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Dienstag, 30. November 2021

Verdi, Giuseppe - Rigoletto

Deutsche Sprache, italienischer Geist


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Da sind sie alle beieinander. Der unverwüstliche Herzog von Mantua, der weichherzige Rigoletto und die ewige Gilda.

Da sind sie alle beieinander. Der unverwüstliche Herzog von Mantua, der weichherzige Rigoletto und die ewige Gilda. Eine Aufnahme von 1944 mit der Staatskapelle Berlin und dem Chor der Deutschen Staatsoper unter der Leitung von Robert Heger vereint die führenden Fachvertreter ihrer Zeit in einer deutsch gesungenen Studioproduktion von Verdis Oper ‘Rigoletto’. Die historische Einspielung erschien zu Beginn der sechziger Jahre beim VEB Deutsche Schallplatte und liegt jetzt in hübscher Aufmachung in der Eterna Collection von Berlin Classics vor. Der deutsche Text ist im Beiheft abgedruckt, dazu ein Aufsatz zur Werkgeschichte von Horst Seeger, aber keinerlei Informationen zu den Interpreten dieser Einspielung. Dabei handelt es sich doch – mag auch ihr Ruhm inzwischen verblasst sein – um die zu ihrer Zeit bedeutenden Vertreter jener Partien, mit denen sie hier dokumentiert sind. Der dänische Tenor Helge Rosvaenge (1897 – 1972) singt den Herzog. Kraft hat er, das muss man ihm lassen. Noch im Alter von 65 Jahren sang er in Wien den Manrico, nach der Stretta gab es elf Vorhänge, 40 zum Schluss der legendären Aufführung.
Als die vorliegende Aufnahme entstand war der Sänger 47 Jahre alt, wie ein junger Mann wirkt er nicht. Schön und geschmeidig klingen seine Verführungskünste auch nicht, hier singt eher ein Wüstling, der kräftig zupackt. Etliche Töne geraten grell, scharf klingt alles, was zu den I-Lauten gehört oder dahin verfärbt wird, seine Spitzentöne aber verdienen ihre ehrenden Namen wie bei wenigen anderen Kollegen.

Den Rigoletto singt Heinrich Schlusnus (1888 – 1952), weltweit bekannt als Liedersänger, Favorit des Berliner Opernpublikums. Von 1917 bis 1945 war er hier, zuletzt primärer Vertreter des Verdifaches als Bariton, Ensemblemitglied der Hof- und späteren Staatsoper. Schlusnus singt vornehm. Das Heldische lag ihm nicht so sehr, dafür konnte er in lyrischen Passagen begeistern. Er war ein Sänger der feinen, großen Linien und Bögen, ein expressiver Interpret weniger. Dass der Rigoletto auch eine Nachtseite haben könnte klingt in seiner Rollengestaltung weniger an, er besingt sich leidend, auch in gewisser gleichförmiger Gediegenheit. Am Ende aber bleibt die Verblüffung über so feinsinnigen Gesang, über so gezügelte Kraft, über eine in allen Lagen so ausgeglichene Stimmführung.


Erna Berger (1900 – 1990) gibt der Gilda ihren besonderen lyrischen, leichten Sopran mit funkelnder Koloraturvehemenz. Ihr feiner Sopran ist so außerordentlich hell, immer keusch und voller Unschuld, fast kindhaft dabei. So wie beim Vater die dunkle Seite fehlt, vermisst man bei Erna Bergers technischer Makellosigkeit mindestens einen Hauch von Sinnlichkeit, von Verzehrung oder Aufstand. Alles auf Anstand. Margarete Klose (1902 – 1968) hingegen hat für die Partie der Maddalena recht üppige, verführerische Töne einzubringen. Hier ist eine ‘kleinere’ Partie wahrhaft ‘groß’ besetzt. Die vier unterschiedlichen Stimmen der Protagonisten, dazu der markige Bass Josef Greindls (geb. 1912) als Sparafucile, machen den dritten Akt zu einer großen, rasanten Opernszene, und das berühmte Quartett zum klingenden Dokument vergangener aber längst nicht erledigter Musiktheaterqualität. Die Sprache des Orchesters – u.U. auch der Aufnahme- und Studiotechnik geschuldet – bleibt zurückhaltend, wobei Robert Heger am Pult insgesamt für Spannung und nie abreißenden Zusammenhang sorgt, dazu der präsente Chor und weitere Solistinnen und Solisten, von denen vor allem der gewaltige Georg Hann als Graf Monterone zu nennen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Verdi, Giuseppe: Rigoletto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
2
16.06.2005
Medium:
EAN:

CD
0782124330026


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Verdi, Giuseppe


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Dirigent(en):Heger, Robert
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Berlin
Interpret(en):Zimmermann, Erich
Harmsen, Gerit
Hann, Georg
Jacobs, Ilse
Klose, Margarete
Greindl, Josef
Berger, Erna
Schlusnus, Heinrich
Rosvaenge, Helge
Fuchs, Eugen


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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