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Samstag, 22. Februar 2020

Schumann, Robert - Sonata in g minor

Was gut beginnt?


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei den Kreisleriana ist das Zuhören dann leider nicht immer ganz unproblematisch.

Gibt man in die Suchmaske eines bekannten Internetkaufhauses die Begriffe ‚Robert Schumann Klavier’ ein, so bekommt man gut und gerne 2500 zum Kauf feilgebotene CDs angezeigt. Schumann ist eben Klavier, und kaum jemand hat so persönlich, so voller Gefühlsdrang für dieses Instrument geschrieben, da verwundert es nicht, wenn seine Werke immer und immer wieder den Weg in das Repertoire sämtlicher Pianisten finden, die auf Erden wandeln. Aber gleich eine CD aufnehmen? Die Angst ist zumindest berechtigt, dass eine neue CD mit Schumann-Klavierwerken in der Masse einiger tausend vergleichbarer Produkte schlicht und einfach untergeht. Zumal wenn man den Hauptteil der Einspielung mit den beiden Werken bestreitet, die ganz ohne Zweifel zu den bekanntesten, beliebtesten und beständigsten dieses Komponisten gehören: die ‚Abegg-Variationen’ und die ‚Kreisleriana’. Genau das hat Alexandra Neumann gemacht und jetzt bleiben nur zwei mögliche Deutungen für diese Auswahl: mutig oder auf Nummer sicher.

Wie schön ist es doch da, gleich zu Beginn, die Sonate g-Moll op. 22 zu hören. Alexandra Neumann verleiht dieser Komposition, die noch ganz deutlich klassische Züge trägt, ein immenses Vorwärtsdrängen. Ihre rhythmische Gestaltung, ihre gesamte Agogik ist von innerer Unruhe getrieben, sie bedient sich reichlicher Rubati, wartet, stürmt vor und verquirlt die Themen in einem fast hypnotischen Sog. Die Neumann stellt hier Schumann als großen Melodiker in den Vordergrund, überspielt dabei aber keinesfalls die rhythmischen Finessen, die fast versteckt im Notentext lauern. Allein die Interpretation dieser Sonate macht die CD schon hörenswert!

In Schumanns Opus 1, den berühmten ‚Abegg-Variationen’, die der Komponist der sagenhaften ‚Comtesse Pauline d’Abegg’ widmete und in deren Mittelpunkt die gleichnamige Tonfolge a-b-e-g-g steht, setzt sich Neumanns Interpretation nahtlos fort. Soll heißen, ihr Markenzeichen sind die agogischen Mittel. Sie lässt größeren Intervallsprüngen viel Zeit, bedient sich reichlich bei Rubato und Ritardando und verleiht ihrem Spiel dadurch eine immense Spannung. Die Begleitstimmen arbeitet sie nicht Note für Note im architektonischen Stil heraus, sondern lässt vieles ineinander überfließen und webt vielmehr einen Klangteppich, als dass sie einen klar strukturierten Unterbau konstruiert. Dabei schmiert sie allerdings nicht, sondern verlagert die dynamischen Feinheiten bewusst in die Oberstimmen. Ihre schnellen Sätze fließen nur so dahin (im besten Sinne!), die langsamen Momente geraten zu eindrucksvollen Porträts.

Bei den Kreisleriana ist das Zuhören dann leider nicht immer ganz unproblematisch. Dummerweise habe ich vor nicht allzu langer Zeit Alfred Brendel mit diesem zentralen Werk Schumanns gehört und sein Klang ist mir bis heute im Ohr. Da kann Alexandra Neumann leider nicht mithalten, zu gewichtig sind ihre Oktaven, zu undifferenziert ihre Linienführung. Dieses Opus will so gar nicht zum Rest der CD passen. Nach diesem Auftakt hätte ich mir ein schöneres Ende gewünscht. Prozentual gesehen hat Frau Neumann allerdings immer noch eine gute zweidrittel Mehrheit – und die braucht man ja schließlich, um weiterregieren zu können. 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Sonata in g minor

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Coviello Classics
1
01.05.2003
65:06
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956502050
CD 50205


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Schumann, Robert
 - Klaviersonate g-moll op. 22 - so rasch wie möglich
 - Klaviersonate g-moll op. 22 - Andantino, Getragen
 - Klaviersonate g-moll op. 22 - Scherzo. Sehr rasch und markiert
 - Klaviersonate g-moll op. 22 - Rondo. Presto
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Thema
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Variation 1
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Variation 2
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Variation 3
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Cantabile
 - Variationen über den Namen "Abegg" op. 1 - Finale alle Fantasia
 - Kreisleriana op. 16 - Äußerst bewegt.- Agitatissimo
 - Kreisleriana op. 16 - Sehr innig und nicht zu rasch - con molta espressione, non troppo presto
 - Kreisleriana op. 16 - Sehr aufgeregt. - Molto agitato
 - Kreisleriana op. 16 - Sehr langsam - Lento assai
 - Kreisleriana op. 16 - Sehr lebhaft - Vivace assai


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Interpret(en):Neumann, Alexandra


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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