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Dienstag, 17. September 2019

Furrer, Beat - Drei Klavierstücke

Der absolute Geist quietscht nicht


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Einzig das ältere, tonale und sehr poetische Stück ,Voicelessness - The snow has no voice? ist wirklich gelungen

In den vorliegend von Nicolas Hodges eingespielten Stücken experimentiert Beat Furrer mit Obertönen und Resonanzen. Hierzu regt er Saiten stumm gedrückter Tasten mit normal erzeugten Tönen an. Oder er dämpft nachklingende Akkorde zeitlich versetzt. Diese Klänge sind wesentlich filigraner als Sofortklänge und stellen, wie auch die Flageoletts von Saiteninstrumenten, kaum erfüllbare Ansprüche an die Tontechnik. Unmittelbar auf Forte-Anschläge folgendes pianissimo ist bereits dynamisch ein kaum zu lösender Widerspruch. Eine Aufnahme, der es gelänge, die vielschichtigen Klänge wirklichkeitsgetreu wiederzugeben, wäre ein Meilenstein der Klangtechnik. Um es vorwegzunehmen, auch die vorliegende Aufnahme ist kein Meilenstein. Zu dem hat der Klangtechniker statt eines klaren, brillanten Klanges, der solchen Anforderungen angemessener wäre, einen etwas dumpfen, unräumlichen Klang gewählt. Das hat den Vorteil, dass man einen eventuell quietschenden Klavierhocker nicht hört, aber eben auch nicht die feinen Nachklänge.

Besser ein Aufsatz?

Die Konzentration auf Nachklänge ist auch auf Seiten des Komponisten nicht hundertprozentig überzeugend. Eine Nachklangharmonie kann noch so raffiniert ausgearbeitet sein – sie steht im Schatten der Sofortklänge. Wenig überzeugend ist auch Furrers Konzeption der ,Drei Klavierstücke’ und von ,Phasma’. Phase bezeichnet sowohl den Schwingungszustand einer Welle an einer bestimmten Stelle und zu einem bestimmten Zeitpunkt (womit der Begriff auf die Resonanzen verweist) als auch den Abschnitt einer zeitlichen Ablaufs. Hört man erst ,Phasma’, dann die ,Drei Klavierstücke’ denkt man eher an ein einziges Klavierstück. In der Großform bestehen die Werke aus der Aneinanderreihung von Abschnitten, wobei jeder Abschnitt auf einer Grundidee basiert. Besser noch, auf einer Klangtheorie, und Furrer testet die möglichen Varianten durch. Ein Zitat von Furrer: ,etüdenartige Kompositionen, die jeweils einem anderen Klangphänomen auf der Spur sind’. Hier stellt sich tatsächlich die Frage, welche Berechtigung solche Stücke in einem Konzertsaal geschweige denn auf einer CD haben. Vielleicht hätte Furrer besser einen Aufsatz geschrieben? Hier bekommt Hegel recht: die sinnliche Kunst ist nichts gegen den absoluten Geist.

Ein Lichtblick

Einzig das ältere, tonale und sehr poetische Stück ,Voicelessness – The snow has no voice’ ist wirklich gelungen, auch wenn man zunächst nicht glauben will, dass es von Furrer ist. Tatsächlich ist es eine Reminiszenz an Debussys ,Des pas sur la neige’. Hier arbeitet Furrer mit der auch an Morton Feldman gemahnenden Technik der kleinen Veränderung eines sich wiederholendes Abschnitts. Zumindest 1986 war Furrer noch kein Anhänger von Hegel – die Kunst ist gerettet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Furrer, Beat: Drei Klavierstücke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
24.08.2005
Medium:
EAN:

CD
9120010281013


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Furrer, Beat


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Interpret(en):Hodges, Nicolas


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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