> > > Strauss, Richard: Salome Op.54
Montag, 6. Dezember 2021

Strauss, Richard - Salome Op.54

Durch Mark und Bein


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Salome ist nicht nur etwas für Kenner und Fans der Goltz.

Unerbittlich ist die Prinzessin Salome. Während Herodes sich in seiner Verzweiflung windet, ihr alles verspricht, was er an materiellen Gütern aufzubieten vermag, hält sie an ihrer grausamen Forderung fest. Doch nicht in wilder Ekstase – die kommt später – sondern mit ruhiger Entschlossenheit, lächelnd, verlangt sie nach dem Kopf des Jochanaan, der ihr seinen Mund verweigerte, in einer Silberschüssel.

Obwohl hoch gepriesen für ihre stimmliche Potenz und stets mit neuen Superlativen bedacht für ihre leidenschaftliche Verkörperung der Salome, sind es solche Augenblicke größter psychologischer Intensität und vergleichsweise geringen stimmlichen Aufwands, in denen Christel Goltz ihre stärksten Momente hat. ‘Gib mir den Kopf des Jochanaan.’ In diesen beständig wiederholten Worten lässt sie alles mitschwingen, Begehren und Beherrschung, aber vor allem das Wissen um die eigene Überlegenheit. Und jagt einem damit Schauer durch Mark und Bein.

Im Dienste des Ausdrucks

In ihrer großen Paraderolle ist die Goltz bestens dokumentiert: insgesamt dreimal hat sie die Salome im Studio eingesungen, ganz zu schweigen von der Existenz zahlreicher (teilweise illegaler) Livemitschnitte. Die letzte der Studioaufnahmen aus dem Jahr 1963 ist nun von Berlin Classics in der ‘Eterna Collection’ neu aufgelegt worden, mit schickem Design und farbigem Hochglanz-Booklet.

Dass zwischen ihrer ersten und der vorliegenden Salome rund 22 Jahre und eine vornehmlich aus Leonoren, Elektras und Färberinnen bestehende Karriere liegt, hört man der Goltz durchaus an. Der Höhe fehlt es an Glanz und trotz des enormen Volumens auch an Durchschlagskraft, manche Töne streifen bereits die Grenzen stimmlicher Ästhetik.

‘Halt!’, kann man es nun schon rufen hören, ‘eine Partie wie die Salome darf man doch nicht schön singen!’. Sicher darf man das nicht. Trotzdem sollte man immer darauf verweisen, dass schönes, sprich technisch richtiges Singen und emotionale Ausdruckskraft sich keineswegs ausschließt. Doch im Fall der Goltz kann man nicht umhin, eine Ausnahme zu machen. Wie sie ihre Stimme stets in den Dienst des Ausdrucks stellt, mit präziser Artikulation und darstellerischer Vehemenz diesen abgründigen Charakter lebendig werden lässt, ist schlicht entwaffnend und wiegt die stimmtechnische Defizite meist auf. Wie überwältigend die (auch noch ballettgeschulte) Goltz in dieser Rolle auf der Bühne gewesen sein muss, lässt sich nur ansatzweise erahnen.

Schaurig-schöne 90 Minuten

‘Salome’ ist, vielleicht mehr als alle anderen Opern, eine one-woman-show. Dennoch muss sich das Ensemble, welches Otmar Suitner 1963 zur Verfügung stand, durchaus nicht hinter der dominanten Leistung der Goltz verstecken. Was alle Sänger verbindet ist eine Textverständlichkeit, die sich schon fast auf Sprechtheaterniveau befindet und, zumindest in einer ‘Salome’-Einspielung, ihresgleichen sucht.

Helmut Melcherts heller, klug durch die deklamatorischen Szenen geführter Tenor und Siw Ericsdotters herber Mezzosopran vermögen den undankbaren Partien des Herodes und der Herodias ein Maximum an Intensität abzugewinnen, Ernst Gutstein gibt einen jugendlichen, doch den heldischen Passagen nicht gewachsenen Jochanaan und Heinz Hoppe singt den Narraboth mit solch einer Eleganz und Hingabe, dass man sich für ihn ein späteres Ableben wünschen würde. Die Staatskapelle Dresden wird ihrem Ruf als herausragendes Strauss-Orchester gerecht und durchläuft unter der routinierten Leitung Suitners gekonnt die düster changierende orchestrale Farbpalette.

Diese Salome ist nicht nur etwas für Kenner und Fans der Goltz. Auch Einsteigern, die den Zugang zu Richard Strauss’ frühen Opern noch nicht gefunden haben, sei diese Einspielung besonders empfohlen. Fesselnde, schaurig-schöne 90 Minuten sind garantiert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Alexander Meissner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Salome Op.54

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
2
16.06.2005
Medium:
EAN:

CD
0782124329426


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Strauss, Richard


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Dirigent(en):Suitner, Otmar
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Dresden
Interpret(en):Melchert, Helmut
Ericsdotter, Siw
Goltz, Christel
Gutstein, Ernst
Hoppe, Heinz
Fleischer, Eva


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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