, dass Sullivan nahezu immer seinen vorgefassten Schemata gefolgt ist, ist bemerkenswert, sondern dass der Komponist diese Formeln stets variantenreich abgeändert hat, indem er auf geniale Weise mit den Intervallen jonglierte, um doch immer wieder wahre Ohrwürmer zu produzieren, und indem er seine Orchestrierung mit feinen Spitzfindigkeiten versah, die hinter dem Schöpfer der komischen Opern ein wirkliches Komponistengenie erkennen lassen. Dass Arthur Sullivan weit mehr war als eine Art Andrew Lloyd Webber des viktorianischen Zeitalters, bedarf dank der Bemühungen der Sullivan-Forschung gottlob keiner Rechtfertigung mehr. Sullivan war, wie so viele Untertanen ihrer Majestät Queen Victoria, aber auch ein Freund von Reiseberichten und ging auch selbst gerne auf Reisen, besuchte (zu Zwecken des Studiums) Leipzig (um sich mit dem damals unabdingbaren Mendelssohn-Sound vertraut zu machen) und reiste Jahre später nach Ägypten. Orientalisches und Exotisches war in den Opern der Zeit en vogue und so kam der große Erfolg von ‚The Mikado’ im Jahr 1885 nicht von ungefähr. Im Jahr 1898/99 kehrte Sullivan erneut zu einem Sujet aus fernen Landen zurück, als er – die Kollaboration mit William Schwenck Gilbert war längst in die Brüche gegangen, weil Sullivan zusehends mehr Dramatik in den Opern haben wollte, die Gilbert nicht bieten wollte oder konnte – mit ‚The Rose of Persia’ einen Stoff vertonte, zu dem Basil Hood das Libretto verfasste. Cpo hat eine BBC-Aufnahme dieser komischen Oper Sullivans aus dem Jahr 1999 neuaufgelegt.

Die Summe des Erreichten

Basil Hood, ein aus dem Militärdienst ausgeschiedener Musik- und Theaterdramatiker, entlehnte den Stoff zu ‚The Rose of Persia’ der Sammlung ‚Tausendundeine Nacht’, genauer der ‚Abu Hassan’-Thematik, wie bereits Weber es in seinem Einakter ‚Abu Hassan’ getan hatte. Insofern steht Sullivans komische Oper nicht im Zeichen Gilbertscher überbordender Gesellschaftssatire, sondern beschäftigt sich, wie Meinhard Saremba es im Booklet-Text so treffend ausdrückt, mit der ‚Hoffnung auf den Triumph von Fantasie und Menschlichkeit über sinnlose Gräueltaten.’ Deutlich spürbar ist der dramatische Zug, den Sullivan hier entwickelt hat. In der 1899 am Londoner Savoy-Theater uraufgeführten Oper zieht der Komponist zudem noch einmal alle Register, er zieht die Summe dessen, was er musikalisch erreicht hat. Wunderbare Chornummern und herrlich ausgereifte Arien sind ihm hier gelungen. Geniale Simplizität, die sich zu spannungsgeladener Dramatik verdichtet – ein großer Wurf am Ende des Lebens. Ein Jahr später ist Sullivan gestorben.

Historisch informiert, aber leicht akademisch

Dirigent Tom Higgins hat mit dieser Einspielung die erste vollständige Aufnahme und zugleich die erste auf historischen Instrumenten interpretierte vorgelegt. Orchestral eine spannende Sache, kommen so doch Sullivans Instrumentierungstechnik und die aparten Klangeffekte, die er dadurch erreicht, besonders zur Geltung. Die Hanover Band produziert geradezu einen Spaltklang, der Einblicke in die Komponistenwerkstatt gewährt, statt sie zu verschleiern. Die zusätzlich eingespielten Ouvertüren zu ‚HMS Pinafore’, The Pirates of Penzance’, ‚The Mikado’, ‚The Yeomen of the Guard’, ‚Macbeth’ und die ‚Overture di ballo’ klingen auf einmal klarer, prägnanter, weniger überladen. Vielleicht hätte man sich denselben Spielwitz und Elan auch für ‚The Rose of Persia’ zueigen machen sollen. Hier wird manche Passage ein wenig zu akademisch abgespielt, wird zu wenig auf die Einheit von Orchester und vokalen Partien geachtet. Denn die Vokalpartien sind durchaus ideal besetzt: Richard Suart als Hassan kann einmal mehr die Sprachakrobatik unter Beweis stellen, mit der er seit Jahren zum Stammpersonal einer gelungenen Sullivan-Opern-Aufnahme gehört. Die komischen Opern verlangen Charaktere, verlangen Typen, stimmliche Individuen. Richard Morrison als Sultan, Ivan Sharpe als Yussuf, Jonathan Veira als Abdallah, Ian Caddy als Grand Vizier und Richard Edgar-Wilson als Physician füllen ihre Rollen alle mit stimmlicher Kontur und Prägnanz aus. Ausgeprägt ist die Textdeutlichkeit und die Punktgenauigkeit der Artikulation, ebenso bei den Frauenpartien: Sally Harrison als Rose-in-Bloom, Alison Roddy als Honey-of-Life, Claire Henry als Heart’s Desire/Song-of-Nightingales sowie Marilyn Hill Smith, Marcia Bellamy und Claire Pendleton lassen nie die nötige Technik vermissen, die durchaus nicht immer einfachen Partien zu meistern. Ab und an aber hätte man sich mehr Ausgestaltung der Rollen und den großen dramatischen Zusammenhang gewünscht, der zuweilen auf der Strecke bleibt. Nicht zuletzt aufgrund der eigentümlichen Diskrepanz zwischen Orchester und Vokalsolisten, die einen homogenen Zusammenklang beider Schichten vermissen lässt. Da ist freilich alles aufs Beste gespielt und gesungen, vielleicht aber teilweise zu musterhaft und steif. Die Southwark Voices bieten zudem nicht immer einen homogenen Chorklang. Auch ihnen kann man stimmliche Schwächen nicht nachsagen. Die gemischten Chorpartien erscheinen allerdings mehrfach eigentümlich transparent ausbalanciert, so dass oftmals lediglich der Außenstimmensatz von Sopranen und Bässen Träger der Substanz ist, die Mittelstimmen jedoch nicht genug Fülle aufweisen. Der geteilte Frauen- oder Männerchor hingegen kann durchaus überzeugen.

Welches Fazit ist zu ziehen? Trotz der angesprochenen Mankos wird hier eine außerordentlich gut gemachte Sullivan-Oper in historischer Aufführungspraxis geboten. Allein die Musik ist es wert entdeckt und gehört zu werden und so kann man trotz mancher akademischer Strenge seine Freude an dieser Einspielung finden, nicht zuletzt durch die außerordentlich elanvollen Interpretationen der dreingegebenen Ouvertüren und den hervorragenden Einführungstexten von Meinhard Saremba.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Sullivan, Arthur: The Rose of Persia

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
2
20.06.2005
145:06
1999
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203707423
777 074-2


Cover vergössern

Sullivan, Arthur
 - Act 1 - Overture
 - Act 2 - Oh, what is love?
 - Let a satirist enumerate a catalogue of crimes -
 - Six Overtures - Overture di Ballo


Cover vergössern

Dirigent(en):Higgins, Tom
Orchester/Ensemble:Southwark voices


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen – nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Unentschlossenes Konzept: Dvořáks 'Rusalka' vom Glyndebourne Festival. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vergessene Interpretationskunst: Auf 5 CDs wird der französischen Pianistin Yvonne Lefébure gedacht – eine Entdeckung auch für Kenner historischer Aufnahmen. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Ohne Schlacken: Eine rundum schöne Advents- und Weihnachtsplatte: Im besten Sinne zugänglich und stimmungsvoll, dabei von Gewicht und künstlerischer Substanz. Auch in dieser Saison kann es mit The Sixteen feierlich weihnachten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich