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Freitag, 5. März 2021

Franck, César - Le Chausseur maudit - Der wilde Jäger

Frankreichs Deutsche - Deutschlands Franzosen


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der ist Livemitschnitt gut bearbeitet, wenn ihm auch jene Vorzüge fehlen, die man sich vielleicht als Perfektionist an der heimischen Anlage wünschen möge.

„was die Mode streng geteilt“ – ausgerechnet dieser Gedanke aus Beethovens Symphonie Nr. 9 läßt sich in der Umsetzung der musikalischen Entwicklung zwischen Frankreich und Deutschland beobachten. Und es war ausgerechnet ein Komponist deutsch-belgischer Herkunft, der die französische Musikwelt in Paris auf jene neuen Wege führen sollte, die die Mode einst streng teilte: César Franck.

Wie alles begann...

Der vor allem als Organist tätige Künstler und Lehrer schrieb in seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten vor allem Orchesterwerke, mit denen er einen nachhaltigen Beitrag für die französische Musikgeschichte geleistet hat. In einem Land, unter anderem rauschhafte Opern regierten, schien die trockene, deutsche Behandlung der Symphonie mit Beethoven zur ihrem Gipfel gebracht zu sein, dem nichts hinzuzufügen sei. Diese Meinung sollte auch als Abgrenzung gegenüber den rechtsrheinischen Zeitgenossen gelten, die sich weiterhin in der Instrumentalmusik verloren. Daher verwundert es nicht, daß Francks Symphonie d-Moll nicht ungeteilt aufgenommen wurde. Von bestimmten Vorurteilen abgesehen, hatte der Professor für Orgel einen starken Hang zu Chromatismen, wie sie auf seinem Tasteninstrument üblich waren. Allerdings mag besonders darin ein großer Reiz für den heutigen Hörer liegen.

Matt glänzende Jagdhörner

Die sinfonische Dichtung „Le Chasseur maudit“ (Der wilde Jäger) stützt sich auf die gleichnamige Ballade von Gottfried August Bürger. Das schon als Dichtung umstrittene Werk wurde als recht genaue Vorlage genommen. Die ersten Takte übernehmen die erste Zeile direkt: „Der Wild- und Rheingraf stieß ins Horn“. Ausgehend von der Jägerromantik des 19. Jahrhunderts verstricken sich Protagonist und Sinfonische Dichtung in einer immer finsterer werdenden Welt, die von Franck durch Verzerrung und Verschiebung bekannter Motive (Jagdhorn, Galopp) wiedergegeben wird.

Die zuerst einsetzenden Hörner versetzen das Auditorium mit ihrem leicht trockenen Klang direkt ins Jagdgeschehen. Dem Signal des Blechs folgen die Streicher als klanglicher Gegenpol. Einzig ein leiser Huster mitten im Echo des Hornsignals holt den heimischen Hörer sofort auf die Ebene des CD-Rezipienten zurück. Das ist das Risiko beim Live-Mitschnitt. Die zwischen den Themen verarbeitenden Abschnitte zeichnen sich vor allem durch eine zerbrechliche Chromatik aus, die durch kleinste Unsauberkeiten bereits eine Trübung erfährt. Glücklicherweise halten sich diese Unsauberkeiten sehr in Grenzen, so daß die entsprechenden Passagen nicht unschön oder gar falsch wirken. Es geht aber leider ein wenig Glanz verloren, was sich bei dieser Aufnahme doppelt auswirkt. Durch die Live-Aufnahme gehen einige der hohen Frequenzen im Publikum verloren, wodurch insgesamt ein etwas matteres Klangbild entsteht. Die der Thematik und Musik zugehörigen Brillanz fehlt etwas. Im Gegenzug überzeugt das Staatsorchester Braunschweig durch sein Zusammenspiel beim Auskosten der dynamischen Bandbreite. So versteht es Dirigent Jonas Alber mit seinem Orchester, kraftvolle Akzente zu setzen. Daß es ihnen zuweilen an fulminanten Ausbrüchen fehlt, wie man es sich für ein Orchester der späten französischen Romantik wünschen würde, ist wohl weniger den Musikern als den Aufnahmebedingungen zuzuschreiben.

Der leise einsetzenden erste Satz der Symphonie d-Moll wird von Alber kontrolliert bis zum ersten Forte gesteigert. Trotz der unveränderten Aufnahmebedingungen bekommt das Orchester eine größere Transparenz, was sich unter anderem aus der Musik selbst erklärt. Es stehen nicht mehr Klanggestaltung und Atmosphäre sondern Form und Thema im Vordergrund, welche sich durch die durchsichtigere Gestaltung besser erfassen lassen. Leider bleibt eine Nuance Unsauberkeit zwischen den Trompeten und den Posaunen, wodurch es einen geringen aber merkbaren Verlust an Tiefe der Musik gibt. Die auf einer Orgel unbezwingbaren harmonischen Strukturen, von denen Franck ausgehen konnte, sind somit nicht voll präsent, um die Hörer in ihren Bann zu schlagen. Es bleibt eine in den melodischen und formalen Strukturen überzeugende Arbeit, die nicht so recht unter die Haut fahren will.

Viel verstanden und etwas genossen

Die im Booklet gegebenen Informationen zu Musik und Komponist gehen dafür weit über das hinaus, was man aus den meisten Booklets gewohnt ist. Statt einer Sammlung von Anekdoten um die erste Aufführung oder den Entstehungsprozeß bietet es einen direkten Einblick in die Musik. Mit kleinen Notenbeispielen versehen hat der Hörer gleich einen Leitfaden zur Hand, der dem Genuß eine höhere Ebene ermöglicht. Selbst wenn man in einigen Details anderer Ansicht sein kann, die verständlich geschriebene Einleitung zum Werk ist eine lobenswerte Maßnahme, die man sich schon bei vielen Einspielungen gewünscht hätte.

Insgesamt hat man mit dieser Einspielung eine gelungene Einführung in die Musik César Francks, der als Nachfolger von Berlioz und als Vermittler zwischen deutscher Geschichte und französischer Tradition eine wichtige Stelle der europäischen Musikgeschichte besetzt. Der ist Livemitschnitt gut bearbeitet, wenn ihm auch jene Vorzüge fehlen, die man sich vielleicht als Perfektionist an der heimischen Anlage wünschen möge.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Richter Kritik von Thomas Richter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franck, César: Le Chausseur maudit - Der wilde Jäger

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Coviello Classics
1
01.03.2005
56:21
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956304067
COV 30406


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Franck, César
 - Le Chasseur Maudit -
 - 1 Lento - Allegro non troppo -
 - 2 Allegretto - poco piu lento -
 - 3 Allegro non troppo -


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Dirigent(en):Alber, Jonas
Orchester/Ensemble:Staatsorchester Braunschweig


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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