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Samstag, 26. September 2020

Mascagni, Pietro - Cavalleria Rusticana

Nicht vom Blatt


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tullio Serafin peitscht das Orchester des Teatro alla Scala emotional und packend zu fast brutalen Höhepunkten auf, die immer aus der Partitur motiviert und messerscharf berechnet sind.

1953 war nicht nur das Jahr der Radikaldiät der Callas, sondern auch eines der aufregendsten Jahre ihrer diskographischen Karriere. In dieser Frühzeit ihrer Laufbahn verfügte sie noch über alle Möglichkeiten einer Stimme, die keine technischen Grenzen zu kennen schien. Schon in ihren ersten Aufnahmen hatte Callas mit untrüglicher Intuition und unbestechlicher Musikalität nie einfach nur gesungen, sondern aus jeder Rolle ein unverwechselbares Portrait geformt.
Mit dem Ruhm der Sängerin, der sich wie ein Lauffeuer verbreitete, wuchs der Bedarf an professionellen Aufnahmen der spektakulären Künstlerin, die ihm Laufe des Jahres unter Hochdruck Studioaufnahmen der Traviata, Lucia di Lammermoor und Tosca einspielte. 1953 begann auch die Zusammenarbeit mit Walter Legge, dem legendären Plattenproduzent der EMI. Er begleitete sie fast durch ihre ganze Laufbahn hindurch und spielte die wichtigsten Rollen der Callas schon in den ersten Jahren ein, als hätte er geahnt, dass sich der stratosphärische Höhepunkt, auf dem sie sich befand, nur zu schnell erschöpfen würde.

Ohne Legge

Die ‚Cavalleria Rusticana’ ist die einzige EMI-Einspielung der Callas, die nicht unter der Obhut Legges entstand und allein deshalb ein herausragendes Dokument. Gerade im Vergleich mit dieser Aufnahme kann man den unbedingten Gestaltungswillen und die künstlerische Aussagekraft des Plattenproduzenten Legges abschätzen. Erst mit ihm erreichten Opernaufnahmen auf Platte etwas, was man als akustische Inszenierung bezeichnen könnte, in der Musik, innere Motivation und Handlung zu einem dramatischen Ganzen verschmelzen.

Nur in Athen

Aber auch in bezug auf die Karriere der Callas hat diese Cavalleria, die nach Ablauf des Urheberrechts nun bei Media Music erscheint, großen Wert. Die Santuzza hatte Callas nur in Athen gesungen. Im weiteren Verlauf ihrer Karriere mied sie veristische Rollen weitgehend. Trotz der geringen Bühnenerfahrung hat man bei Callas jedoch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl einer vom Blatt singenden Sängerin. Callas geht vollkommen in der Santuzza auf und überrascht mit zarten Zwischentönen und subtilen Nuancen. Darüber hinaus kann Callas in dieser Rolle das dunkel leuchtende Feuer ihrer tiefen Lage exponieren und zeigen, wie exquisit ihre Register in den frühen Jahren verblendet waren.

Keine Bessere

Exquisit ist auch das Ensemble. Giuseppe di Stefano führt bereits in ‚O Lola’ vor, wie er veristischen Ausdruck mit zart leuchtenden lyrischen Momenten verbindet, herrliche Phrasierungen webt und zwingende Spannungsbögen aufbaut. Rolando Panerai gibt einen vibrierenden aber nicht brutalen Alfio. Tullio Serafin peitscht das Orchester des Teatro alla Scala emotional und packend zu fast brutalen Höhepunkten auf, die immer aus der Partitur motiviert und messerscharf berechnet sind. Sehrende Melodik und lyrische Momente bilden dazu ein zartes Gegengewicht. Auch ohne die Mitarbeit Legges an dieser Aufnahme muss gesagt werden: eine bessere Cavalleria findet sich nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mascagni, Pietro: Cavalleria Rusticana

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
1
09.11.2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222223784
222378


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Mascagni, Pietro


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Dirigent(en):Serafin, Tullio
Orchester/Ensemble:Orchestra del Teatro alla Scala, Milano
Interpret(en):Callas, Maria
Stefano, Giuseppe di
Canali, Anna Maria
Ticozzi, Ebe


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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