> > > Strauss, Richard: Der Rosenkavalier
Freitag, 25. September 2020

Strauss, Richard - Der Rosenkavalier

Strauss aus erster Hand


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Jahrhundertaufnahme. Empfehlenswert!

‚Der Rosenkavalier’ war Richard Strauss’ zweite Oper, die er auf ein Libretto von Hugo von Hoffmannsthal schrieb. Eine ‚Mozart’-Oper des Jahres 1911, mit dem Charme der Wiener Komödie und so völlig im Kontrast stehend zu der rauen Intensität und Dramatik seiner früheren Opern ‚Salome’ und ‚Elektra’. Wieder verlangt Strauss eine Riesenorchester – 112 Instrumente, inklusive einem Orchester auf der Bühne. Wieder verlangt Strauss den Sängerinnen und Sängern der Rollen ein Höchstmaß an Bühnenpräsenz und Ausdauer ab.

Aus den Pionierzeiten kompletter Opernaufnahmen auf Schallplatte stammt die vorliegende Einspielung von Strauss’ ‚Rosenkavalier’. 1950 begann Decca mit der Gesamtaufnahme von Mozarts ‚Entführung aus dem Serail’ unter Josef Krips eine Reihe herausragender Interpretationen der Schallplattengeschichte in die schwarzen Scheiben zu ritzen. Ein besonders fruchtbares Jahr war hierbei 1954, als Clemens Krauss im Mai die ‚Salome’ einspielte und Erich Kleiber im Juni den ‚Rosenkavalier’. Während 22 Aufnahmesitzungen versammelte Maurice Rosengarten, Deccas künstlerischer Leiter, gewissermaßen eine ‚All Richard Strauss Cast’, die seinerzeit in den aktuellen Produktionen eben jener Strauss-Oper an der Wiener Staatsoper auf der Bühne standen. Zum ersten Mal erschien der ‚Rosenkavalier’ komplett auf Platte und zum letzten Mal produzierte Decca in der österreichischen Hauptstadt eine Mono-Aufnahme. Naxos hat diese diskographische Glanzleistung im Rahmen ihrer ‚Great Opera Recordings’-Reihe neu aufgelegt.

Unvergängliches

Der alte Schlager ‚Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder’ entstammt natürlich nicht dieser Oper, doch liegt er den Nostalgikern längst auf den Lippen, wenn sie die ersten Minuten dieser historischen Aufnahme hören. Die damals knapp über 50jährige Maria Reinig in der Rolle der Marschallin interpretiert ihren Part mit der Reife einer prädestinierten Strauss-Sängerin: kraftvoll und mit ihrer hervorragend geschulten Stimme de Phrasen wohl ausgeformt singend, mit elegantem Schliff und tragendem Volumen, obgleich die Zeitgenossen damals ihre Interpretation bereits als etwas verspätet ansahen. Neben dem Cherubino in ‚Figaros Hochzeit’ von Mozart war der Octavian in Strauss’ ‚Rosenkavalier’ die Rolle für die in Jugoslawien geborene Sena Jurinac. Auch sie entstammt der Generation der Sängerinnen und Sänger, deren Textverständlichkeit überdeutlich war (insbesondere in dieser Oper ein nicht zu vernachlässigender Aspekt) und deren Stimme trug und sich neben dem Riesen-Orchesterapparat behaupten konnte. Klare, gerade Linie zeichnet Jurinacs Gesang aus, rund timbriert und im Gesamtambitus stets präsent. Hilde Gueden, eine ebenso Strauss-Erfahrene, verleiht der Rolle der Sophie Brillanz und große Spannkraft. Ludwig Weber als Baron Ochs besitzt eine überaus kraftvolle Bassstimme, die er der Rolle zuliebe jedoch wohldosiert einsetzt, in bestechender Artikulation und formenreicher Dynamik.

Erich Kleiber führt, wie Clemens Krauss in der ‚Salome’, die Wiener Philharmoniker in ein ungemein kompaktes, doch ebenso ungemein transparentes, klares und detailgenaues Klangbild. Hier stimmen die Proportionen zwischen den orchestralen Anteilen und der Balance der vokalen Partien. Dies macht die Vordergründigkeit des Monoklangs schnell vergessen. Die Wiener Philharmoniker spielen fernab vom glattbügelnden Schmelzklang und lassen eine Orchesterkultur erkennen, wie sie aus dem 19. Jahrhundert ins 20. Jahrhundert hinübergerettet wurde: genau phrasierte Linienführung der Streicher und deutlich konturierte Tongebung der Bläser – ein Tondokument nachgerade historischer Aufführungspraxis. Eine Jahrhundertaufnahme. Empfehlenswert!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Der Rosenkavalier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
3
31.01.2005
Medium:
EAN:

CD
0747313301126


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Strauss, Richard


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Dirigent(en):Kleiber, Carlos
Orchester/Ensemble:Wiener Philharmoniker
Interpret(en):Dermota, Anton
Rössel-Majdan, Hilde
Klein, Peter
Hellwig, Judith
Gueden, Hilde
Poell, Alfred
Jurinac, Sena
Weber, Ludwig
Reining, Maria
Berry, Walter


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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