> > > Willi, Herbert: eirene/räume/...geraume zeit.../begegnung/rondino
Montag, 29. November 2021

Willi, Herbert - eirene/räume/...geraume zeit.../begegnung/rondino

Lohengrin im Hochgebirge


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Vorarlberger Herbert Willi gehört zu den vier Komponisten, die von den Wiener Philharmonikern anlässlich ihres 150jährigen Jubiläums einen Kompositionsauftrag erhalten hatten

Der Vorarlberger Herbert Willi gehört zu den vier Komponisten, die von den Wiener Philharmonikern anlässlich ihres 150jährigen Jubiläums einen Kompositionsauftrag erhalten hatten. Ergebnis war das Werk ,Begegnung’ für Orchester, von dem, laut Booklet, Publikum und Kritik gleichermaßen begeistert waren. ,Begegnung’, heißt es im Booklet , ist durch die spezifische Klangwelt der Wiener Philharmoniker bestimmt.’ Wenn man unter ,spezifischer Klangwelt’ auch die traditionelle Einstellung versteht, kann man den Satz so stehen lassen. Tatsächlich ist die Klangwelt des Stückes nicht weit entfernt von den beiden spätromantischen Richards, Strauss und Wagner. Und darin unterscheidet sich das Stück nicht von den anderen Stücken der CD. Zwei der Stücke, ein Konzert für Trompete und Orchester (,Eirene’) und ein Konzert für Flöte, Oboe und Orchester (‚...geraume Zeit...’) hat Herbert Willi in den ,Montafon-Zyklus’ gefasst, benannt nach der Landschaft in Vorarlberg, in der Willi lebt. Allerdings sind die klanglichen Unterschiede zu den übrigen Stücken der CD nicht allzu groß, auch ,Begegnung’ und sogar das ,Rondino’ (nach der Oper ,Schlafes Bruder’). würden ihren Platz im Zyklus finden. Eine Ausnahme macht lediglich ,Räume’, das von Andrej Tarkowskijs Film ,Stalker’ inspiriert wurde.

Etwas Jazz

Die Form ist, mit nur wenigen Abstrichen, weitgehend gleich. Willi setzt zwei Blöcke gegeneinander, der eine Block besteht jeweils aus einem kaum veränderten, im zackigen Rhythmus wiederholten Akkord. Der andere Block ist jeweils pathetisch-getragen mit einer Brise Pastorale. Die Musik ist plastisch, aber nicht naturalistisch. Herbert Willi zeigt eine gute Hand für Klangfarben und Klarheit und vermag, ohne sich allzu weit von der Tradition zu entfernen, in ihr immer wieder etwas überraschend neues zu entdecken. Sehr überraschend ist der zweite Satz von ,Eirene’. Hier verwendet Willi - es ist das einzige Mal, dass er sich etwas weiter aus spätromantischen Fenster hinauslehnt – einige Takte lang Jazz. Vielleicht spielt hier Willi auf die mediale Omnipräsenz an, die längst einsame Berghütten erreicht hat. Das ganze hat etwas unwirkliches. Und so weist auch Willi über eine bloße situative Beschreibung weit hinaus. Sein Jazz ist, kaum merklich, verfremdet. Was unter der vordergründigen Oberfläche liegt, ist rationell nicht zu fassen. Das gilt auch, nicht immer, für das Ganze. Wo man zunächst Lohengrin vermutet, der sich gemeinsam mit Till Eulenspiegel an alpinen Sonnenaufgängen ergötzt, haben wir statt dessen einen lebensweltlich verankerten Betrachter, der im Unscheinbaren das Wirkliche sieht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Willi, Herbert: eirene/räume/...geraume zeit.../begegnung/rondino

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
WERGO
1
01.06.2005
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228667325
WER66732


Cover vergössern

Willi, Herbert


Cover vergössern

Dirigent(en):Herbig, Günther
Stern, Michael
Sakari, Petri
Orchester/Ensemble:Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken
Interpret(en):Friedrich, Reinhold
Schellenberger, Hansjörg
Schulz, Wolfgang


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von Patrick Beck:

  • Zur Kritik... Quartett trifft Human Beatboxing: Zweite CD des polnischen Quartetts Kwartludium. Kwartludium spielt die hier vorgestellten Kompositionen genau, sorgfältig, mit viel Liebe, atmosphärisch und vor allem überaus lebendig. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Unsuk Chin wieder aufgelegt: Das Ensemble Intercontemporain spielt Werke von Unsuk Chin - auch in Wiederauflage eine tolle Aufnahme. Weiter...
    (Patrick Beck, )
  • Zur Kritik... Edgar Varèse in Salzburg: Ein kostbares Dokument der Salzburger Festspiele 2009 mit Kompositionen Edgar Varèses. Weiter...
    (Patrick Beck, )
blättern

Alle Kritiken von Patrick Beck...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Der jüngere Krieger in Vollendung: Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Ohne Ergänzungen: Schubert-Sinfonien vollständig und unvollendet – und (fast) ohne Fremdeingriffe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mehr Expertise geht kaum: Raluca Stirbat und Rudolf Leopold spielen George Enescus Werke für Klavier und Cello. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich