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Montag, 6. Dezember 2021

Bach, Johann Sebastian - Mass in B minor

Qualitätsarbeit


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Einspielung bietet gute Qualität zum günstigen Preis, und kann somit etwa als Einsteigermodell für Leute, die Bach gerne auf modernem Instrumentarium interpretiert hören, durchaus empfohlen werden.

An Aufnahmen der h-Moll Messe in verschiedensten Besetzungen und Interpretationen herrscht allein auf dem deutschen Markt nun wahrlich kein Mangel; und auch auf diese hätte die Welt zugegebenermaßen zur Not verzichten können: Keine Neuigkeiten in der Besetzung, keine besonders kritische Lesart des Notentextes, keine Ausnahmeerscheinungen in der Interpretation. Dafür bietet diese Einspielung – die bei Naxos in preislicher Staffelung als CD, SACD und DVD zu haben ist – gute Qualität zum günstigen Preis, und kann somit etwa als Einsteigermodell für Leute, die Bach gerne auf modernem Instrumentarium interpretiert hören, durchaus empfohlen werden.

Das nicht ganz klein (allein sieben erste Violinen!) besetzte Kölner Kammerorchester spielt trotz des nicht authentischen Instrumentariums relativ schlank und beweglich, dabei immer mit viel musikalischem Gestaltungswillen, feiner dynamischer Abstufung. Hörbar herrscht hier das Selbstverständnis, ein kleines Ensemble zu sein, in dem Jeder zum Gelingen beiträgt; und nicht das man-hört-mich-ja-doch-nicht-was-soll-ich-mir-Mühe-geben-Gefühl mancher zur Bachbegleitung abgestellter Symphonieorchester-Musiker. Auch die Solisten dieses Ensembles haben durchweg Erfreuliches zu bieten, gehen sensibel auf die mit ihnen konzertierenden Vokalsolisten ein.

Unter diesen fällt Sopranistin Sunhae Im mit etwas zu viel Tremolo bei freilich schlanker, beweglicher Stimme und schönem Glanz in der Höhe ein wenig ab. Sehr angenehm dagegen die beiden Mezzosopranistinnen Marianne Beate Kielland und Ann Hallenberg die locker und drucklos, aber gut fokussiert, mit gerade geführter, warmer, runder und bruchloser Stimme und ausgezeichneter Gestaltung singen – die eine etwas offener, weicher, die andere etwas härter und fokussierter. Tenor Markus Schäfer erfüllt seine Partie klangschön, meistert die (auf 440 Hertz!) ziemlich mörderischen Höhenklippen elegant, allerdings ohne allzu viel Mühe auf Gestaltung und Ausdruck zu verwenden. Bassist Hanno Müller-Brachmann gestaltet wunderbar, spannt seine Bögen textnah und dynamisch gut abgezirkelt, wenn er auch gerade in höheren Lagen recht dunkel timbriert klingt, in tieferen an wichtigen Stellen ab und an etwas knödelig auf seine an sich weiche, für Bach ein wenig breite Stimme drückt.

Als absolutes Highlight dieser Aufnahme muss man den Dresdner Kammerchor bezeichnen: Gut balanciert, perfekt homogen in den Einzelstimmen und im Gesamteindruck, sind hier alle Stimmgruppen optimal aufeinander abgestimmt, singt der Tenor nicht weniger schlank, gerade, beweglich und glanzvoll, als der Sopran, gestaltet der Alt ebenso fein, singt ebenso sauber und technisch makellos, wie der Bass. Da nimmt man sehr deutlich wahr, dass dieses Ensemble von seinem Gründer Hans-Christoph Rademann über zwei Jahrzehnte klanglich sehr sorgfältig gebildet wurde, dazu viel Alte Musik singt und mit Polyphonie und Koloraturen so innigst vertraut ist, dass jeder einzelne Sänger seine Sechzehntelketten noch vollendet gestalten kann – in einem Geiste mit seinen Nachbarn. Darob suhlt sich der Hörer schon im ersten Kyrie in einem schlank-strahlenden Klangbad, erfreut sich am unglaublich mitreißenden Gloria oder Et resurrexit, lehnt sich zu einem klar intonierten ersten Et expecto oder golden leuchtenden Sanctus zurück und genießt die drucklose Klangfülle des Dona nobis pacem ohne Einschränkungen.

Helmut Müller-Brühl wuchert mit diesen Pfunden bewusst und geschickt, lässt den Chor strahlen, wo immer es sich anbietet und nutzt den Drive seiner Sänger und Musiker zu schönen, spannungsreichen Steigerungen. Von den Tempi neigt er – bis auf ein schon etwas mühsam getragenes Agnus Die – nicht zu Extremen, genießt aber durchaus auch mal etwas sportlichere Varianten.

Schade allerdings, dass das Booklet derart bescheiden ausgestattet ist – aber das bringt der günstige Naxos-Preis eben mit sich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Andrea  Braun Kritik von Andrea Braun,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Mass in B minor

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
2
Medium:

SACD


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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Müller-Brühl, Helmut
Orchester/Ensemble:Kölner Kammerorchester
Interpret(en):Im, Sunhae
Kielland, Marianne Beate
Hallenberg, Ann
Schäfer, Markus
Müller-Brachmann, Hanno


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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