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Dienstag, 29. November 2022

Saint-Saens, Camille - Suite algérienne

Bunte Farben schillern


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Kein Nepp, sondern eine CD zum Zugreifen und das in wirklich ansprechender Qualität.

Geht es Ihnen manchmal auch so?: Sie sehen irgendwo ein Produkt, einen Künstler, ein neues Automodell - und dann taucht dies plötzlich überall auf; auf Werbeflächen, im Fernsehen, im Radio, auf dem Podium oder auf der Straße. So geht es mir gerade mit dem Orchester der italienischen Schweiz. Zuerst bekomme ich eine CD mit Werken von Raff auf meinen Schreibtisch - dieses Orchester. Dann folgte die vorliegende Chandos-Aufnahme mit Werken von Saint-Saens - dieses Orchester. Und wenige Tage später sah ich den Klangkörper auf einer Naxos-Platte (Cherubini: Requiem). Nun ja! Das Orchester scheint neuerdings einen recht fleißigen Manager zu haben. Denn was an Orchestern bisher über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus bekannt wurde, hielt sich in Grenzen. Da gab es natürlich das berühmte Orchestre de la Suisse Romande, das mit und unter Ernest Ansermet berühmt wurde. Und in den letzten Jahren kamen dann ja noch die Zürcher. Zwar kann das Swiss Italian Orchestra mit den Kollegen aus Zürich nicht immer mithalten, doch rechtfertigt geschickte Repertoirewahl die aktuellen Einspielungen der Schweizer allemal. Denn wie viele No-Name-Orchester nehmen noch immer Beethovens Sinfonien auf?

Für die vorliegende CD hat man sich für Saint-Saens Suite algérienne und den humoristischen Einakter La Princesse jaune entschieden. Gleich die Algerische Suite kommt äußerst differenziert daher. Francis Travis am Dirgentenpult läßt bunte Farben schillern, gliedert die Dynamik geschickt und auf kleinsten Räumen. Etwas lieblos und unsauber klingen jedoch die Violinen zum Schluss des Prélude. Im zweiten Satz - der kontrapunktischen Maurischen Rhapsodie - geht es punktgenau zur Sache; große Disziplin gepaart mit klanglicher Opulenz. Schön, wie hier auch mal die Tuba aus breiigem Sumpf auf ein kleines, lichtes Podest gehoben wird. Einziges - aber unbeeinflussbares - Pech dieser Aufnahme: Den letzten Satz der Suite - den Marche militaire francaise - hat 1959 der begnadete Paul Paray mit seinen Symphonikern aus Detroit eingespielt (Mercury Living Presence, 434 332-2). Und vor diesem interpretatorischen Hintergrund sieht jeder andere Dirigent einfach leichenblass aus; auch Francis Travis - obwohl er seine Schweizer zu schnittigem Marschtempo anspornt. Bei Paray war das seinerzeit indes ein Sprint (Francis: 4:16" / Paray: 3:43")! Aber genau hier mag man das verzeihen, weil Paray lediglich den Einzelsatz Travis jedoch die gesamte Suite eingespielt hat. Da ist dann wieder das Überzeugende der eingangs schon erwähnten geschickten Repertoirewahl, die sich mit La Princesse jaune (Die gelbe Prinzessin) auf der CD fortsetzt.

Saint-Saens komische, einaktige Oper(ette) ist gespickt mit Orientalismen, überaus genial instrumentiert und zum Schwärmen übersättigt mit schönen Melodien. Die nur zwei beteiligten Protagonisten und der Chor meistern ihre Aufgaben hervorragend. Maria Constanza Nocentini gibt bravourös die verliebte Léna. Ihre leichte, flexible Stimme möchte man wirklich noch häufiger hören. Sie kann so vieles: Enttäuscht und hassend verfluchen, schüchtern und wie ein verliebter Backfisch seufzen. Beides nimmt man ihr ab.

Wie es bei Tenören so ist, läßt sich an Carlo Allemano als Kornélis herummäkeln. Seine Höhe ist etwa wackelig, sein Vibrato nicht immer bis auf das i-Tüpfelchen ausgeglichen. Doch: Vergisst man einmal Björling, Thill, Gigli, Bergonzi, Pavarotti sowie Domingo und denkt an den hochgejubelten José Cura, dann soll Allemano bitteschön auch noch eine große Karriere machen; vorzugsweise im französischen Fach.

Für eine Live-Aufnahme befinden sich Orchester und Sänger in hervorragendem Einklang. Da geht so gut wie nichts daneben.

Die Verarbeitung der CD ist wunderbar. Booklet und Libretto sind dreisprachig verfasst. Mit 63 Minuten und 37 Sekunden ist die Scheibe zudem gut bespielt. Kein Nepp, sondern eine CD zum Zugreifen - zumindest für all die Musikfreunde, die weniger Bekanntes entdecken wollen; und das in wirklich ansprechender Qualität.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Suite algérienne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Chandos
1
15.09.2000
01:03:37
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0095115983720
CHAN 9837

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Saint-Saens, Camille


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Dirigent(en):Travis, Francis
Orchester/Ensemble:Swiss Italian Orchestra
Interpret(en):Nocentini, Maria Costanza (soprano)
Allemano, Carlo Vincenzo (tenor)


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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