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Montag, 29. November 2021

Haydn, Franz Joseph - Die Schöpfung

Bunte Schöpfung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auffallend gut an der Aufnahme ist zweifellos die geschickte und sehr wirkungsvolle Verarbeitung der einzelnen tonmalerischen Elemente, die Haydn zuhauf verwandte.

Dass der Erde Rund allerlei buntes und aufregendes enthält, hat wohl auch Joseph Haydn erfahren. Und so widmet er der göttlichen Schöpfung sein farbigstes und, mit immerhin dreijähriger Bearbeitungszeit, aufwendigstes Werk. Einer dem entsprechenden Umsetzung auf Tonträger erfreut sich ‘Die Schöpfung’ des Wiener Klassikers in der Aufnahme durch das VokalEnsemble Köln und der Capella Augustina unter Leitung von Andreas Spering, die bei Naxos erschienen ist.

Mit viel Vitalität

Auffallend gut an der Aufnahme ist zweifellos die geschickte und sehr wirkungsvolle Verarbeitung der einzelnen tonmalerischen Elemente, die Haydn zuhauf verwandte. Die stark kontrastierende Dynamik lässt den Hörer die einzelnen Abschnitte deutlich unterscheiden. Dabei sorgt die Ausgewogenheit, mit der die jeweiligen Stimmgruppen, Solisten und Orchesterregister auf einander eingestimmt sind und das Chaos schon nach dem Einleitungsteil (‘Die Vorstellung des Chaos’) hinter sich lassen für eine klare wie ebenso durchschaubare Musik.

Die Capella Augustina, zusammengesetzt aus Musikern bekannter Ensembles aus ganz Deutschland, spielt hierbei die, die Vokalpartien begleitenden Rolle ebenso gut wie diejenige des selbständigen Handlungsträgers. Zum einen in der Lautstärke umsichtig zurückgenommen erreicht sie zum anderen einen sehr satten und kräftigen Klang, wo dieser von Nöten ist. Dadurch bekommt die Musik ihr ganzes Leben, in der freilich bestmöglichen Ausprägung. Es gelingt der Sprung vom einfachen Abspielen musikalischer Schrift hin zur wirklichen Versinnbildlichung des Inhalts. Dadurch wirkt das ganze Geschehen sehr vital und farbig.

Irdische Solisten

Nicht aus den Sphären des Himmels, sondern aus Südkorea kommt die Stimme des Gabriel, wenngleich dies schwer auseinander zu halten ist. Mit außerordentlicher Begabung intoniert Sunhae Im die zum Teil sehr schwierigen Passagen und Koloraturen ihrer Rolle. Den sehr breit angelegten Tonumfang beherrscht sie anstandslos in jeder Lautstärke und meistert ebenso schnelle Läufe wie große Intervallsprünge. Der weitgehende Verzicht auf das Vibrato der Stimme gibt dem Gesang eine angenehme Leichtfüßigkeit und spart dieses Mittel für etwas schwerwiegendere Passagen.

Gleiches gilt auch für den Bass-Bariton von Hanno Müller-Brachmann, der gerade zu Beginn der Schöpfung auch mit problemlosem Ansingen von - für einen Bass - ziemlich hohen Tönen das Chaos und die Leere in der Gestalt des Engels Raphael besingt. Gleichzeitig fehlt es aber nicht an der Festigkeit der tieferen Register, die sonor und kräftig das Geschehen fundamentieren.

Nicht zuletzt wird man an dem reinen Klang der Uriel verkörpernden Tenorstimme Jan Kobows seine Freude haben. Völlig unverkrampft besteht dieser Arien und Rezitative und trumpft mit einer sehr guten Textverständlichkeit auf.

Solider Chor

Das Jubilieren der himmlischen Heerscharen fällt dem VokalEnsemble Köln bei, welches, noch verhältnismäßig jung, da erst 1997 gegründet, einen beachtlich guten Beitrag leistet. Sauber und mit Sicherheit, sowie mit fein balancierter Stimmdynamik liefert dieser Chor ein ausgesprochen homogenes Klangbild. Die jeweiligen Stimmgruppen beherrschen den erforderlichen Tonumfang vollständig gut. So bleibt eigentlich nichts zu wünschen übrig.

Booklet

Was an der Gesamtkonzeption leider doch zu wünschen übrig lässt, ist einzig das Booklet. Zwar wird dem Kunden erklärt, weshalb dies so spärlich ausfällt, allerdings ist der Zustand, neben der CD noch das Libretto extra im Internet abholen zu müssen nicht jener, dem man erstrangiges Vergnügungspotential einräumt. Auch beschränken sich die Informationen, die im Booklet enthalten sind nur auf Trivialitäten, die einen abgedruckten Text nicht aufwiegen, zumal Großteils nur in englischer Sprache verfasst.

Hörenswert

Die Musik, welche man durch den Kauf der Aufnahme zu hören bekommt, ist ohne Frage hörenswert, auch darüber hinaus, was Haydn ihr kompositorisch mit auf den Weg gab. Die Zusammenstellung der Ensemble und der Solisten beweist eine glückliche Hand. Einziges Manko ist das Booklet. Für Besitzer einer weiteren Aufnahme sicherlich kein Problem. Andernfalls muss man eben auf die Internetbereitung zurückgreifen und sich ein wenig zusätzlicher Arbeit befleißigen. Dieser ist das gebotene musikalische Feuerwerk allerdings wert. Es werde Licht!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Mann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Franz Joseph: Die Schöpfung

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
29.03.2005
Medium:
EAN:

CD
0747313238026


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Haydn, Joseph


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Dirigent(en):Spering, Andreas
Orchester/Ensemble:Capella Augustina
Interpret(en):Im, Sunhae
Kobow, Jan
Müller-Brachmann, Hanno


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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