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Dienstag, 26. Mai 2020

Voyage à Paris - Chansons Francaises

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Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das französische Liedrepertoire verspricht Abwechslung: Texte, die dank ihrer literarischen Qualität durchaus für sich selbst stehen können reizen den Interpreten immer wieder zu einer neuen Auslotung des Inhalts. Die Musik ist vielseitig und lässt viel Spielraum für Gestaltung. Da das Repertoire dieser CD ausgeweitet ist von der zweiten Hälfte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, scheint auch ein guter Querschnitt durch das französische Liedfach vorzuliegen. Neben Werken von Reynaldo Hahn, Ernest Chausson, Emmanuel Chabrier, Gabriel Fauré und Henri Duprac bildet Francis Poulenc den kompositorischen Schwerpunkt mit 11 von 24 Liedern. Das Versprechen, welches durch das gesungene Repertoire gegeben wird, scheint bestätigt in den Künstlern: Lynne Dawson, eine helle Sopranstimme mit viel Einfühlungsvermögen für die Zwischentöne, die in diesen Liedern gefordert werden wird am Klavier begleitet von Julius Drake, einem versierten und vielseitigen Liedbegleiter. Trotz dieser ganzen vielversprechenden Voraussetzungen bleibt die CD erstaunlich eintönig und blass.

Den Einstieg, der den Hörer in seiner CD-Wahl noch bestätigt, bildet der Poulenc-Walzer ‘Les chemins de l’amour’. Die melodische Eingängigkeit über einem schwärmerischen Text scheinen Lynne Dawsons Hingabe an das Werk gesteigert zu haben. Im weiteren Verlauf der CD stellt sich allerdings heraus, dass diese hohe Expressivität der Sängerin damit ihren absoluten Höhepunkt schon erreicht hat. Nicht dass sie die weiteren Lieder weniger intensiv gestaltet. Sie ist durchaus bemüht, jedem Lied mit einer eigenen Klangfarbe gerecht zu werden, jedoch scheint sie nicht über eine ausreichend große Farbpalette zu verfügen.
Eventuell liegt allerdings der Fehler nicht nur bei Frau Dawsons vielleicht allzu großen Bemühungen, die den Liedern viel an Leichtigkeit nimmt, sondern an der Programmzusammenstellung. Kriterium für die Liedauswahl scheint Liebe als Thematik zu sein. Sie durchzieht die meisten Lieder in schwermütiger, nicht zu erfüllender Form, teilweise ergänzt durch mythologische Erscheinungen des Themas wie in Chaussons ‘Hébé’. Dieses Lied mit seiner wellenförmigen Melodik erscheint wie ein Fels im Meer: die thematisch und musikalisch vorherrschende Stimmung wird für die kurze Dauer dieses Werkes aufgebrochen und es scheint die Schönheit der französischen Lieder hinter der tiefgründigen Auslotung hervor. Dawson und Drake vertrauen hier wie auch in Faurés ‘Liebeslied’ dem Werk und versuchen nicht, ihm zusätzliche Tiefe und Bedeutung abzuringen, was den Vortrag gleich flüssiger, intensiver und daher ansprechender werden lässt. Es dient auch eher dem gesteigerten Ausdruck in diesen Chansons, dass Lynne Dawsons Stimme nicht immer leicht anspricht, besonders in der Höhe, sondern teilweise forciert klingt.

Als Auflockerung sind wohl auch Lieder gedacht wie Chabriers ‘Villanelle des petits canards’ oder Poulencs ‘Nous voulons une petite soeur’. Mit diesen Werken wird die melancholische Sphäre aller restlichen Lieder verlassen. Sie bringen nicht nur musikalisch mehr Bewegung in das Programm, sondern sind auch textlich beschwingter und humoristischer. Leider kommt diese Auflockerung etwas zu spät im letzten Drittel des Programms. Alles in Allem werden die mit dieser CD verbundenen recht hohen Erwartungen kaum erfüllt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Voyage à Paris: Chansons Francaises

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
21.04.2005
Medium:
EAN:

CD
0782124175825


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Chabrier, Alexis Emanuel
Chausson, Ernest
Duparc, Henri
Fauré, Gabriel
Hahn, Reynaldo
Poulenc, Francis


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Interpret(en):Dawson, Lynne
Drake, Julius


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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