> > > Humperdinck, Engelbert: Königskinder
Sonntag, 15. September 2019

Humperdinck, Engelbert - Königskinder

Alternative


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alle zusammen machen diese Königskinder durchaus zu einer Alternative.

Humperdincks ‚Die Königskinder’ ist eine selten gespielte Oper. Anders als der Weihnachts-Kassenschlager ‚Hänsel und Gretel’ hat sich das tragisch endende Märchen nach einer Vorlage von Elsa Bernstein-Porges unter dem Pseudonym Ernst Rosmer nicht dauerhaft auf der Bühne etablieren können. Dabei stachen die Königskinder bei ihrer Uraufführung in New York sogar Puccinis 'Fanciulla del West' mit Caruso aus und wurden als wertvollste Oper seit Wagners Parsifal gepriesen.

Selten gespielt

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Oper jedoch zunehmend in Vergessenheit. Auch auf dem Plattenmarkt war sie praktisch nicht vorhanden. Eine Ausnahme blieb die herausragende Aufnahme von 1953 unter Richard Kraus. Erst 1976 erfolgte die erste komplette Schallplatteneinspielung mit Heinz Wallberg am Pult und prominenten Namen wie Helen Donath, Hanna Schwarz und Hermann Prey. Auch wenn beide Aufnahmen nicht vollkommen sind, so erweisen sie sich doch als gültige Umsetzungen der Oper, während die Ältere trotz klanglicher Mängel, in punkto Dramatik und Musikalität vorne liegt. Da ist es schwierig dem schon Gesagten etwas Neues hinzuzufügen.

Durchhörbar

1996 spielte Hänssler in Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk und Calig-Classics eine Gesamtaufnahme der Königskinder ein. Die Stärken dieser Aufnahme liegen vor allen Dingen in der Orchesterbehandlung Fabio Luisis, der sich um nebelfreie, aufgeklärte Transparenz bemüht. Die verschiedenen Motive und Zitate, die ineinanderführenden Stimmen und Farben werden im differenzierten Spiel des Münchner Rundfunkorchesters durchhörbar und entführen so tief in die Vorstellungswelt Humperdincks im Spannungsfeld zwischen psychoanalytischer Weite der Musik und biedermeierlicher Enge der Sujets. Breit flutender Orchesterwohllaut und wohlgesetzte Höhepunkte setzen Akzente, wobei ein direkterer Zugang und mehr Theatersinn an manchen Stellen durchaus wünschenswert wäre.

Ergreifende Spitzentöne

Von Theatersinn haben dafür die Solisten mehr als genug. Dagmar Schellenberger ist eine überzeugende, wenn auch stimmlich schwer gerüstete Gänsemagd, die dem Libretto feine Nuancen und der Musik schillernde Momente abgewinnt. Schellenberger lässt jede Regung des Charakters nachvollziehen und schwingt sich zu ergreifenden Spitzentönen auf. Thomas Moser gibt einen differenzierten aber nicht immer vollkommen sicheren Königssohn, der stimmliche Grenzen hat. Dietrich Henschel als Spielmann ist stimmgewaltig, die Hexe der Amerikanerin Marilyn Schmiege ist textverständlich und präzise gesungen. Ein Mehr an Durchsetzungsfähigkeit wäre jedoch für diese Rolle vonnöten. Die Comprimarii wie Andreas Kohn (Holzhacker) und der klangschöne Heinrich Weber (Besenbinder) liefern sich behände und pointierte Parlando-Passagen. Alle zusammen machen diese Königskinder durchaus zu einer Alternative.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Humperdinck, Engelbert: Königskinder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Profil - Edition Günter Hänssler
3
01.06.2005
166:48
1996
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
881488501728
PH05017


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Humperdinck, Engelbert
 - Königskinder - 1. Akt
 - Königskinder - 2. Akt
 - Königskinder - 3. Akt


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Dirigent(en):Luisi, Fabio
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester
Interpret(en):Schellenberger, Dagmar
Moser, Thomas
Henschel, Dietrich
Schmiege, Marilyn


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"Eine phantastische Einspielung dieser sehr selten aufgenommenen Oper von Engelbert Humperdinck. Fabio Luisi präsentiert mit herausragenden Solisten (Dagmar Schellenberger, Thomas Moser, Dietrich Henschel, Marilyn Schmiege und einem anpassungsfähigen Münchner Rundfunkorchester ein für sich selbst sprechendes und grandioses Stück Musik. "


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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