> > > Beethoven, Ludwig van: Diabelli-Variationen Op.120/Bagatellen Op.126
Samstag, 5. Dezember 2020

Beethoven, Ludwig van - Diabelli-Variationen Op.120/Bagatellen Op.126

Aus Beethovens Wiege


Label/Verlag: ARS MUSICI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nichts desto Trotz, beim mehrmaligen Hören wird man mindestens, wird man letztlich auch diesen Aspekt dieser Aufnahme durchaus zu schätzen wissen, zumal er zum Gesamtkonzept gehört.

Auf einem historischen Instrument eingespielt, in Ludwig van Beethovens Geburtshaus in Bonn selbst, stellt die bei ‘ARS MUSICI’ erschienene Aufnahme der Diabelli-Variationen op. 120 und der sechs Bagatellen op. 126 eine quasi durchweg authentische Interpretation vor.

Das Thema, welches der Verleger Anton Diabelli zwecks eines Sammelbandes an verschiedenste Komponisten versandte, ein spritziges kurzes Walzerstück inspirierte Beethoven offensichtlich sosehr, dass er sich selbst nicht nehmen lies, die 33 Variationen über dieses gleich allesamt allein anzufertigen. So entstand ein umfangreicher Zyklus, der das vorgegebene Material durch alle Formen und Farben spult und brillieren lässt, insgesamt aber eher zu den Kuriositäten in Beethovens Oeuvre zählt.

Instrument und Interpret

Die Authentizität dieser Einspielung liegt aber nicht allein im Ort der Einspielung sondern auch in den gegebenen Möglichkeiten, mit deren Zusammenstellung sich das Beethovenhaus Bonn inzwischen einen Namen gemacht hat; - der Möglichkeit, das Ganze an einem historischen Instrument einzuspielen. Das Modell, welches in dieser Interpretation zu hören ist, stammt aus der Werkstatt des Wiener Instrumentenbauers Conrad Graf, mit dem Beethoven persönliche Kontakte pflegte. In der Folge dürfte das Hammerklavier in etwa den Vorstellungen entsprechen, die Beethoven selbst von solch einem Instrument hatte, zumal er seiner Zeit in Zusammenarbeit mit Graf um die Weiterentwicklung des Pianoforte bemüht war.

Paul Komen nun, der sich im Verlauf der letzten Jahre durch sein Fingerspitzengefühl und die Spezialisierung auf ältere Musik einen Namen für gelungene Interpretationen machte, vervollständigt sinnvoll das ‚Ensemble‘.

Klang und Spiel

Das Komen nicht umsonst einen guten Ruf besitzt, stellt er auch hier unter Beweis. Durch sämtliche Variationen spielt er ungeachtet einigen technischen Anspruchs tadellos und gekonnt. Dabei bleibt freilich das Gespür für den jeweiligen Inhalt nicht auf der Strecke. Anschlag und Tempo treffen immer wieder neu die jeweils richtige Stimmung. Geschickt eingesetzte und ausbalancierte Dynamik erzeugen einen insgesamt lebhaften Ausdruck. Dabei muss zusätzlich noch der rustikale Klang des Instrumentes Berücksichtigung finden, den der Interpret gewinnbringend einzubauen versteht. Das sonore Timbre bringt, eben durch den ‚bewussten‘ Einsatz, gerade die letzte Würze hinzu, auch wenn das, vom glasklaren Klang des Steinway verwöhnte, Hörerohr beim ersten mal etwas ins Stolpern gerät. Nichts desto Trotz, beim mehrmaligen Hören wird man mindestens, wird man letztlich auch diesen Aspekt dieser Aufnahme durchaus zu schätzen wissen, zumal er zum Gesamtkonzept gehört, und ihn als gewinnbringend einstufen.

Stellt man zu diesen sämtlichen Faktoren zu guter Letzt die sehr angenehme Aufnahmeakustik und die völlig hall- und insgesamt auch störgeräuschfreie Aufnahmekulisse, die den kammermusikalischen Aspekt bedienen, hinzu, ist diese CD vor allem jenen zu empfehlen, die es bei Beethoven nicht nur auf die Eroica und die Schicksalsymphonie abgesehen haben. Es handelt sich hier um einen klaren Gewinn für den Liebhaber, der sich bereits intensiver mit dem Werk des Bonners auseinandergesetzt hat, und vielleicht auch schon eine andere Aufnahme der Diabelli-Variationen und der Bagatellen besitzt. Für Neueinsteiger ist sie etwas schwieriger, da die Musik, trotz ihres beschwingten Charakters, doch nicht ganz einfach, und auch nicht nebenbei zu hören ist und keinen geringen Anspruch hat. Man muss sich mit der Musik auseinandersetzen wollen, um an dieser Einspielung Genuss zu finden. Mit der richtigen Einstellung wird man jedoch, allemal, belohnt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Christoph Mann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Diabelli-Variationen Op.120/Bagatellen Op.126

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
ARS MUSICI
1
01.04.2005
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4017563138220
AM13822


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Beethoven, Ludwig van


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Interpret(en):Komen, Paul


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ARS MUSICI

Wenn man es genau nimmt, reichen die Wurzeln des Labels ARS MUSICI bis in die 1950er Jahre zurück. Damals gründete Rudolf Ruby in Freiburg i.Br. die Schallplattenfirma deutsche harmonia mundi, die Pionierleistungen mit inzwischen legendären Interpreten auf dem Gebiet der Alten Musik in Sachen Historische Aufführungspraxis vollbrachte. Nach dem Verkauf des Labels und Katalogs an die BMG setzte man seit 1994 in der Schwarzwald-Metropole die Arbeit unter dem neuen Firmennamen Freiburger Musik Forum GmbH fort. Das Label ARS MUSICI wurde ins Leben gerufen, und das Themen-Spektrum der Produktionen erweiterte sich von Musik des Mittelalters bis hin zu aktuellster zeitgenössischer Musik.
Schwerpunkte liegen seitdem in den Bereichen der vokalen Ensemblemusik (Solisten, vokalsolistische Ensembles, Chöre) sowie instrumentaler Musik (insbesondere Tasteninstrumente und Kammermusik). Seit dem nunmehr über 10-jährigen Bestehen des Labels erschienen zahlreiche Neuveröffentlichungen, die national wie international eine breite und positive Resonanz in der Fachwelt sowie bei Presse und Kritik fanden und von denen etliche mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurden. Den Katalog zieren heute Namen wie Michael Korstick, Robert Hill, Lorenzo Ghielmi, Tabea Zimmermann, Henrik Wiese, Klavierduo Stenzl, Trio Jean Paul, Artemis Quartett, Ensemble Modern, Ensemble Aventure, Singer Pur, Dufay Ensemble, Augsburger Domsingknaben, Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger ... ? um nur einige wenige zu nennen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Freiburger Musik Forums liegt in der Publikation von Tonträgern mit ausgezeichneten Interpreten der jungen Generation. So verbindet die Firma eine langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat. Mit der CD-Reihe PRIMAVERA hat das Freiburger Musik Forum im Auftrag des DMR seit ca. 25 Jahren zahlreichen Preisträgern des Deutschen Musikwettbewerbs ihre erste Chance gegeben, sich der Öffentlichkeit mit einer eigenen CD vorzustellen.
Mit dem Theodor-Egel-Saal in Freiburg Ebnet bietet die Firma einen idealen Raum für Tonträger-Aufnahmen ? in Zusammenarbeit mit erfahrenen Tonmeistern und einer rundherum sehr guten Betreuung der Künstler, die hier aufnehmen.


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