> > > Schütz, Heinrich: Historia der Auferstehung Jesu Christi
Montag, 27. Juni 2022

Schütz, Heinrich - Historia der Auferstehung Jesu Christi

Mitreissender Urahn


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Heinrich Schützens ‚Historia von der Auferstehung Jesu Christi’ wird als das erste Oratorium in deutscher Sprache bezeichnet. Allerdings entstand der Urahn des deutschen Oratoriums durchaus nicht ‚aus dem Nichts’ und blickt auf eine lange Reihe Vorläufer zurück. Schon seit der Zeit der Reformation war es in Dresden, eine der ersten Städte, die sich dem neuen Bekenntnis zuwandten, üblich, zum Ostersonntag am Hofe Auferstehungsmusiken aufzuführen. Die literarische Grundlage dazu bildeten die Texte, die der Reformator Johannes Bugenhagen aus den Schilderungen der Evangelien eingereichtet hatte. Antonio Scandello (1517 – 1580), der in dieser Zeit am Dresdner Hof tätig war, erreichte bereits eine gesteigerte Dramatik und Unmittelbarkeit der Wirkung der Musik, indem er eine Rollenverteilung zwischen dem erzählenden Evangelisten und den einzelnen sprechenden Personen des Handlungsstrangs einführte.

Stringente Dramaturgie

Noch Scandellos Nachfolger am Dresdner Hofe Heinrich Schütz (1585 – 1672) führte dessen Werke während seiner Zeit im Dienste des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen auf. Es überrascht also nicht, dass Scandellos Neuerungen auch die Grundlage der ‚Historia der Auferstehung’ bilden, die Schütz 1623 komponierte. Schütz’ Herangehensweise unterscheidet sich von der Vorlage jedoch grundlegend in bezug auf den musikalischen Ausdruck, die stringent geführte Dramaturgie mit ihrem engen Verhältnis von Wort und Ton, sowie den deutlichen Affekten der auftretenden Personen. In einer für seine Zeit revolutionären Weise reizt Schütz die theatralischen Möglichkeiten einer bewusst nicht szenisch zu realisierenden Aufführung biblischer Texte voll aus.

Absolut stimmig

Genau dieser Aspekt ist es, den Manfred Cordes mit dem Ensemble Weser-Renaissance Bremen aufgreift. Die große Stärke der Aufnahme ist die absolut stimmige Umsetzung der Intention der Musik und ihres Hintergrundes im Sinne einer lebendigen Verkündigung, wie sie im historischen Kontext der Komposition angestrebt wurde. Dadurch werden die vielen musikalischen Mittel, die unterschiedlichen Stimmführungen, Effekte und Besetzungsfragen erst verständlich. Dazu kommt, dass Manfred Cordes genau den Ton zwischen der kühlen Polyphonie der ausgehenden Renaissance und der neuen, affektgeladeneren Tonsprache des anbrechenden Barock trifft, der sich Schütz mit seiner Komposition öffnet.

Textverständlich´

Das alles geschieht auf musikalisch höchstem Niveau. Die Gesangsstimmen erreichen ein völlig homogenes und fein abgestimmtes Klangbild, glänzen mit solistischen Qualitäten und singen so textverständlich, dass komplett auf das Textbuch verzichtet werden kann – in Zeiten immer weiter abnehmender Textdeutlichkeit eine absolute Seltenheit! Auch die Instrumentalisten spielen vollkommen überzeugend, ausgesprochen erzählfreudig und sekundieren im wahrsten Sinne des Wortes, ohne dabei an eigenem Profil einzubüßen. Auch in den beigefügten Einspielungen des ‚Surrexit pastor bonus’, sowie der Werke SWV 324, 443 und 404 kommen diese Qualitäten voll zum Tragen und ermöglichen einen mitreißenden Kompromiss zwischen historischer Genauigkeit und den Ansprüchen einer überzeugenden und lebendigen Interpretation geistlicher Musik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Historia der Auferstehung Jesu Christi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.03.2005
Medium:
EAN:

CD
0761203702725


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Schütz, Heinrich


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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