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Dienstag, 7. April 2020

Holst, Gustav - The Planets

Per Anhalter durch die Galaxis


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Enzyclopedia Galactica? hat es schwer in der heutigen Zeit.

Zwei Vorteile hat, wie Kenner wissen, der Reiseführer ‘Per Anhalter

durch die Galaxis’: er ist billiger als die große Enzyclopedia

Galactica, und seinen Einband zieren die Worte ‘Keine Panik’. Das

großspurige Cover und die Bilder des Regisseurs Rhodri Huw sind es

denn auch, die von der DVD ‘The Planets’ im Gedächtnis bleiben;

Erinnerungen an die Interpretation des National Orchestra of Wales

unter David Atherton stehlen sich eher leise davon. Tonlich passiert

hier nicht viel, makellos ist diese Aufnahme wohl, aber an keiner

Stelle reißen die Klänge den Hörer vom Sofa. Nicht so die Bilder.

Rhodri Huw fährt hier ganz großes Kino auf: jeder Planet (übrigens

auch der von Colin Matthews kongenial hinzugefügte ‘Pluto: Der

Erneuerer’ aus dem Jahr 2000) erhält sein spezifisches Gesicht durch

einen Diashow-artigen Zusammenschnitt kraftvoller, emotional

aufgeladener Bilder; auch die Originalgeräusche wie das Rasseln von

Panzerketten, das Rattern kleiner Zahnräder oder Mövengekreisch

untermalen Bilder wie Musik. ‘Die Planeten’: das sind acht

verschiedene Sichtweisen auf den einen Planeten, der hier überhaupt

nicht vorkommt: die Erde.

Würzmischung mit naturidentischen Aromastoffen

Beinah etwas zu bunt, zu schnell, zu viel ist das, was man als

jeweiligen Fingerabdruck des Planeten serviert bekommt, und leider

auch: zu bekannt. Manche Topoi sind wirklich schon reichlich

abgegriffen: eine Frau, die mit ihren Händen durch Gräser im Wind

streicht, irisch grüne Hügel (‘Venus’), spanischen Stierkampfbilder,

verhärmte Landbevölkerung und hungernde Kinder (‘Mars’), Zeitraffer

von großen Menschenmassen (‘Merkur’). Wer sich an die Bildsprache von

Godfrey Reggio (‘Qatsi-Trilogie’) erinnert fühlt, hat sicher recht;

auch Liebhabern von ‘2001 - Odysse im Weltraum’ wird einiges an

weltraumtechnischen Großaufnahmen mit reichlich Pathos geboten. Die

dritte Zutat zu diesem opulenten Mahl findet sich vielleicht im

klassischen Disneyfilm ‘Fantasia’: quicklebendige Bilder für ein

musikalisch nicht allzu vorgebildetes Publikum zu liefern, mit

schnellen Schnitten und einer Prise Humor, das ist dem Regisseur

letztes Endes doch gut gelungen.

‘Die Planeten’ als nette Filmmusik

Die Musik Holsts werde damit degradiert!, höre ich Puristen schimpfen.

Tatsächlich fällt der Werkinterpretation an sich hier eine

untergeordnete Rolle zu. Der Frauenchor, der im Übrigen ganz

akzeptabel singt, ist im mauen Programmheft nicht einmal erwähnt. Das

Orchester zeigt sich beim Playback ganz ohne Scham auf

Fernsehstudioniveau: in sattgoldenem Düster sind die Stimmgruppen

strahlenförmig um den Dirigenten geordnet, der wiederum seinen Stab

theatralisch im Gegenlicht der Scheinwerfer schwingt.

Nichtsdestoweniger hätte Gustav Holst das unverbildete Panorama

gefallen müssen: zeigt es doch unverblümt, welche Bilder wir im Kopf

haben, wenn wir seine Musik hören. Die optische Komponente potenziert

die Spannkraft der Töne, und wenn wir ehrlich sein sollen, hat Huw

hier lediglich vollendet, was wir schon lange ahnten: ‘Die Planeten’

ist allerbeste Filmmusik für den Kopf, spacig und cool.

Die Enzyclopedia Galactica’ hat es schwer in der heutigen Zeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Holst, Gustav: The Planets

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
29.03.2005
Medium:
EAN:

DVD
0809478009160


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Holst, Gustav


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Dirigent(en):Atherton, David
Orchester/Ensemble:BBC National Orchestra of Wales


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Opus Arte

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