> > > Bach, Johann Sebastian: Sämtliche Kantaten vol.27
Dienstag, 16. Juli 2019

Bach, Johann Sebastian - Sämtliche Kantaten vol.27

Barockes Klangwunder


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Abstimmung von Vokal- und Instrumentalensemble ist sehr gut, man hört die jahrelange Erfahrung von Masaaki Suzuki mit diesem Klangkörper.

Die vorliegende Aufnahme mit Kantaten Johann Sebastian Bachs ist Teil 27 in dem großen – und angesichts des aktuellen Plattenmarktes im Klassikbereich sehr mutigen – Projekt der Gesamteinspielung der Kantaten Bachs. Das von Masaaki Suzuki geleitete Bach Collegium Japan lässt auch hier wieder die Katze aus dem Sack und macht deutlich, dass man durch detailgenaue Umsetzung der Quellen zu einem höchst lebendigen Ergebnis kommen kann.
Auch dieser Teil beschäftigt sich weiter mit Werken aus dem sogenannten Choralkantatenjahrgang 1724/25. Bis auf eine Ausnahme: Mit der Kantate ‘Ein feste Burg ist unser Gott’ BWV 80 hat man es jedoch mit einer verworrenen Chronologie von Fassungen zu tun (die im Booklet ausführlich und hochinteressant beschrieben werden). Dieses Werk basiert in seiner heute bekannten Form auf einer Weimarer Frühfassung, die durch einen Textdruck nachgewiesen sind. Umgearbeitet wurde diese dann zwischen 1728 und spätestens in den 1740er Jahren. Die uns heute aus diversen Aufführungen vertraute Version mit Pauken und Trompeten stellt ihrerseits wiederum eine Umarbeitung von Wilhelm Friedemann Bach dar. Die von seinem Vater aufgeführte Fassung kommt ohne diese Monumentalisierungen aus; abgesehen freilich von dem groß angelegten Eingangschor, der einen satztechnisch ausgefeilten und klanglich reich differenzierten Eingang in diese Kantate bietet.

Höchste Durchsichtigkeit

Schon in diesem Eingangssatz werden die Stärken dieses Ensembles deutlich. Mit drei Stimmen pro Register (von denen eine die fakultativ heraustretende Solostimme ist), vertritt Masaaki Suzuki eine zwar historisch fragwürdige Chordisposition, die jedoch klanglich zu größter Opulenz fähig ist, ohne zugleich höchste Transparenz zu opfern. Die Stimmen klingen sehr homogen, die jahrelange Zusammenarbeit mit Stammsängern zahlt sich hier hörbar aus, denn das Ensemble erreicht eine erstaunliche klangliche Einheit. Auch die Instrumentalisten agieren – wie gewohnt – auf allerhöchstem Niveau. Die Bläser zeichnen ihre Linien sehr weich und ausdrucksstark (in den Arien), die Streicher gehen mit rhythmischer Spritzigkeit und mit Sinn für Details an diese Musik heran, die durchaus nicht allgemein üblich ist.
Auch bei den Solisten erweist sich die Wahl Suzukis als gut. Die Sopranistin Susanne Rydén belebt ihre Partien mit einer beweglichen, sehr locker geführten Stimme. Textverständlichkeit ist hier meist gewährleistet. Doch in der Höhe gerät dies zuweilen etwas aus dem Blickfeld in dem Maße, in dem vor allem klangliche Nuancen in den Vordergrund rücken. Der altgediente Peter Kooij meistert die Basspartien mit gewohnter delikater stimmlicher Ausgestaltung der textimmanenten Affekte. Allerdings zeigt er in den Arien gelegentlich einen etwas kurzen Atem. Wettgemacht wird dies allerdings von einer sehr sonoren, präsenten Stimme, die den Partien Durchschlagskraft verleiht. Auch der Tenor Gerd Türk kann hier auf voller Linie überzeugen. Seine stets dem Textausdruck angemessene Stimmgebung pendelt hier zwischen zartesten Nuancen und kraftvoll herausgeschleuderten Worten. Der Altus Pascal Bertin trägt einen bedeutenden Beitrag zu dem guten Eindruck dieser Aufnahme. Gerade sehr gefühlvolle und ausdrucksstarke Partien liegen diesem jungen Sänger sehr, wie zum Beispiel die anrührende Arie ‘Ach schläfrige Seele, wie? Ruhest du noch?’ aus der Kantate ‘Mache dich, mein Geist, bereit’ BWV 115.
Die Abstimmung von Vokal- und Instrumentalensemble ist sehr gut, man hört die jahrelange Erfahrung von Masaaki Suzuki mit diesem Klangkörper, den er langsam in die Spitzenregion der Ensembles für sogenannte ‘Alte Musik’ führte. Jeder Einsatz sitzt hier genau, die Artikulation und Phrasierung ist absolut homogen, geschweige denn von dem überwältigenden Klangeindruck. Die Musiker erscheinen hier als ein sehr kompaktes Ensemble, ohne dass dies auf Kosten von Durchsichtigkeit des Satzes ginge. Man hört jedes Instrument, jede vokale Stimme, die sich klanglich jedoch hervorragend mit den anderen mischt.

Runder Klang

Besonders in klangtechnischer Hinsicht scheinen die Techniker von BIS von einer Produktion zur anderen Fortschritte zu machen. Denn in klanglicher Homogenität und Präsenz überragt diese Aufnahme die letzte noch einmal etwas. Ob hier irgendwann ein Endpunkt erreicht wird? Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser knackige, keinesfalls jedoch spröde Klang in Teil 28 noch mal übertroffen werden könnte

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Sämtliche Kantaten vol.27

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BIS Records
1
31.03.2005
67:15
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
7318590014219
bis501421


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Bach, Johann Sebastian
 - Ein feste Burg ist unser Gott, BWV 80 -
 - Wo soll ich fliehen hin, BWV 5 -
 - Mache dich, mein Geist, bereit, BWV 115 -


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Dirigent(en):Suzuki, Masaaki
Orchester/Ensemble:Bach-Collegium Japan
Interpret(en):Rydén, Susanne
Bertin, Pascal
Türk, Gerd
Kooij, Peter


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"Mit „Ein feste Burg“ eröffnet eine der beliebtesten Kantaten Bachs die Folge 27, die wiederum Werke des Leipziger Jahrgangs 1724 enthält. Zwar ist die Entstehungszeit dieser Kantate unklar, doch findet sie dank ihrer Struktur einen sinnvollen Platz im Choralkantaten-Jahr, dem großen Projekt, das Bach 1724 begann."


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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