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Montag, 19. August 2019

Schönberg, Arnold - Gurre-Lieder

Expressionistisches vom Zwölftoner


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die instrumentalen Leistungen bieten für Kritik nur wenige Ansatzpunkte, die Interpretationen der Solisten bieten manch Eigenwilligkeiten über welche man geteilter Meinung sein kann.

Die Gurrelieder Schönbergs stellen ein Werk dar, welches durch innere Vielfalt und Formenreichtum zur eingehenden Auseinandersetzung einlädt. Die Vertonung der Geschichte von König Waldemar und seiner Geliebten Tove sowie deren Ermordung durch die Königin nahm bis zu ihrer endgültigen Form über zehn Jahre in Anspruch. Sie wurde zu einem Zeitpunkt vollendet, an dem sich ihr Urheber in musikalischer und weltanschaulicher Hinsicht weiterentwickelt hatte.

Enorme Besetzung

Die Handlung des Stückes wird hauptsächlich vom Text getragen, der riesige Apparat, welcher zur Begleitung dient, kommentiert in verschiedenen Präludien und zahlreichen Zwischenspielen die Geschehnisse. Ein Sprecher, fünf Gesangssolisten, drei vierstimmige Männerchöre, ein achtstimmiger gemischter Chor und ein Orchester, welches je zwei Dutzend Holz- und Blechbläser, eine eigene Schlagzeugsektion und eine entsprechende Anzahl Streicher aufweist, sind für diese Komposition erforderlich. Die Geschichte aus tiefer Leidenschaft, Tragik und Verzweiflung spannt einen weiten Bogen über diese märchenhaft anmutende Erzählung.

Überzeugende Interpretation

Im ersten Vorspiel wirkt die Musik bereits warm und strömend. Es ist, als wolle sie etwas erzählen und im Zuhörer Erwartungen und Fragen auf das kommende Geschehen wachrufen. Der Tenor Stephen O´Mara verfügt über ausreichende Bühnenerfahrung, um die Rolle des Waldemar routiniert und ansprechend zu singen. Die Textverständlichkeit ist gut, seine Intonation von großer Sicherheit. Gefühlvolles Piano für ruhige Passagen und ein klanglich sauberes, voluminöses Forte für die Teile mit Orchester zeichnen seinen Vortrag aus. Es liegt etwas Verklärtes, Wehmütiges in seiner Schilderung der Heimkehr.
Das Philharmonia Orchestra präsentiert sich als stimmiger Klangkörper, welcher die zahlreichen Stimmungen und Erzählungen mit solider Technik und feinem Gespür beim Untermalen der jeweiligen textlichen Inhalte zu interpretieren und zu verstärken weiß. Melanie Diener kann mit ihrer gesanglichen Darbietung der Tove ebenfalls überzeugen. Saubere Intonation und Dynamik vereinen sich mit ansprechendem Timbre. Dass die beiden Solostimmen gegenüber dem Orchesterapparat die Textverständlichkeit nicht immer wahren können kann mit Nachsicht behandelt werden Die Stimme der Waldtaube erklingt mit der Mezzosopranstimme von Jennifer Lane. Die Stelle an welcher der Tod von Tove verkündet wird ist von düsterer Stimmung überschattet. Diese wird von ihr seht gut vermittelt.

Zu Beginn der zweiten CD hadert Waldemar mit seinem Schöpfer. ‘Herrgott , weißt du was du tatest’. In diesem Stück ebenso wie im anschließenden ‘Erwachet, König Waldemars Mannen Wert!’ ziehen Dirigent und Orchester ebenso wie die Sänger alle Register ihres Könnens. Der sonore und kräftige Bass von David Wilson-Johnson verleiht der Interpretation zusätzliche Würze durch unbefangenen und spontanen Gesang. Die Beschreibung der Armee welche aus den Gräbern steigt ist im Orchester sehr expressiv gehalten.
Der Tenor Martyn Hill singt den Klaus-Narr. ‘Ein seltsamer Vogel ist so´n Aal’. Seine Stimme ertönt sehr klar und mit intensivem Ausdruck. Sie fällt auf durch ihren mehr lyrischen als dramatischen Charakter. Deutlich aus dem Rahmen fällt die Stimme des Sprechers Ernst Haeflinger im ‘Des Sommerwindes frische Jagd’. Sie ist zu kehlig um den Reiz dieser Zeilen auszuloten.

Die instrumentalen Abschnitte

Die Interludien kommentieren die Handlung indem sie das melodische und thematische Material auf vielfältige Weise orchestral verarbeiten. Dabei sind strahlende Tutti, welche unmittelbar in sanft bewegte Streicher einleiten, ebenso anzureffen wie durcheinander wirbelnde Instrumentalgruppen auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner. Die Interpretation des Klangkörpers ist gut strukturiert und wird trotz der Länge des Stückes gekonnt zusammengehalten.
Insgesamt liegt eine dem Charakter dieses Werkes gerecht werdende und gelungene Einspielung vor. Die instrumentalen Leistungen bieten für Kritik nur wenige Ansatzpunkte, die Interpretationen der Solisten bieten manch Eigenwilligkeiten über welche man geteilter Meinung sein kann. Sie sind jedoch geeignet, die Möglichkeiten welche in dieser Komposition stecken anschaulich vor Augen zu führen.
Das Booklet bietet auf zehn Seiten einen englischen und deutschen Einführungstext über die Entstehung der Gurre-Lieder und deren Platz im Schaffen Schönbergs. Nur in Englisch sind kurze Biographien der Sänger, des Dirigenten und eine Beschreibung des Orchesters gegeben. Auf den sicherlich notwendigen Liedtext wurde verzichtet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Kofler,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schönberg, Arnold: Gurre-Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
08.11.2004
Medium:
EAN:

CD
0747313251827


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Schönberg, Arnold


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Dirigent(en):Craft, Robert
Orchester/Ensemble:Philharmonia Orchestra
Interpret(en):O'Mara, Stephen
Diener, Melanie
Lane, Jennifer
Wilson-Johnson, David
Hill, Martyn
Haefliger, Ernst


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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