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Montag, 29. November 2021

Bruch, Max - Scottish Fantasy Serenade

Qualitätsgefälle bei Bruch


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wo Max Bruch ist, da ist sein 1. Violinkonzert nicht weit. Das vielgespielte Werk allein bewahrt den Namen des Komponisten davor, völlig in Vergessenheit zu geraten. Ob zu Recht oder Unrecht, darüber mag man sich streiten – fest steht, daß jedes Konzertprogramm, auf dem Bruch mit einem anderen Werk verzeichnet ist, als echte Rarität gelten darf. Etwas umfassender ist das Schaffen des Komponisten auf Tonträgern dokumentiert: Dort findet man neben der Kammermusik und den Oratorien, für die Bruch seinerzeit gefeiert wurde, auch die anderen Werke für Violine und Orchester. Bruch schrieb nach dem Erfolg seines ersten Konzertes noch zwei weitere Konzerte, daneben die ‚Schottische Fantasie‘ op. 46 und die Serenade op. 75, ohne mit einem dieser Werke an seinen ersten großen Wurf heranzureichen. Die beiden letztgenannten Werke hat Maxim Fedotov zusammen mit dem russischen philharmonischen Orchester Moskau unter Dmitry Yablonsky bei Naxos eingespielt. Beide Schöpfungen wahren den schlichten, romantischen Tonfall, durch den sich Bruch zeitlebens zu seinem Vorbild Mendelssohn bekannte.

Die Pablo de Sarasate gewidmete Fantasie ist fünfteilig, im Finalsatz verarbeitete Bruch eine traditionelle schottische Volksweise. Auch sonst ist das Werk von schottischen Klängen (oder dem, was man im 19. Jahrhundert dafür hielt) durchzogen, der Weg zu Mendelssohns 3. Symphonie (der ‚Schottischen‘) ist nicht weit. Langsam und geheimnisvoll entfaltet sich die ‚Introduktion‘, die wie das folgende ‚Adagio cantabile‘ weniger die Virtuosität als die Tonschönheit des Solisten fordert. Kein Problem für Fedotov, der über beides verfügt: In den ersten beiden Abschnitten kann er sehnsuchtsvoll schwelgen, im folgenden ‚Allegro‘-Teil in die geigerische Trickkiste greifen. Richtig virtuos wird es aber erst im Finale, dem längsten und wohl auch gelungensten Abschnitt des Werkes. Yablonsky vermittelt die zahlreichen Tempowechsel geschickt und gibt dem Orchester stets nur so viel Freiraum, daß die ungehinderte Entfaltung des Solisten nicht beeinträchtigt wird. Der Klang der Aufnahme ist leider etwas hallig.

Ursprünglich als viertes Violinkonzert geplant war die Serenade, deren vier Sätze entfernt an die Satzfolge einer Symphonie erinnern. Den Auftakt bildet allerdings kein schnelles ‚Allegro‘, sondern ein verhaltenes ‚Andante con moto‘, in dem auch die beste Interpretation nicht ganz kaschieren kann, daß Bruch zu diesem Zeitpunkt seiner Laufbahn die Inspiration weitgehend ausgegangen war. Fedotov und Yablonsky geben sich Mühe, können aber bestenfalls dem ‚Notturno‘ noch hörenswerte Passagen abgewinnen. Im Übrigen ist die Serenade deutlich schwächer als die ‚Schottische Fantasie‘; gewann diese noch ihren Reiz aus dem schottischen Flair und der bisweilen hervortretenden Harfe, so ist das spätere Werk bestenfalls solider Durchschnitt seiner Zeit. Dabei geht es nicht um die Frage, ob der Komponist rückwärtsgewandte oder nicht zeitgemäße Musik schrieb, sondern nur um deren Qualität. Und die läßt in diesem Fall zu wünschen übrig. Die Ausführenden tragen daran natürlich keine Schuld.

Wem aber das erste Violinkonzert Bruchs gefällt, der könnte diese CD trotzdem ins Herz schließen. Fedotov gelingt vor allem in der ‚Schottischen Fantasie‘ eine überzeugende Interpretation, die nur klanglich leichte Schwächen aufweist. Die Einspielung der Serenade hat dagegen eher dokumentarischen Wert, das Werk ist Wasser auf den Mühlen all jener Bruch-Kritiker, die im Komponisten einen zweitklassigen Epigonen sehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruch, Max: Scottish Fantasy Serenade

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
04.10.2004
Medium:
EAN:

CD
0747313239528


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Bruch, Max


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Dirigent(en):Yablonsky, Dmitry
Orchester/Ensemble:Russian Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Fedotov, Maxim


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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