> > > Dvorák, Antonín: Mass in D major op.86
Sonntag, 21. Juli 2019

Dvorák, Antonín - Mass in D major op.86

Tschechische Liturgie


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label ‘Profil” legt mit dieser Aufnahme dem Plattenmarkt eine Auswahl von tschechischer geistlicher Musik vor. Das Repertoire bildet die Messe in D-Dur von Antonín Dvorák, sowie das ‘Otcenas’ (Vater unser) von Leos Janácek. Kennt man heute Dvorák vor allem wegen seiner Kammermusik, seiner 9. Sinfonie, und seiner folkloristischen Einflüsse, muss man wissen, dass der tschechische Nationalkomponist ursprünglich von der Kirchenmusik kam. So war er Schüler an der Orgelschule des Prager Konservatoriums, später Organist an der Sankt Adalbertuskirche in Prag, und schaffte schließlich 1867 mit seinem ‘Stabat Mater’ der internationalen Durchbruch. Auch der 13 Jahre jüngere Leos Janácek begründete den musikalischen Ruhm seines Werkes mit der Anlehnung an tschechische Nationaleigentümlichkeiten. Während Dvorák der Spätromantik verhaftet blieb, öffnete Janácek mit seinen Kompositionen das Tor zur Romantik.

Dvorák, wegen seines unerschöpflichen Melodiereichtums bekannt, bereichert auch seine Messe in D-Dur, einem Auftragswerk von Joseph Hlávka, mit einer großen melodischen Vielfalt. Dvorák selbst beschreibt den Charakter seiner Messe mit ‘Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott dem Allmächtigen.’ Der sonst eher zu großen Besetzungen neigende Komponist verwendet bei diesem Werk die Orgel als einziges Begleitinstrument. Interpretieren könnte man dieses Stilmittel als religiöse Demut und Bescheidenheit. Das einleitende Kyrie beginnt klagend und anrührend, mächtig und trotzdem durchsichtig in den Gesangs- wie in den Orgelpassagen. Im folgenden Gloria, einem fröhlichen, natürlich bewegten Satz, entwickelt sich im besinnlichen Mittelteil ein anrührender Sängerdialog, in dem die Sängerin Barbara Miller mit einem ein-, aber nicht aufdringlichen Alt zu überzeugen weiß.
Im Credo vermittelt die Musik einen sanften Glauben, jedoch könnte hier die musikalische Gestaltung unter der Leitung von Gerd Guglhör eine etwas stärkere Dynamik vertragen. Auch die Einsätze des Orpheus Chor München und der Orgel, gespielt von Harald Feller sind nicht immer exakt. Es fehlt etwas von jenem unbeschreibbaren Element, dass dem Hörer Gänsehaut entstehen lässt. Trotzdem, von großer Schönheit sind die Gesangspassagen des Credo. Keiner der stimmlich gut harmonierenden Sänger exaltiert sich, alle erhalten gleichviel Raum, wodurch viel Harmonie und Schönheit vermittelt wird. Die Heiligkeit des anschließenden Sanctus ist von sanfter und heiterer Art, und auch das Benedictus, das mit einem anrührenden Orgelvorspiel eingeleitet wird, bleibt schleichend und zart. Orgel wie auch Chor bleiben hier durchgehend gedeckt. Das abschließende Agnus Die wird wieder vom Gesang dominiert. Die Vokalsolisten entwerfen hier einen wunderbaren Gesangspart, in dem jeder der Sänger die Möglichkeit hat, sich zu präsentieren, um sich dann zurückzunehmen und einem anderen den Vortritt zu gestatten. Besonders zu nennen ist hier der Tenor, Matthias Rettner, der durch ein warmes, gleichmäßiges Vibrato zu überzeugen versteht.

Mit dem ‘Otcenas’ – ‘Vater unser’ von Leos Janácek kommen wir zu modernerer geistlicher Musik. Inspiriert ist das Stück von dem gleichnamigen Bilderzyklus des polnischen Malers Jósef Mecina-Krzesz. Janácek dezimiert die acht Bilder musikalisch in fünf Teile. Der Zyklus beginnt sphärisch mit ‚Debussyhaften’ Harfenklängen. In diesem geistlichen Werk dominieren die Gesangsparts, in deren Vordergrund der Tenor, besetzt durch Robert Wörle, steht. Mit großer Sicherheit, Können und Ruhe vermittelnd gestaltet der Sänger seinen anspruchsvollen Part. Die Begleitinstrumente Harfe und Orgel spielen knappe, rhythmisch prägnante Motive und untermalen damit auf schöne Weise die Intensität der Musik. Dieses ‚Vater unser’ ist – wie die Messe Dvóraks, deutlich von der mährischen Volksmusik beeinflusst, und gehört melodisch zu den schönsten Werken seines Schöpfers.

Diese Aufnahme ist in mehrerlei Hinsicht gelungen. Das Repertoire an tschechischer geistlicher Musik ist durchdacht und stimmig. Musikalisch überzeugend ist die stimmige Qualität der Sänger, die der Produktion durch ihre stimmliche Harmonie einen besonderen Reiz verleihen. Einzig der Aufnahmeklang wirkt etwas dumpf und lässt den warmen Hall, den solch eine Musik in einem Kirchenraum zu entfalten vermag, etwas missen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorák, Antonín: Mass in D major op.86

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
15.04.2005
50:54
1996
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
881488500820
PH05008


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Dvorák, Antonín
 - Messe in D-Dur op. 86 -
Janácek, Leos
 - Vater unser / Otcenas -


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Dirigent(en):Guglhör, Gerd
Interpret(en):Eser-Streit, Priska
Müller, Barbara
Rettner, Matthias
Hamberger, Thomas
Feller, Harald
Wörle, Robert
Gorzawski, Irmgard


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"Eine der schönsten sakralen Kompositionen von Dvorak mit einer "Bonus-Aufnahme von Janacek: Sein "Vater unser" ist sehr selten aufgenommen und eine wahre Pretiose!"


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
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Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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