> > > Donizetti, Gaetano: Un Italien à Paris - duos & mélodies
Sonntag, 15. September 2019

Donizetti, Gaetano - Un Italien à Paris - duos & mélodies

Ein Italiener in Paris


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass die Ergebnisse dabei verblüffendes hervorzubringen vermögen, lässt jetzt eine kurzweilige, höchst empfehlenswerte CD des kleinen aber feinen Schweizer Labels Alpha erahnen.

Paris, die Stadt der Künste im 19. Jahrhundert, übte Anziehungskräfte auf alle Künstler aus: Maler, Bildhauer, Dichter, Komponisten. Auch die ganz großen kamen, um in Paris zu reüssieren, als sie andernorts schon längst erfolgreich waren. Von den großen Komponistennamen gehören Cherubini und Rossini dazu, Bellini und Verdi. Aber auch Gaetano Donizetti arbeitet an insgesamt zehn großen Projekten für Pariser Bühnen. Vor kurzem noch machte die französische Fassung seiner ‘Lucia di Lammermoor’ von sich reden. ‘La fille du régiment’ (1840) und ‘Don Pasquale’ (1843), beide für Paris geschrieben, gehören bis heute zu seinen erfolgreichsten Opern.

Doch daneben entstand auch anderes. Werke für die gehobene Pariser Gesellschaft, für den Salon. Lange hat man die Bedeutung von Literatur und Musik im bürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts unterschätzt, als Gelegenheitsarbeiten abgetan. Tatsache ist jedoch, dass hier so mancher Künstler den entscheidenden Schritt hin zu einer großen Karriere tun konnte - und so wäre es verfehlt anzunehmen, die für den Salon entstandenen Werke wären hauptsächlich gefällige Nebenprodukte. Das mag für einige wohl gelten, doch man stelle sich vor welchen Wert ein Komponist seinen Werken beimisst, die über seine mögliche Zukunft mitentscheiden mögen. Etwas anders liegt das im Falle des bereits in Italien erfolgreichen Donizetti, als er sich in den 1830ern in die Pariser Salons begibt und kleine Werke verfasst, die den Erwartungen und Ansprüchen dieser Kreise genügen soll.

Rossini, der seinen Wohnsitz nach Paris verlegt hatte, hatte 1835 mit seinen ‘Soirées musicales’ eine vielbeachtete und wirkungsmächtige Sammlung von Liedern und Duetten vorgelegt, das rasch zum Modell für ähnliche Projekte avancierte. Bereits ein Jahr später veröffentlichte Mercadante seine ‘Soirées italiennes’ (nachzuhören auf einer CD des Labels Opera Rara), die nicht nur im Titel Bezug zu Rossinis Zyklus nehmen. Vieles dieser Jahre ist noch unerforscht, die Quellen sind kaum gesichtet, die meisten dieser Werke sind seit damals kaum mehr erklungen. Wird man je ernsthaft an der Rekonstruktion des musikalischen Lebens im Paris des 19. Jahrhunderts interessiert sein, so wird man die Öffentlichkeitswirkung jener Oeuvre nicht übergehen können.

Donizetti en miniature

Dass die Ergebnisse dabei verblüffendes hervorzubringen vermögen, lässt jetzt eine kurzweilige, höchst empfehlenswerte CD des kleinen aber feinen Schweizer Labels Alpha erahnen. Dort hat man sich 19 Duetten und Liedern Donizettis aus verschiedenen Sammlungen angenommen, die im Umkreis der Pariser Salonkultur auf französische und italienische Texte entstanden sind. Kleine, wundervolle Entdeckungen, die die Meisterschaft in Melodieführung, Begleitung und Stimmbehandlung Donizettis nachdrücklich bestätigen. Kunstvoll bedient Donizetti darin die gängigen Genres, von der Romanze über volksliednahe Formen bis hin zum kunstfertigen Duettgesang sich verschränkender Frauenstimmen. Virtuose Cabalettas stehen neben nächtlichen Liebesbekundungen, eine lebendige Barcarole neben der orientalisch angehauten Ballade. Doch so sehr Donizetti auch den Modegeschmack bedient, seine musikalische Handschrift bleibt unverwechselbar, stets originell und seinen Sängerinnen maßgerecht in die Kehle geschrieben.

Mit Sophie Marin-Degor (Sopran) und Claire Brua (Mezzosopran) hat die vorliegende Aufnahme zudem nicht nur zwei Sängerinnen der jüngeren Generation gewinnen können, die schon mehrfach auf sich aufmerksam gemacht haben, sondern auch zwei, deren Stimmen wunderbar aufeinander abgestimmt sind. Das Vergnügen, das sie mit den Mélodies und Duetten haben überträgt sich beim Hören unmittelbar. Musizierfreude pur! Dabei gerät jedes Stück zur individuellen Miniatur: mit großer gestalterischer Abwechslung - und auch einer Prise Humor - gestalten sie die Lieder individuell, lassen ihre Stimmen vor Sinnlichkeit erglühen, gehen technisch anspruchsvolle Passagen mit Leichtigkeit an und bezaubern mit großer Ausstrahlung. Vokale Brillanz, die besonders in den sechs abschließenden Duetten der CD zu Höchstform aufläuft.
Und Serge Cyferstein, ein Spezialist für französische Mélodies, ist ihnen ein kongenialer, sensibler Begleiter, mit großem Einfühlungsvermögen in die Singstimmen. All das läßt sich besser nicht denken!

Das beiliegende Booklet bietet die Gesangstexte im Original, sowie in englischen und französischen Übersetzungen. Den französischsprachigen Einführungstext von Damien Colas gibt es noch in englisch. Aufnahmetechnisch ist die Produktion einwandfrei, lässt den Singstimmen dynamische Entfaltungsmöglichkeiten und überzeugt mit einer gelungenen Balance der Klavierstimme. - Die gute Stunde, die diese CD dauert, geht schnell vorüber.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Uwe  Schneider Kritik von Uwe Schneider,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: Un Italien à Paris - duos & mélodies

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
01.04.2005
Medium:
EAN:

CD
3760014190704


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Donizetti, Gaetano


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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