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Donnerstag, 19. September 2019

Nordic Spell - Sharon Bezaly - Flötenkonzerte

Drei zeitgenössische Flötenkonzerte


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unter dem Strich eine für Flötenfreunde unentbehrliche CD,

Die israelische Flötistin Sharon Bezaly hat durch ihr virtuoses Spiel viele Komponisten angeregt, für sie Konzerte zu schreiben. Dem Problem der Balance zwischen dem vergleichsweise leisen Soloinstrument und dem Orchester begegnen die Tondichter dabei auf unterschiedliche Weise: Der Finne Kalevi Aho (geb. 1949) komponierte sein Flötenkonzert gleichsam als Symphonie mit obligater Flöte, der Orchesterpart ist dem Solopart ebenbürtig. Haukur Tómasson (geb. 1960), einer der führenden Komponisten Islands, bevorzugt in seinem zweiten Flötenkonzert die tieferen Lagen des Orchesters, so daß sich die (hohe) Flöte ungestört entfalten kann. Und Christian Lindberg (geb. 1958), schwedischer Posaunist und Komponist, wählte für sein Konzert ‚The World of Montuagretta‘ die schmale Besetzung eines Kammerorchesters, allerdings mit einem pikanten Detail: Das Werk beinhaltet einen Abschnitt für Solo-Glockenspiel. Widmungsträgerin Bezaly hat diese drei Konzerte mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten eingespielt: Ahos Werk mit dem Lahti Symphony Orchestra unter Osmo Vänskä, Tómassons Konzert mit dem Iceland Symphony Orchestra unter Bernhardur Wilkinson und Lindbergs ‚World of Montuagretta‘ mit dem Swedish Chamber Orchestra unter der Leitung des Komponisten. Alle drei Werke entstanden in den Jahren 2001 und 2002, somit stellt die CD ‚Nordic Spell‘ auch ein Dokument zeitgenössischer Flötenmusik zu Beginn des 21. Jahrhunderts dar; ob sich die Werke im Repertoire etablieren können, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Lindbergs Konzert bietet der Solistin mit zwei Kadenzen viel Raum für Virtuosität, aber auch für Humor: ‚Horry the Lorry‘ ist die erste Kadenz betitelt, die Spielanweisung lautet ‚Rubato ironico‘. Dennoch handelt es sich nicht um musikalischen Slapstick, sondern um eine anspruchsvolle Komposition, die das Soloinstrument klar in den Vordergrund stellt. Von avantgardistischen Klängen ist Lindberg weit entfernt, Bezaly ergeht sich mit Flöte und Altflöte in melodiösen Wendungen, die vom manchmal etwas penetrant wirkenden Glockenspiel untermalt werden. Technischer Höhepunkt des Werkes ist dabei die zweite Kadenz (‚Cadenza impala‘), obwohl die Anforderungen auch sonst hoch sind. Fast schon selbstverständlich erscheint es da, daß Bezaly alle Hürden mühelos meistert. Lindberg leitet das schwedische Kammerorchester in seinem eigenen Werk mit Ruhe und Souveränität.

In ganz andere Klangwelten taucht man mit Haukur Tómassons zweitem Konzert ein: Die fünfsätzige Komposition schreckt nicht vor herben Dissonanzen zurück, wie man sie in Lindbergs Werk kaum findet. Erneut sind die solistischen Anforderungen hoch, und erneut erweist sich Bezaly als sichere Beherrscherin ihres Instrumentes. Tómasson stellt der Flöte in den meisten Abschnitten eine Art ‚Klangfeld‘ zur Seite, in dem die Streicher eine prominente Rolle spielen. Bezaly ist fast pausenlos im Einsatz, Dirigent Wilkinson hält das isländische Orchester stets zurück, so daß sich die Solistin voll entfalten kann. Insgesamt wirkt Tómassons Konzert konventioneller als das unorthodoxe, erfrischende Werk Lindbergs; ein Beleg für das hohe Niveau der zeitgenössischen Musik Islands ist es aber allemal.

Beschränkten sich Lindbergs und Tómassons Konzerte auf jeweils etwa 20 Minuten, so ist Ahos Werk mit rund einer halben Stunde deutlich größer dimensoniert – hier benötigt die Solistin im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atem. Zwei langsame Sätze umrahmen einen ‚Presto‘-Abschnitt, der Bezaly als dankbares Virtuosenstück auf den Leib geschrieben wurde – im ausgedehnten Kopfsatz muß sie dagegen oft dem Orchester den Vortritt lassen. Wie fast alle Konzerte Ahos ist auch das Flötenkonzert an der Grenze zwischen Symphonie und Solokonzert angesiedelt; eine Balance, die bei einem weniger fähigen Solisten leicht gefährdet wäre. Bei Bezaly besteht eine solche Gefahr nicht, sie versteht es, sich während der orchestralen Momente zurückzunehmen, um in den solistischen Abschnitten um so mehr zu glänzen. Nach den symphonischen Wallungen des ersten und dem virtuosen Ritt des zweiten Satzes entpuppt sich das Finale als beinahe kammermusikalischer ‚Epilog‘, ein Beispiel für Ahos Fähigkeit, anspruchsvolle und gleichzeitig unmittelbar zugängliche Musik zu komponieren.

Unter dem Strich eine für Flötenfreunde unentbehrliche CD, die aber auch jeden Hörer interessieren dürfte, der gemäßigt modernen Werken gegenüber aufgeschlossen ist. Ohne die beiden anderen Werke herabwürdigen zu wollen, darf man das Flötenkonzert von Kalevi Aho als Höhepunkt dieser Veröffentlichung bezeichnen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Nordic Spell - Sharon Bezaly: Flötenkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
02.06.2005
74:27
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7318590014998
bis501499


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Aho, Kalevi
 - Flötenkonzert -
Lindberg, Christian
 - The World of Montuagretta -
Tómasson, Haukur
 - Flötenkonzert Nr. 2 -


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Dirigent(en):Vänskä, Osmo
Wilkinson, Bernhardur
Lindberg, Christian
Orchester/Ensemble:Lahti Symphony Orchestra
Iceland Symphony Orchestra
Swedish Chamber Orchestra
Interpret(en):Bezaly, Sharon


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"Drei Komponisten, drei Länder, eine Flötistin. Über diese Werke (sämtlich ihr gewidmet), die sie hier in Ersteinspielung vorlegt, sagt Sharon Bezaly (in „Diapason“ bereits als „Paganini der Flöte“ gefeiert): „Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, was diese drei unglaublichen Konzerte in mir auslösen. Ahos gewaltiges Werk, eigentlich eine Symphonie für Flöte und Orchester, intensiv, geheimnisvoll und poetisch, der Aufbruch in einen neuen Tag, versöhnlich ohne jede Verzweiflung. Tómassons komplexer Orchestersatz in intensivster Interaktion mit dem Flötenpart führt zu unendlicher meditativer Schönheit, ruft bildlich die grandiose isländische Landschaft hervor. Und schließlich Lindbergs „World of Montuagretta“, lebendig, jazzy und voller Witz, eine Mischung verschiedener Stimmungen. Wenn ich diese Konzerte spiele, fühle ich mich wie verzaubert.“ "


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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