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Mittwoch, 20. Februar 2019

Lachenmann, Helmut - Allegro sostenuto - Serynade

Keine Resonanz


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Damit Musik (oder jede andere Kunst) für Helmut Lachenmann Berechtigung hat, muss jedes Werk ganz neu erschaffen werden, ohne Rückgriff auf Traditionen und Konventionen, entsprechend ist sein Ausspruch ,Die Musik ist tot.’ als konstruktive Destruktion zu verstehen. Auch das Instrument bedarf der ständigen Neuschöpfung. Hieraus folgt eine intensive Auseinandersetzung Lachenmanns mit Geräuschen und verformten Klängen. Mit der vorliegenden CD präsentiert Kairos zwei halbstündige Werke, ,Serynade’ für Klavier und ,Allegro sostenuto’ für Klarinette/Bassklarinette, Cello und Klavier.

Das neue Klavier

Spannend ist hier die Frage, wie Lachenmann aus einem klanglich so festgelegtem Instrument wie dem Klavier ein neues Instrument schaffen kann. Neben sich schnell erschöpfenden Möglichkeiten wie Klopfen auf dem Holz oder Klackern mit auf der Tastatur entlangleitenden Fingern (von Lachenmann 1970 im Stück ,Guero’ verwendet) bietet sich hier die Präparation an. Aber Lachenmann verzichtet. Die Töne erzeugt Yukiko Sugawara (der das Stück gewidmet ist; das ,Y’ in ,Serynade’ verweist auf ihren Vornamen) auf die übliche Art mittels Niederdrücken der Tasten. Was ist nun das Besondere? Lachenmann komponiert nicht vom Anschlag her, sondern vom Ausklang, dem Verklingen der schwingenden Saiten. Kurze Einzeltöne, Akkorde oder Cluster geben, fast statisch, Impulse. Dazu werden stumm andere Tasten gedrückt und die entsprechenden Saiten von den Dämpfern befreit, so dass sie mitschwingen können. Dies ist der wesentliche Aspekt der Komposition.

Problem der Tontechnik

Bedauerlich ist nur, dass in der vorliegenden Einspielung vom Mitschwingen nicht viel zu hören ist. Die Lautstärke erhöhen hilft nicht, es ist keine Frage der Lautstärke, sondern des Klangvolumens. Da das wesentliche fehlt, entzieht sich die Einspielung einer Beurteilung, die hier nur nachteilig auf Komponist und Interpretin zurückfallen kann. Das klangtechnische Problem ist kein Fehler der Tontechniker. Es ist zum Verdruss der Komponisten ein allgemeines Problem der Tontechnik, das seiner Lösung noch harrt. Vielleicht liegt es daran, dass die üblichen Lautsprecher einen merklich kleineren Resonanzkörper als ein Klavier haben. Gleichermaßen entzieht sich auch das zweite vorliegend eingespielte Stück der CD, ,Allegro sostenuto’, der Bewertung, da auch hier feine Schwingungen, gerade im Klavier, eine Grundlage der Komposition sind.
Der Besuch einer Aufführung der beiden Werke ist gerade hier eher zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lachenmann, Helmut: Allegro sostenuto - Serynade

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Kairos
1
67:40
EAN:
BestellNr.:

78212412212
0012212KAI


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Lachenmann, Helmut
 - Allegro sostenuto, Serynade -


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Interpret(en):Sugawara, Yukiko
Oka, Shizuyo
Fels, Lucas


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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