> > > Zimmermann, Bernd Alois: Un petit rien/Das Gelb und das Grün/Omnia tempus habent/Metamorphose
Dienstag, 30. November 2021

Zimmermann, Bernd Alois - Un petit rien/Das Gelb und das Grün/Omnia tempus habent/Metamorphose

Mönch und Dionysos


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit ,Omnia tempus habent’ bietet die vorliegende CD lediglich ein Werk Bernd Alois Zimmermanns von Bedeutung. Die anderen drei Werke illustrieren jedoch seine Schaffensbreite. Jedes steht exemplarisch für ein anderes Gebiet. ,Un petit rien’ basiert auf der Hörspielmusik für ,Die Mondvögel’ von Marcel Aymé. Gegenüber der ursprünglichen Hörspielmusik hat Zimmermann die Zahl der Nummern verringert und sie zu eigenen, kleinen Sätzen geformt, das Klangbild aber weitgehend beibehalten. ,Das Gelb und das Grün’ ist Musik zu einem Puppentheater und ursprünglich für Klavier verfasst. Daraus arrangierte Zimmermann eine Fassung für kleines Orchester, vorliegend eingespielt. ,Metamorphosen’ ist Musik zu einem gleichnamigen Film. Der Wert dieser drei Stücke ist vor allem dokumentarisch.
Anders liegt es mit ,Omnia tempus habent’, einer Kantate für Sopran-Solo und 17 Instrumenten. Grundlage ist ein Text aus dem dritten Buch Salomo aus dem Alten Testament. Gerade dieser Text wurde zu einem Schwerpunkt und zu einem ,Credo’ in Zimmermanns Schaffen. Zitate aus diesem dritten Buch Salomo verwendet Zimmermann auch in anderen Werken, wie den ,Antiphonen’ oder im Stück ,Ekklesiatische Aktion’.

Ozeanische Tiefe

Markant für Bernd Alois Zimmermanns Kompositionsart sind auf der einen Seite nachvollziehbare Strukturen, konkretes und handwerklich gut geformtes Material (Mönch). Die Verwendung von Selbst- und Fremdzitaten, auch ganzer Strukturen als Zitat, erschwert das Verständnis, weil es voraussetzt, die zitierten Werke zu kennen. Auf der anderen Seite steht eine starke Expressivität (Dionysos). Peter Hirsch und das Collegium Novum Zürich haben die vier Werke notengenau und leicht durchhörbar eingespielt. Allerdings haftet ihnen eine routinierte Kühle an. Bei den drei Stücken der angewandten Musik ist das auch nicht weiter schlimm. Schlimm wird es jedoch bei der Kantate. Diese Kantate verweist, neben und zugleich mit einigen religions-theologischen Fragen ozeanischer Tiefe, auf die Grundfragen der menschlichen Existenz, auf das Überleben des Individuums in einem von ihm nicht überschaubaren endlosen Kampf der Gegensätze. Die Komposition ist dreiteilig. Gerade im Mittelteil eröffnet jedes Wort ein ganz anderes Bedeutungsfeld, in das der Sopran jeweils seine ganze Welterfahrung legen kann. Angelika Luz als Sopran mag der Partitur notengenau folgen und jede Anweisung Ernst nehmen, eine existentielle Betroffenheit bei ihr vermag ich jedoch nicht zu erkennen. Ob nun die Partitur zu groß für Angelika Luz war, sie zu routiniert ihren Part angegangen ist oder ob sie nicht genügend Zeit zur Auseinandersetzung hatte, kann ich nicht zu beurteilen. Peter Hirsch legt ihr jedenfalls ein zurückhaltendes, aber stabiles Gerüst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zimmermann, Bernd Alois: Un petit rien/Das Gelb und das Grün/Omnia tempus habent/Metamorphose

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Aufnahmejahr:
WERGO
1
01.04.2005
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228667127
WER 66712


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Zimmermann, Bernd Alois
 - Un petit rien -
 - Das Gelb und das Grün -
 - Omnia tempus habent -
 - Metamorphose -


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Dirigent(en):Hirsch, Peter
Interpret(en):Luz, Angelika


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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