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Donnerstag, 20. Februar 2020

Schubert, Franz - Streichquintett C-dur

Grosse Kammermusik


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt muss man feststellen, dass diese Aufnahme den Vergleich mit den vielen anderen des Streichquintetts von Schubert nicht zu scheuen braucht.

Das Streichquintett in C-Dur von Franz Schubert (1797-1828) gehört zu den herausragenden Werken der Kammermusikliteratur. Es entstand in Schuberts letztem Lebensjahr in einem wahren Schaffensrausch im Bewußtsein des nahenden Todes neben anderen bedeutenden Werken wie den letzten drei Klaviersonaten, der großen C-Dur Symphonie und dem Liederzyklus ‘Schwanengesang’. Ähnlich wie bei so berühmten Komponisten Kollegen wie Wolfgang Amadeus Mozart (KV614, 1791), Felix Mendelssohn-Bartholdy (Op.87, 1845) und Johannes Brahms (Op.111, 1891) bildet bei Schubert ein Streichquintett den Abschluss des kammermusikalischen Schaffens. Allerdings geht er schon bei der Besetzung mit zwei Celli eigene Wege, die sich eher auf die klanglichen Erfordernisse des Werkes und die Entwicklung in Schuberts Streichquartetten, als auf die Traditionslinie der Quintette von Luigi Boccherini und George Onslow zurückführen lassen. So gibt diese Kombination Schubert die Möglichkeit sowohl einer kräftigen Bassstimme durch Verdopplung oder Oktavierung mit dem zweiten Cello, als auch eines zweistimmigen Tenorsatzes mit der Viola.

Die Berühmtheit des Quintetts in C-Dur hat natürlich zur Folge, dass es von nahezu allen bekannteren und weniger bekannten Quartettformationen unter Hinzuziehung meist berühmter Cellisten aufgenommen wurde und so derzeit ca. 30 Einspielungen in allen Preiskategorien auf dem CD-Markt konkurrieren. Um so erstaunlicher ist es, dass ein kleines Label wie Coviello sich mit einer Neueinspielung (aus dem Jahr 1999) in dieses Haifischbecken wagt. Aufgrund der großen Konkurrenz liegt hier die Messlatte natürlich besonders hoch.

Allerdings kann das Nomos Quartett mit Klaus Kämper, ehemals Cellist des Cherubini Quartetts, mit seiner Interpretation durchaus überzeugen. Vor allem der erste Satz glänzt mit perfekt ausbalanciertem Ensemblespiel, gut abgestimmten Stimmgruppenwechseln und sehr musikalischem Spiel, allein in der Durchführung könnten die dynamischen Kontraste und Stimmungswechsel vielleicht noch etwas stärker sein. Auch dank des exzellenten Klangbildes sind alle Stimmen in diesem vielschichtigen nahezu gleichberechtigt hörbar. Durch das relativ langsame Grundtempo strahlt der Satz eine enorme Ruhe aus, die dem Stück und dem musikalischen Bogen sehr gut tun.

Kernstück des Quintetts ist jedoch der langsame zweite Satz (Adagio). Hier stellt sich jedem Interpreten vor allem die Frage der Temporelation der ruhigen Außenteile zum energischen Mittelteil, wobei beide im gleichen Grundtempo notiert sind. Das Nomos Quartett nimmt hier die Außenteile sehr ruhig, wodurch es dem Mittelteil ein wenig an verzweifelter Dramatik, noch zusätzlich verstärkt durch relativ breite Artikulation, fehlt. Auch sind die ruhigen Außenteile nicht ganz so gut ausbalanciert wie der erste Satz, der expressive Mittelstimmensatz gerät manchmal etwas zu statisch und zu sehr in den Hintergrund, vor allem in der Reprise wirken die Umspielungen der Außenstimmen mitunter hektisch und mildern den Kontrast zum aufgeregten Mittelteil. Besonders hervorzuheben ist jedoch der Mut des Ensembles, bei einer Live-Aufnahme wirklich bis zur Grenze des noch Spielbaren in der Dynamik nach unten zu gehen, was vor allem beim Übergang zur Reprise eine enorme Spannung schafft.

Den dritten Satz spielen die Musiker mit viel Feuer und Engagement, einige Ungenauigkeiten bei der Intonation sind hier wegen der vielen Oktavparallelen der Stimmen kaum zu vermeiden, fallen aber auch nicht besonders ins Gewicht. Das Trio bildet durch das recht langsame Tempo und das zum Teil wieder extreme pianissimo einen gelungenen Kontrast zum Scherzo.

Auch der letzte Satz bestätigt den insgesamt sehr guten Eindruck dieser Einspielung, auch wenn man merkt, dass dieses Quintett für ein Ensemble durchaus eine körperliche und mentale Höchstleistung darstellt und sich so gegen Ende doch die eine oder andere Ungenauigkeit einstellt.

Insgesamt muss man feststellen, dass diese Aufnahme den Vergleich mit den vielen anderen des Streichquintetts von Schubert nicht zu scheuen braucht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Streichquintett C-dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Coviello Classics
1
01.05.2003
56:26
1999
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956000419
CD 00041


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Schubert, Franz
 - Allegro ma non troppo -
 - Adagio -
 - Scherzo. Presto-Trio. Andante sostenuto -
 - Allegretto -


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Interpret(en):Kämper, Klaus


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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