> > > Biber, Heinrich Ignaz: Violin Sonatas from the Kremisier Archive
Donnerstag, 20. Februar 2020

Biber, Heinrich Ignaz - Violin Sonatas from the Kremisier Archive

Allein schon wegen der E-Dur-Sonate...


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anton Steck ist ein Geiger, der den technischen Schwierigkeiten der Werke Bibers hundertprozentig gewachsen ist.

Allein schon wegen der Sonate in E-Dur von Heinrich Ignaz Franz Biber, die in einer Handschrift aus dem Wiener Minoritenkonvent überliefert ist, lohnen sich Erwerb und Anhören dieser – auch sonst an Pretiosen reichen – Aufnahme. Biber ist der Meister der virtuosen süddeutsch-österreichischen Violinmusik des 17. Jahrhunderts; in der E-Dur-Sonate treibt er die Virtuosität an die Spitze. Was dem Geiger hier an Fingerfertigkeit abverlangt wird, ist geradezu aberwitzig – Bibers kompositorische Meisterschaft offenbart sich darin, dass die extrovertierte Virtuosität niemals zum Leerlauf gerät, sondern in ein schlüssiges formales Konzept eingebunden wird.

Kremsier – Vermächtnis eines Musiknarren

Die anderen Werke der CD sind handschriftlich im berühmten Musikarchiv von Kremsier überliefert (mit Ausnahme der einleitenden c-Moll-Sonate von Biber, die aus dem Druck ‚Sonatae violino solo’ von 1681 stammt). Das mährische Städtchen war die Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Olmütz. Karl von Liechtenstein-Kastelkorn, der dieses Amt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts inne hatte, war ein Musiknarr. Er leistete sich eine Hofkapelle mit einigen der weltbesten Musiker, konkurrierte sogar offen mit der kaiserlichen Hofkapelle in Wien. Die geschlossen überlieferte, riesige Kremsierer Musiksammlung ist eine Fundgrube von unschätzbarem Wert.

Der Böhme Heinrich Ignaz Franz Biber startete seine fulminante Weltkarriere als Geigenvirtuose und Komponist in der Kremsierer Kapelle. 1670 reiste er nach Tirol zum damals renommiertesten Geigenbauer Jacob Stainer in Absam; von dieser Reise kehrte er nicht mehr zurück, sondern er trat gegen den Willen seines Kremsierer Herrn in die Dienste des Salzburger Fürstbischofs – offenbar ein von Biber lang geplanter und bestens vorbereitetet Coup. Bald scheint sich das Verhältnis Bibers zu Kremsier wieder normalisiert zu haben, denn er übersandte neue Kompositionen.

In Salzburg war Georg Muffat ab 1678 als Hoforganist ein geschätzter Kollege Bibers. Der gebürtige Savoyer aus einer schottischen Familie wurde in Paris und Rom gründlich in den französischen und italienischen Stil eingeführt. Seine meisterhafte Violinsonate kommt inzwischen immer öfter in Konzertprogrammen vor – sie verdient es.

Eine reine Freude

Anton Steck ist ein Geiger, der den technischen Schwierigkeiten der Werke Bibers hundertprozentig gewachsen ist. Sein Geigenton ist außergewöhnlich farbig, er musiziert mit Geschmack und hohem Einfühlungsvermögen in Übereinstimmung mit seinen Partnern. Puristen werden vielleicht die Nase rümpfen über das nicht gerade sparsam eingesetzte Vibrato – ich nicht, denn die Einspielung wirkt als Ganzes stimmig. Der Continuopart ist mit Cembalo und Orgel (Christian Rieger), Erzlaute und Chitarrone (Lee Santana) sowie Viola da gamba (Hille Perl) sehr abwechslungsreich gestaltet, was den Hörgenuss sehr hebt.

Die SACD ist auch klanglich eine reine Freude. Was die Qualität des Einführungstextes (Bernhard Moosbauer) und die Ausstattung angeht, erübrigen sich viele Worte – hier hat cpo ohnehin die Nase vorn, da passt eigentlich immer alles.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Biber, Heinrich Ignaz: Violin Sonatas from the Kremisier Archive

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
cpo
1
20.06.2005
67:12
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
761203712427
777 124-2


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Biber, Heinrich Ignaz Franz
 - Sonata in c -
 - Sonata in D -
 - Sonata in E -
 - Sonata in g -
 - Sonata in B -
 - Ciacona in D -
Muffat, Georg
 - Sonata in D -


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Interpret(en):Steck, Anton
Rieger, Christian
Santana, Lee
Perl, Hille


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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