> > > Gluck, Christoph Willibald: Orfeo ed Euridice
Montag, 29. November 2021

Gluck, Christoph Willibald - Orfeo ed Euridice

Rocker-Orpheus


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Regisseur Harry Kupfer entwirft in seiner Inszenierung ein karges, kaltes Bühnenbild, in dem nur sparsam mit Requisiten gearbeitet wird

Schaut man sich die zahlreichen und zumeist Öl-Malereien zur Orpheus-Sage an, so findet man in den meisten Fällen einen leichtbeschurzten Helden, der seine Leier zum Gesang erhebt. Diesen Orpheus kann man bei Harry Kupfer getrost vergessen, denn sein Orpheus trägt Lederjacke und spielt Gitarre. Seine Freundin Eurydike und er sind auf dem Heimweg von einem - na? - Rockkonzert, wobei sie in einen Verkehrsunfall geraten, bei dem Eurydike tödlich verletzt wird. Keine Schlange.

So lange die Orpheusrezeption zurückreicht, solange hat es immer schon den Versuch gegeben, einen anderen, kreativen, neuartigen Zugang zum Werk Glucks und dem verarbeiteten Stoff zu finden. 1989 wählte Harry Kupfer in seiner Inszenierung für die Komische Oper Berlin eine neuzeitliche Psychostudie. Auf der nun bei Art Haus veröffentlichten DVD findet sich ein Mitschnitt von 1991 aus dem Royal Opera House Convent Garden, der mit derselben Sängerbesetzung aufwartet, als da wären Gillian Webster als Eurydike, Jeremy Budd als Amor und – um es vorweg zu nehmen – der großartige Jochen Kowalski als Orpheus.

Regisseur Harry Kupfer entwirft in seiner Inszenierung ein karges, kaltes Bühnenbild, in dem nur sparsam mit Requisiten gearbeitet wird. Hier hat jedes Teil seine Funktion im Seelenleid Orpheus, den Kupfer eindeutig zum Mittelpunkt allen Geschehens macht. Brillante Besetzung für diese Rolle ist Jochen Kowalski, der schon allein seiner Stimmlage wegen irgendwann einfach den Orpheus singen musste. Der Altus versteht es, ohne jedes Forcieren, den Melodien Glucks Leben und Emotionen einzuhauchen, soll heißen, er spielt nicht nur den leidenden Ehemann, er ist es. Bei Kowalski sitzt jeder Ton von Anfang an, ein Anschleifen scheint er nicht zu kennen. Sein Piano ist von einer solchen Intensität, dass es einen schaudert, und dabei mangelt es ihm nie an Stimmfülle, auch in den hohen Lagen ist er im Stande, einen fließenden und kaum hörbaren Registerwechsel zu vollziehen. Kurz: Glucks Orpheus, der ursprünglich für einen Kastraten geschrieben wurde, scheint Kowalski wie auf den Leib geschneidert. Gillian Webster als Eurydike erweist sich da als guter Gegenpol, mit rundem und nie metallischem Timbre. Die Stimmen der Hauptdarsteller harmonieren großartig miteinander, wie es sich für ein so enges Liebespaar wohl auch gehört.

Bei soviel stimmlicher Präsenz und Aura ist man beinahe geneigt, die instrumentale Seite zu vergessen. Das Royal Opera House Orchestra unter der Leitung eines offensichtlich gut aufgelegten Hartmut Haenchen ist jedoch entscheidend mitverantwortlich für den Spannungsbogen, den diese Inszenierung von Anfang bis Ende durchzuhalten vermag. Mit raschen, aber nicht zu stürmischen Tempi legt Haenchen ein stützendes Fundament für die Sänger, die so weder hasten müssen, noch durch Verschlepper außer Atem geraten.

Extras bietet diese DVD nicht wirklich. Mehrsprachige Menüversionen und Untertitel gehören mittlerweile zur Standartausführung jeder Veröffentlichung und ansonsten ist nach gut 80 Minuten Schluss. Im Booklet finden sich einige sehr interessante Informationen zu Werk und Version, sowie eine Auflistung der einzelnen Titel. Libretto gibt es keins. Oper pur sozusagen. Aber mit Sicherheit eine sehr lohnenswerte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Kritik von Daniel Röder,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gluck, Christoph Willibald: Orfeo ed Euridice

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
29.03.2005
83:00
1991
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
0807280041798
100 417


Cover vergössern

Gluck, Christoph Willibald


Cover vergössern

Dirigent(en):Haenchen, Hartmut
Orchester/Ensemble:Orchester des Royal Opera House
Interpret(en):Kowalski, Jochen
Webster, Gillian
Budd, Jeremy


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Daniel Röder:

  • Zur Kritik... Die dritte Hand: Und wer traut sich heutzutage, Liszts atemberaubend schwere und kunstvolle Transkriptionen aufzunehmen? Wer, wenn nicht Cyprien Katsaris? Weiter...
    (Daniel Röder, )
  • Zur Kritik... Im Auftrag des Herrn: Da donnert und kracht es in einem Moment, nur um danach beinahe unhörbar den nächsten Themen abschnitt noch ergreifender und expressiver erfahrbar zu machen. Weiter...
    (Daniel Röder, )
  • Zur Kritik... Mehr als Technik-Monster: Ob Olga Kern dem im Booklet oft zitierten Vergleich mit Vladimir Horowitz standhalten kann, wage ich zu bezweifeln. Aber sie hat ja auch noch eine Menge Zeit. Weiter...
    (Daniel Röder, )
blättern

Alle Kritiken von Daniel Röder...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Der jüngere Krieger in Vollendung: Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Ohne Ergänzungen: Schubert-Sinfonien vollständig und unvollendet – und (fast) ohne Fremdeingriffe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mehr Expertise geht kaum: Raluca Stirbat und Rudolf Leopold spielen George Enescus Werke für Klavier und Cello. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich