> > > Webern, Anton: Symphony
Samstag, 15. August 2020

Webern, Anton - Symphony

Glänzende Tupfer


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Auswahl und Reihenfolge der Stücke scheint mir etwas willkürlich

Die Bedeutung von Anton Webern für die zeitgenössische Musik kann nicht unterschätzt werden. Arnold Schönberg, sein Lehrer, schuf die Zwölftonmusik, komponierte aber weiter in traditionellen Formen. Webern war der erste, der die Zwölftonreihe nach bestimmten Symmetrieverhältnissen ordnete und ihre Struktur auf die Form des Werkes übertrug. Bei aller Systematik war ihm der musikalische Ausdruck ebenso wichtig. Er wiederholte Töne auf engstem Raum (von Schönberg verpönt), wenn es ihm für den Ausdruck nötig schien. Die kurzen Werke – der längste Satz der vorliegenden CD dauert sieben Minuten, der kürzeste 25 Sekunden – tragen eine ungeheure, fragile Kraft in sich.

Organisch fließend

Der amerikanische Dirigent Robert Craft spürt Ausdruck und Struktur subtil und akribisch nach. Gerade die von ihm dirigierten Orchesterstücke sind die Glanzpunkte der CD. Hier ist jeder einzelne Ton, aber wirklich jeder einzelne, ein glänzender Tupfer. Robert Craft schreibt im selbst verfassten Booklet, dass die vorliegende Einspielung der ,Sinfonie op. 21’ ,mit den von Webern selbst vorgeschriebenen Metronomzahlen die erste sein könnte, in der die Musik der Intention des Komponisten entsprechend erklingt.’. Das zu beurteilen fällt schwer, jedenfalls ist es eine ausgezeichnete Interpretation. Organisch fließen die beiden Sätze, leicht und zugleich ungemein poetisch. Der Doppelkanon im ersten Satz ist selten in solcher Klarheit zu hören. Von einer Kopflastigkeit, mit der man die neue Musik gern verunglimpft, gerade gut konstruierte Stücke, wie die ,Sinfonie op. 21’ mit Zwölftonreihe, doppelten Kanon, Spiegelkanon, horizontalen und vertikalen Symmetrien usw., ist das Stück weit entfernt. Sehr eindrucksvoll gelingen Craft auch die ,Sechs Stücke für Orchester op. 6’ und das ,Konzert für neun Instrumente op. 24’. Eingängig und zutiefst berührend kann sich niemand dem Bann der Musik entziehen.

Die Stücke mit Sopranistin (op. 16, 17, 18) kann man sich noch besser vorstellen. Ausspracheschwierigkeiten von Jennifer Welch-Babidge trüben den Genuss etwas ein. Verbindende Bögen zwischen den teilweise von extremen Intervalle getrennten Tönen hat sie leider nicht intoniert. Die Stücke Op. 7, 11, 20, 22, 27 runden die ansprechende CD ab, wenn auch hier letztlich der entscheidende Kick fehlt. Eine Ergänzung der Vollständigkeit halber bilden Schuberts Klavierstücke ,Deutsche Tänze’, von Webern orchestriert. Neben Privatunterricht verdiente sich Webern in den dreißiger Jahren mit solchen Arbeiten ein Existenzminimum.

Robert Craft Collection

Auf der CD ist ein beeindruckendes Drittel von Weberns Werken eingespielt. Die Auswahl und Reihenfolge der Stücke scheint mir etwas willkürlich, aber wenn man auch die nächsten CDs der Webern-Gesamtausgabe von Naxos erwirbt, ist man in der Zusammenstellung der Werke völlig frei. Man sollte sie sich, auch angesichts des niedrigen Preises, nicht entgehen lassen. Die gesamte ,Robert Craft Collection’, dazu kommen Einspielungen von Schönberg und Strawinsky, soll einmal mehr als dreißig CDs umfassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Webern, Anton: Symphony

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
03.01.2005
Medium:
EAN:

CD
0747313253029


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Webern, Anton von


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Dirigent(en):Craft, Robert
Orchester/Ensemble:Philharmonia Orchestra
Interpret(en):Welch-Babidge, Jennifer


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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