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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Vivaldi, Antonio - Le quattro stagioni

Die acht Jahreszeiten


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf den ersten Blick mag es vielleicht etwas seltsam anmuten, den venezianischen Violinisten und den Neuerer des Tangos so unvermittelt gegenüber zu stellen

Zwei Komponisten – ein Gedanke. Antonio Vivaldi, priesterlicher Pädagoge im auslaufenden Barock und Astor Piazzolla, der aufregende Argentinier sind durch gut 250 Jahre voneinander getrennt und hatten doch dieselbe Idee: die zyklische Vertonung von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ja sicher, das hatten andere auch, aber gerade diese zwei hatten sich Lavard Skou-Larsen und seine Salzburg Chamber Soloists ausgesucht, als man 2002 (im Winter übrigens) in der Bielefelder Oetkerhalle gastierte. Ein Live-Mitschnitt dieses Konzerts erscheint nun bei Coviello Classics und stellt ohne nachträgliche Bearbeitungen diese zweimal vier Jahreszeiten nebeneinander.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht etwas seltsam anmuten, den venezianischen Violinisten und den Neuerer des Tangos so unvermittelt gegenüber zu stellen. Der Höreindruck aber beweist: In Punkto Lebendigkeit und Kantabilität liegen beide Komponisten auf einer Wellenlänge und produzieren – jeder mit seinen Mitteln – einen klangmalerischen Gang durch das Jahr, der vor Leidenschaft und Erlebnisfülle nur so strotzt.

Zu Vivaldis berühmten vier Konzerten muss nicht viel gesagt werden. Bekannt sind die großen Melodien, der Frühling vorneweg. Und groß ist natürlich auch die Konkurrenz an Einspielungen. Wer Vivaldis Jahreszeiten aufnimmt, sieht sich einem immensen Mitbewerberfeld ausgesetzt, von ‚historisch korrekt’ bis Vanessa Mae. Bei vorliegender Aufnahme muss man natürlich die Live-Situation bedenken, die vielleicht dazu beiträgt, dass das Ensemble im Frühling nicht zur Hochform aufläuft, sondern vieles einfach zu blass und flach interpretiert. Die Spielfreude, die diesen Konzerten in die Noten geschrieben scheint, ist hier nur selten zu hören, zu groß nehmen sich die agogischen Freiheiten aus, die dem Werk mehr an Fluss nehmen, als sie an Spannung geben. Ein Eindruck, der sich auch im Sommer nicht ganz verflüchtigen will. Dann jedoch hat es den Anschein, als ob sich die Musiker finden, als ob der berühmte Funke überspringt, die Chemie stimmt und man sich eingespielt hat, was in wunderschönen Interpretationen von Herbst und Winter mündet, bei denen man erst durch den abschließenden Applaus darin erinnert wird, dass es sich ja tatsächlich um eine Live-Aufnahme handelt.

Diesen Umstand muss man sich dann bei den vier Werken Piazzollas auch immer mal wieder ins Gedächtnis rufen, denn was die Musiker hier bieten übertrifft die Qualität der Vivaldi-Konzerte bei Weitem. Die Tonsprache ist naturgemäß Welten entfernt von der formalen Strenge des 18. Jahrhunderts, statt Cembalo gibt es nun Klavier, außerdem jede Menge perkussiven Streichereinsatz und tangotypische Synkopen an allen Ecken und Enden. Diese feurig fegende, traurig tanzende und leidenschaftlich lodernde Musik spielen die Salzburg Chamber Soloists in extremer Dichte und gewaltiger Geschlossenheit, die sich in rhythmischer Perfektion ebenso zeigt wie in improvisatorisch anmutenden Momenten. Und nach dem Hören beider Konzertteile weiß man zumindest, dass der Sommer sowohl in Venedig als auch in Buenos Aires nicht immer nur seligen Sonnenschein bedeuten muss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Daniel Röder,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivaldi, Antonio: Le quattro stagioni

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Coviello Classics
1
75:09
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956-302025
CD 30202


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Piazzolla, Astor
 - Primavera Portena - Allegro -
 - Verano Porteno - Allegro Moderato -
 - Otono Porteno - Allegro Moderato -
Vivaldi, Antonio
 - La Primavera - Der Frühling op. 8 No.1 - Allegro
 - La Primavera - Der Frühling op. 8 No.1 - Largo e pianissimo
 - La Primavera - Der Frühling op. 8 No.1 - Danza pastorale. Allegro
 - L'estate - Der Sommer op.8 No.2 - Allegro má non molto
 - L'estate - Der Sommer op.8 No.2 - Adagio - Presto
 - L'estate - Der Sommer op.8 No.2 - Presto
 - L'Autunno - Der Herbst op.8 no.3 - Allegro
 - L'Autunno - Der Herbst op.8 no.3 - Adagio molto
 - L'Autunno - Der Herbst op.8 no.3 - Allegro
 - L'inverno - Der Winter op.8 No.3 - Allegro non molto
 - L'inverno - Der Winter op.8 No.3 - Largo
 - L'inverno - Der Winter op.8 No.3 - Allegro


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Dirigent(en):Skou-Larsen, Lavard


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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