> > > Korngold, Erich Wolfgang: Sextet in D major
Samstag, 29. Januar 2022

Korngold, Erich Wolfgang - Sextet in D major

Eine Mischung aus Süsse und Bitterkeit


Label/Verlag: Pan Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Herb, brillant, virtuos - eine CD, die einfach nur begeistert.

Sie machen sich eine gute Flasche Wein auf oder schenken sich einen alten Whisky ein, dunkeln den Raum ab, zünden Kerzen an (und nehmen den ersten Zug einer Zigarette, einer Zigarre oder eines Pfeifchens). Heute ist Zeit zum Genießen! Nun gehen Sie zu Ihrer guten Stereoanlage. Sie schalten sie an. Die Lichtlein blinken auf; ein kleines Knacken - die Technik ist bereit. Jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Welche CD soll in die Anlage gelegt werden. Keine Frage: Es muss eine CD sein, die den Klang Ihrer hervorragenden Lautsprecher voll auskostet. Die Platte muss brillant klingen und zudem noch spannend sein. Sie muss die Zeit vertreiben und zum Nachsinnen anregen. Sie sollte so herb klingen, wie der trockene Rotwein, der in Ihrem Glas funkelt.

Wenn auch Sie ein Genussmensch sind, der sich mit dieser Einführung identifizieren kann, dann habe ich hier die CD für Sie, die zu trockenem Rotwein und einer exzellenten Anlage passt: Korngolds Sextett sowie Zemlinskys Zwei Sätze für Streichquintett und Maiblumen blühten überall mit dem Wiener Streichsextett und Juliane Banse. Das ist Genuss pur! Herb, brillant, virtuos - eine CD, die einfach nur begeistert. Warum? Schwierige Frage! Zum einen ist diese Platte ein tontechnisches Meisterwerk. Der Klang ist äußerst direkt und hell, ohne dünn zu klingen. Jede Berührung der Saiten ist zu hören. Aber nicht nur das: Die Luft des Aufnahmesaales vibriert vor Ton - und Spannung. Interpretationen von größtem Engagement nehmen gefangen, packen und lassen nicht mehr los. Akkuratesse, Spielfreude und Verve sind wohl die Worte, die am besten beschreiben, was Erich Höbarth und Peter Matzka (Violine), Thomas Riebel und Siegfried Führlinger (Viola) sowie Susanne Ehn und Rudolf Leopold (Cello) hier vollbringen. Sie spielen kraftvoll, mit viel Druck und Schmelz. Natürlich hat auch die Musik an sich ihren Anteil an dem eingangs geschilderten Genussfaktor: Wenn Korngold nicht gerade Filmmusik - wie die traumhafte zu The Seahawk - schrieb, dann komponierte er - wie in seinem wundervollen Violinkonzert - ernste, wahrhaftige Werke von eigenständiger Melodik, bitterer Harmonik aber auch eingängiger Thematik. Diese Musik lässt in ihrer spannenden Mischung an Mahler denken, an Bernstein, ein wenig auch an Schostakowitsch. Die schnellen Wechsel zwischen wiener Walzerseligkeit und derber Harmonik sind interessant und aufregend. Korngold - das zeigt diese Aufnahme des Sextetts ganz deutlich - ist einer der zu wenig beachteten Komponisten in den Konzertsälen; auf CD ist ihm ja wenigstens umfangreich gehuldigt worden (beim Label cpo).

Zemlinsky kommt nach dem trockenen Bardolino ‚Korngold' wie ein süffiger ‚Pomino Bianco' daher. Die Melodik ist gefälliger, die Strukturen der Musik sind übersichtlicher; die Zeit zur Ruhe ist gekommen - so lange man sich dem packenden Spiel der Wiener entziehen kann, das doch durchweg in Atem hält. Da geht nichts daneben. Alles sitzt: feinfühlig, delikat.

Der erste der Zwei Sätze für Streichquintett lässt sofort an das Rigaudon aus Griegs Holberg-Suite denken. Gefällig, peppig, fetzig. Der zweite Satz bildet den Ruhepol. Und auch hier findet sich die schon angesprochene Mischung aus Süße und Bitterkeit: Süffige Melodien werden plötzlich gesteigert, mit Dissonanzen unterfüttert und im nächsten Augenblick wieder pure Zärtlichkeit.

Musik und Interpretation finden hier zueinander, wie es nur selten der Fall ist. Für mich ist das eine der schönsten CD's der letzten Monate. Da das Booklet zudem noch äußerst umfangreich und die Verarbeitung hervorragend ist, bekommt diese Platte unseren Empfohlen-Button; und den gibt es nun wirklich nicht für jeden Silberling!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Korngold, Erich Wolfgang: Sextet in D major

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Pan Classics
1
57:45
2000
2000
Medium:
BestellNr.:
CD
510 120

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Korngold, Erich Wolfgang
Zemlinsky, Alexander von


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Interpret(en):Vienna String Sextet,
Banse, Juliane (soprano)


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Pan Classics

Gegründet 1992 vom Musikhaus Pan in Zürich, wurde das Label 1997 von den Tonmeistern Clement Spiess und Koichiro Hattori übernommen. 2011 entschloss man sich zu einem radikalen Neuanfang: Der umfangreiche Katalog wurde gelichtet und die verbliebenen Aufnahmen erhielten ein neues, attraktives Erscheinungsbild. Den CDs wird so ein unverwechselbares Äußeres mit einem hohen Wiedererkennungswert verliehen. Geblieben sind dagegen die Vorliebe für außergewöhnliches Repertoire und der Anspruch, mit renommierten Musikern und Ensembles einen künstlerisch hochwertigen Katalog zu schaffen. Zu diesen Künstlern zählen Namen wie die Hammerklavier-Spezialisten Edoardo Torbianelli und Arthur Schoonderwoerd, der Tenor Jan Kobow u.v.a.


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