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Sonntag, 29. März 2020

Bach, Johann Sebastian - Triosonaten

Barocke Harmoniemusik


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jedenfalls bieten sie dem Zuhörer eine tiefgründige, hochkomplexe und dennoch das Ohr vergnügende ?barocke Harmoniemusik?, die zum wiederholten Hören einlädt.

Nein, ein Mangel an Aufnahmen der Bachschen Triosonaten gibt es wahrlich nicht. Ungezählt sind die Einspielungen auf dem ‘Originalinstrument’, der Orgel. Johann Sebastian Bach hat diese sechs Sonaten nämlich 1730 in Leipzig für dieses Instrument geschrieben. Schon bald fehlte es nicht an Bewunderern. So schrieb der erste Bach-Biograph, Nikolaus Forkel, in seinem 1802 erschienenen Buch:

‘Bach hat sie für seinen ältesten Sohn, Wilhelm Friedemann, aufgesetzt, welcher sich damit zu dem großen Orgelspieler vorbereiten musste, der er ja nachher geworden ist. Man kann von ihrer Schönheit nicht genug sagen. Sie sind in dem reifsten Alter des Verfassers gemacht und können als das Hauptwerk desselben in dieser Art angesehen werden.’

Für die Orgel oder für Instrumentalbesetzung?

In der handschriftlichen Überlieferungen werden die Trios als Sonaten ‘a 2 clav. e pedal’ bezeichnet, was eindeutig auf ein Tasteninstrument – die Orgel oder das Pedalclavier für das häusliche Musizieren – hindeutet.

Freilich stellt die barocke Triosonate eine Gattung dar, die in der Kammermusik wurzelt. Bach hat mit seinen Sonaten BWV 525–530 diese spezielle Gattung auf das Tasteninstrument übertragen. Dieser Weg kann natürlich auch wieder rückgängig gemacht werden: Statt der Orgel spielen Soloinstrumente auf, begleitet von einem Generalbass-Instrument.

Seltsamerweise hat es lange Zeit gedauert, bis sich ein Ensemble den Bachschen Triosonaten in dieser Weise annahm. Zumindest wirkungsgeschichtlich dürfte die Einspielung mit dem Oboisten Heinz Holliger, der famosen Bratschistin Tabea Zimmermann, dem Cellisten Thomas Demenga sowie der Cembalistin Christiane Jaccottet den Anfang gemacht haben. Das war 1989. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Aufnahmen, die mehr oder weniger von der ‘historischen Aufführungspraxis’ inspiriert sind. Zu nennen sind etwa Wilbert Hazelzet und Jacques Ogg, die eine Aneignung für Traversflöte und Cembalo vorgelegt haben. Beachtenswert ist ferner die Einspielung der sechs Sonaten von dem Barock-Emsemble ‘Le Parlement de Musique’. Diese Musiker betrachten die Stücke – in Ahnlehnung an den französischsprachigen Titel der Brandenburgischen Konzerte – als ‘Six concerts en trio pour divers instruments’. Warum auch nicht?

Durchsichtig und leicht

Die nun vorgelegte Einspielung mit dem Trio Lézard geht einen Schritt weiter – und zugleich auch wieder einen zurück. Scheinbar unberührt von den Gepflogenheiten der historischen Aufführungspraxis wagen sie eine Aneignung für die drei Holzblasinstrumente Klarinette (Jan Creutz), Englischhorn (Stéphan Egeling) und Fagott (Stefan Hoffmann). Die Interpreten spielen dabei moderne Instrumente und verzichten – wie beim Spiel der Sonaten auf einem Tasteninstrument – auf die akkordische Ergänzung des Generalbasses. Und dieses Experiment des 1989 in Saarbrücken gegründeten Trio Lézard geht auf. Durch die Holzblasinstrumente und das sensible, differenzierte Spiel gelingt eine Interpretation, die genauso durchsichtig wie leicht wirkt. Hier entsteht aus dem Notentext ein wirklicher ‘textus’, ein klangsinnliches Gewebe von drei obligaten Stimmen.

Warme Klangfarbe

Wie geschaffen für die Sonaten scheint das Instrumentarium zu sein: Die Farbe ist warm, fast so, als ob ein sanfter melancholischer Schleier über der Musik läge. Bezaubernd ist die tiefe Lage der Klarinette in der Einleitung der e-moll-Sonate, genauso wie das Instrument in der C-Dur-Sonate fanfarenartig aufspielen darf.

Die Interpreten sind in der Alten Musik zuhause: Um diese Feststellung treffen zu können, genügt ein Blick auf das breite Repertoire des Ensembles, das nicht nur das 18. und 19. Jahrhundert umfasst, sondern auch die Musik der Renaissance und des Barock. Die Vertrautheit mit Alter Musik wird aber auch unmittelbar sinnlich erfahrbar. Insofern stehen die Interpreten der historischen Aufführungspraxis doch näher, als es die Wahl der Instrumente zunächst vermuten lässt.

Und so gelingt dem Trio Lézard eine Interpretation der Sonaten, die möglicherweise originaler als das überlieferte Original ist, historisch ‘richtiger’ als manche Aufnahme der zuweilen etwas überdrehten Alten-Musik-Szene. Jedenfalls bieten sie dem Zuhörer eine tiefgründige, hochkomplexe und dennoch das Ohr vergnügende ‘barocke Harmoniemusik’, die zum wiederholten Hören einlädt. Und das kann man nicht von jeder Compact Disc mit barocker Kammermusik sagen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Triosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Coviello Classics
1
01.06.2005
64:29
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956505013
COV 50501


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Bach, Johann Sebastian
 - Sonate Es-Dur -
 - Sonate Es-Dur -
 - Sonate Es-Dur -
 - Sonate c-Moll -
 - sonate c-moll -
 - Sonate c-moll -
 - sonate D-moll -
 - sonate d-moll -
 - sonate D-moll -
 - sonate e-moll -
 - Sonate e-moll -
 - Sonate e-moll -
 - sonate c-dur -
 - Sonate c-dur -
 - Sonate c-dur -


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Interpret(en):Creutz, Jan
Egeling, Stéphane
Hoffmann, Stefan
Zimmermann, Tabea


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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