> > > Rossini, Gioacchino: Maometto II
Montag, 29. November 2021

Rossini, Gioacchino - Maometto II

Belcantofest aus dem Schwarzwald


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Im Ganzen ein funkelndes Belcantofest mit Rossini aus dem Schwarzwald.

Hand aufs Herz! Schon mal gehört von einer Oper Rossinis mit dem Titel ‘Maometto II’?

Das für Neapel geschriebene Werk gilt als seine bedeutendst Reformoper. Das Publikum in Neapel war seinerzeit so fortschrittlich und die musikalischen Voraussetzungen so glänzend, dass Rossini hier den Ort fand, an dem er seine Reformideen ausprobieren konnte. Das tat er erfolgreich 1815 mit ‘Elisabetta’ und ein Jahr darauf mit seinem ‘Otello’ – Mord und Selbstmord auf offener Bühne – damals nicht unumstritten. Unter den zwischen 1815 und 1822 entstandenen ‘ernsten Opern’ gilt eben ‘Maometto II’ als die bedeutendste. Dies und viele weitere interessante und wesentliche Informationen zum Werk finden sich in einem sehr gut lesbaren Aufsatz von Reto Müller im Booklet der Aufnahme des Werkes bei Naxos. Aufgenommen wurde das Werk 2002 von Deutschland Radio Berlin beim Festival Rossini in Bad Wildbad, der Meister hatte hier 1856 sehr erfolgreich gekurt, das Festival unter Intendant Jochen Schönleber widmet sich vor allem dem unbekannten Rossini, kontrastiert von Konzerten zeitgenössischer Musik, und erlebt in diesem Jahr seine 17. Auflage. Wir haben die Freude, dass eine musikalisch höchst reizvolle Aufnahme vorliegt, die ob ihres Lifecharakters authentisch wirkt, und zudem darauf aufmerksam macht, welche Schätze es beim Belcantofestival im Deutschen Schwarzwald zu entdecken gilt.       

Noch einmal zu Reto Müllers Aufsatz, dessen Titel ‘Maometto II (von Neapel nach Venedig)’ ahnen lässt, dass es sich hier nicht um die Fassung der Uraufführung von 1820 in Neapel, sondern um die Aufführung die Fassung, die Rossini für Venedig schrieb, handelt. Im Dezember 1822 kam das Stück hier zur Aufführung. Eine Erfolgsgeschichte begann damit nicht, schon in Neapel war das Publikum zurückhaltend. Über die Feinheiten der unterschiedlichen Fassungen finden wir aufschlussreiche Passagen im genannten Aufsatz, dazu gibt es im Booklet eine knappe werkgeschichtliche Notiz von Jochen Schönleber.

Das Werk überrascht zunächst mit einer ausladenden Ouvertüre, ‘Sinfonia: Maestoso-Allegro’, dem eine ergreifende Chorszene mit Solistenensemble folgt. Überhaupt ein Stück ungewöhnlich melodischer Ensembles, die Virtuosität – dem Stoff angemessen – nicht in der Geläufigkeit flinker Kehlen allein, sondern stärker der Handlung geschuldet, auch wenn Rossini nach bewährter Art, für die venezianische Fassung ein lieto fine schuf und für das verträglichere Happy end das Rondó ‘Tanti affeti’ aus ‘La Donna dell Lago’ verwendete, das von Luisa Islam-Ali-Zade mit bezauberndem erregtem Vibrieren in der Stimme dargeboten wird. Musikalisch macht die vorliegende Aufnahme viel Freude.

Da ist zunächst der ausgezeichnete Chor der Tschechischen Philharmonie, einstudiert von Jan Ocetek. Die Chemie zwischen Chor und Orchester, den Tschechischen Kammersolisten aus Brno und dem australischen Dirigenten Brad Cohen stimmt. Cohen ist ein flotter Anwalt Rossinis, er führt das Ensemble immer wieder zu Bravour und Dramatik, es gibt so brillante wie glutvolle Szenen und – soweit das Rossini zulässt – tragische, tief empfundene, Momente. Zudem kann diese Aufnahme mit einem fast ausnahmslos überzeugenden bis begeisternden Solistenensemble aufwarten. Massimiliano Barbolini, ein junger Tenor, als Paolo Erisso bleibt etwas steif und in der Höhe gewöhnungsbedürftig. Luisa Islam-Ali-Zade, seine Tochter Anna hingegen, mit ihrem äußerst beweglichen, leuchtenden und substanzreichen Mezzosopran, bereitet große Hörgenüsse. Die Genüsse dieser Aufnahe erfahren noch eine Steigerung, wenn Anna-Rita Gemmabella ihren wundervollen, runden und vollen Contraalt strömen lässt oder in dramatischer Attacke Funken schlagen lässt und Glut entfacht, wie man es von ihr als Calbo, einem venezianischen General, erwarten kann. Besondere Klangdelikatessen sind die raffinierten musikalischen Verschwörungen der beiden Frauenstimmen.

Denis Sedov, in der Titelrolle, kann mit recht fülligem Bass aufwarten, kernig im Klang, mit ausgeglichener Präsenz in der Durchmessung von Höhen und Tiefen und Behändigkeit in Koloraturen und flinken Läufen.
Im Ganzen ein funkelndes Belcantofest mit Rossini aus dem Schwarzwald.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioacchino: Maometto II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
3
04.10.2004
Medium:
EAN:

CD
0730099614924


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Rossini, Gioacchino


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Dirigent(en):Ocetek, Jan
Cohen, Brad
Matyás, Ivan
Interpret(en):Sedov, Denis
Gemmabella, Anna-Rita
Barbolini, Massimiliano
Gobbi, Antonio de
Ruta, Cesare
Islam-Ali-Zade, Luisa


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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