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Samstag, 15. August 2020

Wagner, Richard - The Tristan Chord

Gar zu glatt


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anhand der Verklärten Nacht Arnold Schönbergs, macht Rattle klar, wohin der Weg führen sollte, den Wagner beschritten hatte.

Noch im 21. Jahrhundert, fehlt es der Musik des 20. Jahrhunderts an Popularität. Vermittlungsbedarf für die gar nicht mehr so moderne Moderne und deren Vertreter von Schönberg bis Berg besteht noch immer, auch wenn Dirigenten und Intendanten sich seit Jahrzehnten bemühen, das Publikum mit den Neutönern zu versöhnen. Die DVD-Serie ‚Die Revolution der Klänge – Musik im 20. Jahrhundert’ mit dem Dirigenten Sir Simon Rattle nimmt sich deshalb dieses Themas an und nimmt den Zuschauer mit auf eine aufregende Reise in die letzten hundert Jahre der Musikgeschichte.

Tristanakkord und Décadence

Den Ausgangspunkt nimmt die erste Folge: ‚Tanz auf dem Vulkan’ im Wien der Jahrhundertwende, wo der empfindsame musikalische Nerv vom Tristanakkord aufgekratzt war und die Kunst in den letzten Zuckungen der Décadence lag. Der Zugriff auf diese interessante Epoche wird optisch aufwändig inszeniert und gerät immer wieder viele zu glatt. Die Wege, die Fortschritt und Auflösung der Tonalität ermöglichten, waren auch im Wien des Fin de Siècle nicht so gerade wie beschrieben und vor allem: sie waren bei weitem nicht die Einzigen, auf denen die Musik der Zeit schritt. Ganz im Sinne des Fortrittsglaubens und mit dem Tunnelblick der Geschichtswissenschaften wird Eindimensionalität und das Reduzieren komplizierter Zusammenhänge auf plakative Schlagworte in Kauf genommen. Dafür ist die Argumentation des Films greifbar, und darum geht es schließlich auch. Der Film will die Musik des 20. Jahrhunderts be-greifbar machen und dazu nimmt uns Rattle mit an seinen Flügel, wo er die tonale Auflösung des Tristanakkordes erklärt und versucht, in den psychologischen Abgrund zu blicken, der sich dahinter auftut.

Nacht und Kaiserreich

Anhand der Verklärten Nacht Arnold Schönbergs, macht Rattle klar, wohin der Weg führen sollte, den Wagner beschritten hatte. Über Schönberg ist der Weg nicht weit zu Mahler – und da bislang das Thema der Nacht die Musik des Films beherrscht hat, macht man bei dessen Siebter Sinfonie Halt. Wenn man von Mahler spricht, so ist Strauss meist nicht weit. Man wird gerne darüber hinwegsehen, dass Strauss nicht in Wien beheimatet war und sogar in einem anderen Kaiserreich lebte. Man wird auch dazu bereit sind die Alpträume der Elektra in Wien wiederzufinden, wo doch Hofmannsthal die literarische Vorlage geliefert hatte. Größere Schwierigkeiten wird man mit der schwierigen Einschätzung haben, Strauss sei reaktionärer Pragmatiker und Opportunist gewesen, vor allem, wenn diese gerade mal so ‚en passant’ formuliert wird.

Verständlich und fundiert

Zurück bei Schönberg und Rattles Flügel bekommt der Zuschauer einleuchtend die Grundlagen der Dodekaphonie erklärt. Die letzten Stationen zu Schönbergs Schülern Webern und Berg werden zügig angefahren. Wozzeck und Lulu werden nicht einmal gestreift, da sind wir auch schon beim Violinkonzert ‚Dem Andenken eines Engels’. Es sind die musikalische Qualität der vom City of Birmingham Symphony Orchestra und namhaften Solisten vorgestellten Stücke, die Persönlichkeit Rattles, die optische Aufbereitung und die stringente Argumentation, die für diesen Auftakt einer ganzen Serie sprechen. Da wo ins Detail gegangen wird, ist es auch für Laien verständlich und dennoch fundiert. Bleibt nur die Frage, ob Eindimensionalität hierdurch gerechtfertigt ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wagner, Richard: The Tristan Chord

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
17.05.2005
Medium:
EAN:

DVD
0807280203295


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Berg, Alban
Mahler, Gustav
Schönberg, Arnold
Strauss, Richard
Wagner, Richard
Webern, Anton von


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Dirigent(en):Rattle, Sir Simon
Orchester/Ensemble:City of Birmingham Symphony Orchestra
Interpret(en):Palmer, Felicity
Kremer, Gidon


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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