> > > Die Triosonate in Frankreich im 17. Jh.: London Baroque
Montag, 20. Mai 2019

Die Triosonate in Frankreich im 17. Jh. - London Baroque

Königliche Kleinstbesetzung


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Qualität der Triosonaten wird von den vier Musikern hervorragend herausgearbeitet.

Die Triosonate wurde im Frankreich des siebzehnten Jahrhunderts vielseitig eingesetzt. Von Trios, die Jean-Baptiste Lully für das allabendliche Zeremoniell des Zu-Bett-Gehen des Königs schrieb über den per Trio geführten Beweis des François Couperin, dass eine Vereinigung des Stils Lullys mit dem Corellis die Krönung der Musik darstellen müsse, reicht das Spektrum bis zu Jean-Féry Rebels Gedächtnistrio Tombeau de Monsieur Lully. Französische Komponisten waren äußerst kreativ im Umgang mit der Triosonate, die trotz der ewigen Konfrontation und dem ambivalenten Umgang der ‘Grande Nation’ mit den ‘Erfindern’ der Gattung, den Italienern, ihren Weg nach Frankreich fand. Zwar hatte die Triosonate wohl zuerst einen relativ schweren Stand gegen die etablierte Satzfolge der Instrumental-Suite, stand jedoch bald gleich gern gehört neben ihr. Spätestens als sich Louis XIV mit Triosonaten von Lully repräsentativ zu Bett zu legen begann (was wie alles, was er tat, zeremoniell begleitet war), muss die Gattung endgültig etabliert gewesen sein.

Sonate, que me veux-tu?

Das Ensemble London Baroque, bestehend aus zwei Violinen (Ingrid Seifert, Richard Gwilt), Bassgeige (Charles Medlam) und Cembalo (Terence Charlston), unternimmt in der Aufnahme des schwedischen Labels BIS den Versuch, eine repräsentative Auswahl der im siebzehnten Jahrhundert entstandenen Triosonaten einzuspielen - keine leichte Aufgabe, bedenkt man die sowohl quantitative wie auch qualitative Vielfalt der komponierten Werke, die teilweise nicht einmal die Bezeichnung ‘Triosonate’ führen, sondern auch als Zusammenschluss von Simphonie und Dialogue, frei betitelt wie etwa Rebels erwähntes Tombeau de Monsieur Lully oder zur völligen Verwirrung als Suite benannt werden können. Dem Ensemble ist auf jeden Fall eine bunte Mischung gelungen - repräsentativ oder nicht, worüber an sich immer streiten kann. Neben den schon erwähnten Werken finden wir Jean Nicolas Geoffroys Dialogue pour le Clavessin et les Violes, Louis Couperins Simphonie et Dialogue, François Couperins La Superbe, Gaspard Le Roux’s Suite No. 2, Louis-Nicolas Clérambaults La Félicité und Marin Marais’ Suite in g-Moll. Die meisten dieser Sonaten oder Suiten bestehen aus vier Sätzen, oft mit den Bezeichnungen der Suite-Tänze versehen, genauso können die Werke aber auch nur drei- oder bis zu siebensätzig sein, wobei die einzelnen Teile oft für den heutigen, Mahler-gestählten Hörer schon wieder vorbei sind, bevor er sich hingesetzt hat. Dies tut den Sonaten aber keinen Abbruch, sondern macht sie zu spannenden kleinen musikalischen Edelsteinen, deren Klangcharakter herrlich durchsichtig und doch ernst ist. Diese Qualität der Triosonaten wird von den vier Musikern hervorragend herausgearbeitet. Hier stimmt alles: das Tempo genauso wie die Verzierungen, die Balance zwischen den Instrumenten und die fein abgestufte Dynamik. Für unsere Ohren manchmal fast schon etwas weihnachtlich, ist die Einspielung eines Königs wohl wert - und das nicht nur für´s Einschlafen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Annika Forkert,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Die Triosonate in Frankreich im 17. Jh.: London Baroque

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
28.04.2005
69:56
EAN:
BestellNr.:

7318590014653
bis501465


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Clerambault, Nicolas
 - Sonate G-dur -
Couperin, Francois
 - La Superbe -
Couperin, Louis
Geoffroy, Jean Nicolas
 - Dialogue -
Le Roux, Gaspard
 - Suite No. 2 D-dur -
Lully, Jean Baptiste
 - Trios pour le coucher du Roi -
Marais, Marin
 - Suite g-moll -
Rebel, Jean-Féry
 - Toubeau de Monsieur Lully -


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Orchester/Ensemble:London Baroque


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"Die Triosonate im italienischen Stil hatte es nicht leicht, sich in Frankreich durchzusetzen. Dies gelang erst Ende des Jahrhunderts, aber spannend ist auch die Zeit davor, als mit verschiedenen Formen und Stilen experimentiert wurde. Allen voran ist hier Lully zu nennen. Diese CD ist das Gegenstück zur BIS 501455, mit der London Baroque eine Bestandsaufnahme des gleichen Genres in England vormahm."


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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