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Dienstag, 12. November 2019

Great Stars of Opera - Live in Concert

Pleiten, Pech und Pannen


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fazit: Die 22,99 ?, die für die DVD im Handel verlangt werden, kann man sich getrost sparen.

Mag man den hochtrabenden Worten des Booklets Glauben schenken, so handelt es sich bei dieser 2005 bei Euro Arts erschienenen DVD mit Highlights aus den Dresden Opera Nights 1998 bis 2000 um ‚eine Zusammenfassung der Höhepunkte’. Leider wird nicht spezifiziert, ob damit positive oder negative Glanzlichter gemeint sind. Ich plädiere für Letzteres.

1998 wird unter der Leitung des wahrlich deutschen Maestro Roland Seiffarth musiziert, der zweifelsohne am Pult des Prager Symphonieorchesters kein leichtes Dasein fristet. In teutonischer Manier wird die Ouvertüre zu Johann Straußs ‚Fledermaus’ angespielt, wobei selbige des berühmten Wiener Schmähs komplett entbehrt. Arge Intonationsdivergenzen in den Streichern an besonders subtilen Stellen bieten schon einen ersten Vorgeschmack auf das, was im Laufe des Abends noch folgen sollte. Die beiden auserwählten Paradepferde dieser Gala sind Agnes Baltsa und Neil Shicoff. Baltsa – deren Mezzo laut Booklet ‚über Jahrzehnte hinweg unverbraucht erhalten’ sei - zeigt eine eher peinliche Darbietung: große Probleme im Registerwechsel, gewalttätige Brusttöne, geschmierte Koloraturen und Geschrei bei den Spitzentönen. Schon bei der ‚Italiana in Algeri’ wird das Publikum mit emotionsloser Interpretation, marschartiger Begleitung und völlig verpatzter Schlusskadenz beglückt.

Neil Shicoff versucht sich wie so oft im dramatischen Fach – ohne Erfolg. Des Weiteren finden sich Glanzpunkte von Gunther Emmerlich (Probleme mit Phrasierung und Diktion) und Deborah Sasson (schrill, mit penetrant amerikanischem Akzent, flache Höhe, keine Tiefe, schlechte Intonation). Einzig überzeugend sind in dieser Dresdner Opernnacht die Sopranistin Sandra Schwarzhaupt (auch wenn die penetrante Art, Töne von unten anzusingen nicht immer stilistisch adäquat ist) und Kurt Rydl. Und wenn wir schon beim Grand Prix der Peinlichkeiten sind: Da soll die Zugabe nicht aus dem Rahmen fallen: das Brindisi aus Verdis ‚La Traviata’ muss ja des Öfteren für derartige Späße herhalten. Hier wird einfach jedem Beteiligten eine Phrase aufgebrummt, die dann auch mit gezwungener Fröhlichkeit nach dem Motto ‚Hauptsache lauter als die anderen’ vorgetragen wird.

1999 ist nicht viel besser. Das Prager Symphonieorchester wurde durch das Filmorchester Babelsberg ersetzt, welches um einiges präziser und freudiger seiner Aufgabe nachkommt, als die Kollegen im Vorjahr. Dann kommt allerdings Neil Shicoff in sämtlichen Partien, die nicht für ihn passen: Cavaradossi und Don José. Bedenklich wird dem Zuhörer angesichts der vielen stimmtechnischen Probleme zumute: kein fraseggio, Probleme in den Registerwechseln, Diktionsprobleme im Französischen und Italienischen. Hier und da raubt er sich einen Atemzug an den unpassendsten Stellen. Und wieder betritt Deborah Sasson das Parkett wie eine Parodie ihrer selbst und bringt das Publikum mit ihrem starken englischen Akzent zum Schmunzeln. Statt Agnes Baltsa steht diesmal Ana Tomowa-Sintow auf der Bühne. Ihr gelingt es zum ersten Mal, auf dieser DVD etwas Spannung verspüren zu lassen.

Das dritte und letzte vertretene Jahr, 2000, steht unter einem besseren Stern, da diesmal Oleg Caetani den Dirigentenstab in der Hand hält, und mit mehr Brio und Präsenz durchs Programm führt. Es sind diesmal auch einige recht gute Auslegungen dabei (auch wenn sie an Interpretationen der großen Stars der 70er Jahre nicht heranreichen). So etwa Daniela Barcellona als Rosina und Carmen (doch eine etwas zu multifunktionale Rollenkombination, wenn man es recht bedenken will), Vincenzo La Scola als Calaf oder Lucia Aliberti. Als Top-Draufgabe wird noch Schrammels ‚Wien bleibt Wien’ gegeben, und dann legt der gequälte Zuseher erleichtert die Fernbedienung aus der Hand.

Fazit: Die 22,99 €, die für die DVD im Handel verlangt werden, kann man sich getrost sparen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:





Kritik von Eva-Aurelia Gehrer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Great Stars of Opera: Live in Concert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
07.03.2005
Medium:
EAN:

DVD
0880242540287


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Bizet, Georges
Bock, Jerry
Catalani, Alfredo
Cilea, Francesco
Lehár, Franz
Mozart, Wolfgang Amadeus
Puccini, Giacomo
Rossini, Gioacchino
Strauß, jun., Johann
Verdi, Giuseppe


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Interpret(en):Aliberti, Lucia
Sasson, Deborah
Rydl, Kurt
Marton, Eva
La Scola, Vincenzo
Hadley, Jerry
Emmerlich, Gunther
Barcellona, Daniela
Baltsa, Agnes
Schwarzhaupt, Sandra


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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