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Samstag, 20. Juli 2019

Donizetti, Gaetano - Ouverture/Text 1

Opernquerschnitt der anderen Art


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Allerdings ist doch die Frage angebracht, inwieweit Belcanto ohne Gesang überhaupt funktionieren kann.

‘Misswende folgt mir

 wohin ich fliehe;

 Misswende naht mir

 wo ich mich neige’

(Walküre, Erster Aufzug)

Mit diesem Siegmund-Zitat hätte Richard Wagner seine glücklose Zeit in Paris 1839-1842 überaus treffend umschreiben können. Trotz Empfehlungen von Giacomo Meyerbeer stellte sich der von Wagner erhoffte rasche Erfolg in der damaligen Musikhauptstadt Europas nicht ein; im Gegenteil, der ambitionierte sächsische Komponist verbrachte hier eine ‘Zeit der Enttäuschungen und des Elends’ (Gregor-Dellin). Um sich einigermaßen finanziell über Wasser zu halten, musste Wagner musikalische Gelegenheitsaufträge annehmen.

Wagner im Dienst des ‘Musikantenbeherrschers’

Eine dieser Lohnarbeiten ergab sich im Windschatten von Gaetano Donizetti. Denn dieser war in Paris unvergleichlich erfolgreicher als Wagner: Allein im Jahre 1840 brachte der Italiener hier mit ‘La Fille du Régiment’, ‘Les Martyrs’ und ‘La Favorite’ (ursprünglich ‘L’Ange des Nisida’) drei seiner Opern zur Uraufführung.

Kurz nach der Aufführung der ‘Favoritin’ beauftragte Maurice Schlesinger, der Verleger Meyerbeers und Herausgeber der ‘Revue et Gazette Musicale’, Wagner mit der Druckkorrektur der Partitur von ‘La Favorite’. Zudem bestellte Schlesinger - von Heinrich Heine als ‘Musikantenbeherrscher’ tituliert - im Winter 1840/41 weitere Bearbeitungen der Oper, so nach Wagners eigener Erinnerung u.a.:  ‘La Favorite, vollständiger Klavierauszug, Klavierauszug ohne Worte zu zwei Händen, dito zu 4 Händen, vollständiges Arrangement für Quatuor, ebenso für zwei Violinen, dito für Cornet à piston.’

Elegante Virtuosität, überzeugende Interpretation

In der vorliegenden Einspielung von Oehms Classics nehmen sich die Geiger Matthias Wollong und Jörg Faßmann, beide als Erster bzw. stellvertretender Konzertmeister profilierte Mitglieder der Dresdner Staatskapelle, der Wagner-Bearbeitung für zwei Violinen an. Ergänzt und mit der Opernhandlung verknüpft werden die einzelnen Musiknummern durch Texte, die vom Opernregisseur Michael Dißmeier verfasst wurden. Als Sprecher dieser Passagen wirkt der Berliner Schauspieler Daniel Morgenroth.

Technisch musizieren die beiden Violinisten auf höchstem Niveau; schnelle Läufe, Doppelgriffe und Flageoletts meistern sie mit eleganter Virtuosität. Auch das bei dieser Bearbeitung essentiell wichtige kongeniale Zusammenspiel gelingt Wollong und Faßmann hervorragend.

Ebenso überzeugend präsentiert sich die musikalische Interpretation; vital und spannungsreich, dabei aber das Lyrische nicht vernachlässigend, gelingt es den Solisten, Donizettis kompositorische Finesse im Rahmen der Wagner’schen Transkription erstrahlen zu lassen.           

Daniel Morgenroth liest die stimmungsvoll formulierten Sprechtexte mit sonorer Stimme und deutlicher Artikulation.

Unterstützt wird der hohe technische Standard dieser Aufnahme durch die überdurchschnittliche  Klangqualität. Die Akustik ist klar und transparent, die Balance zwischen den beiden Soloviolinen stimmig.

Belcanto ohne Gesang?

Die Kombination von ‘Miniatur-Hörbuch’ (Dißmann) und Opernquerschnitt der anderen Art gelingt aufs Ganze gesehen überraschend gut. Allerdings ist doch die Frage angebracht, inwieweit  Belcanto ohne Gesang überhaupt funktionieren kann.  

Insgesamt stellt diese Einspielung für Freunde der italienischen Oper zwar keine Alternative, so doch aber eine interessante Ergänzung zu einer Gesamtaufnahme der ‘Favoritin’ dar. Das übrige Hörerpublikum sollte sich aber zuerst mit der ursprünglichen Oper auseinandersetzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Helmut Strauss,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: Ouverture/Text 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
01.01.2012
Medium:
EAN:

CD
4260034863712


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Donizetti, Gaetano
Wagner, Richard


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Interpret(en):Wollong, Matthias
Faßmann, Jörg
Morgenroth, Daniel


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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