> > > Tschaikowsky, Peter: The Sleeping Beauty
Freitag, 25. September 2020

Tschaikowsky, Peter - The Sleeping Beauty

Schatz mit Schönheitsfehlern


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Margot Fonteyn ist eine Legende des klassischen Tanzes. Sie und Rudolf Nureyev waren das Traumpaar des Balletts des 20. Jahrhundert. In einem für eine Ballerina sehr fortgeschrittenem Alter von über 40 Jahren traf sie auf den blutjungen Russen, der nicht in die Sowjetunion zurückkehren wollte. Seitdem hatte sie ganz direkten Anteil an der Arbeit des genialen Russen, der den klassischen Tanz revolutionieren und zu neuer Blüte führen sollte. Sie war jedoch weit davon entfernt nur Medium seiner Kunst, nur Ausführende zu sein. Zusammen schufen die beiden, die auch privat in Freundschaft verbunden waren, etwas bis heute nicht wieder erreichtes: Perfektion und Harmonie nahe der Vollkommenheit, echten künstlerischen und formalen Dialog, sowie eine Schönheit und Reife, die bleibenden Charakter hat. Daran rüttelt auch die zunehmende Perfektion moderner Tänzer nicht.

Bombensicher

Als Fonteyn, die Muse Ashtons, ab 1962 begann, mit Nureyev zusammenzuarbeiten, konnte sie als Tänzerin bereits auf glänzende Jahrzehnte zurückschauen. Angelpunkt ihrer Laufbahn war seit Ende der 30er das Ballett Dornröschen von Tschaikowsky gewesen, das ihr die Möglichkeit gab, ihre besten Qualitäten zum Ausdruck zu bringen. Als Aurora faszinierte sie ihr Publikum durch jene betörende Anmut, die weiblich war und nichts von der skelettösen Model-Ästhetik hatte, der heutige Tänzerinnen unterliegen. Ihre lyrische Ausdrucksfähigkeit und jene filigran-damenhafte Erscheinung paarten sich in ihrer Kunst mit unvermittelter Ausdruckskraft, virtuoser Musikalität und einer bombensicheren Technik.

Schwarzweiß

Kein Wunder, dass das amerikanische Fernsehformat Producer’s Showcase, bei dem in den Nachkriegsjahren die Größten der klassischen Musik ein- und ausgingen, Margot Fonteyn für eine Aufzeichnung Ballettklassikers heranzog. Aber damit nicht genug. Ihr Prinz wurde von Michael Somes, damals einer ihrer besten Partner, verkörpert. Frederick Ashton, der gefeierte Choreograph, besorgte die Choreographie nach Marius Petipa und tanzte die böse Fee Carabosse als Travestie-Rolle.

Konzessionen

Leider ist die ursprünglich in Farbe aufgezeichnete Aufführung aus dem Jahre 1955 mit dem Sadler’s Wells Royal Ballet aus London nur noch in schwarzweiß erhalten. Dennoch kann die Entscheidung des Labels VAI, eine DVD des herausragenden Dokuments auf den Markt zu bringen, nur begrüßt werden. Daran ändern auch die Schwächen der Produktion wie Kürzungen, zahlreiche Konzessionen an den amerikanischen Geschmack, sowie die vielen offenbar für notwendig erachteten Verständnishilfen nichts. Die DVD bietet nicht nur die Gelegenheit, eine absolute Ausnahmekünstlerin in einer relativ frühen Phase ihrer Karriere kennenzulernen. Anhand der Choreographie Ashtons macht sie auch eine Auseinandersetzung mit der Arbeit ihres späteren Partners Nureyev möglich.
Im Vergleich zu der Arbeit Nureyevs ist Ashtons Choreographie weit von der psychologischen Gültigkeit des Russen entfernt. Die künstlerische Harmonie und die Kraft der Aussage, die Nureyev in den klassischen Balletten wiederbelebte, ist hier noch nicht erschlossen. Dafür ist der Herangehensweise Ashtons durch seine berühmte ‚englische‘ Eleganz und eine ausgesprochene Leichtigkeit geprägt, die den virtuosen Charakter des Tanzes betont. Die Wirkung seines Ansatzes offenbart sich in den Choreographien für Aurora und Florimund, die von den herausragenden Tänzern mit Leben gefüllt werden.

Trotz aller Schönheitsfehler also ein richtiger Schatz, den VAI nun einem breiten Publikum eröffnet. Da kann man auch die gewohnheitsmäßige Nachlässigkeit bei Booklet und Hüllenbeschriftung des Labels verschmerzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter: The Sleeping Beauty

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
21.02.2005
Medium:
EAN:

DVD
0089948429593


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Tschaikowsky, Peter


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Dirigent(en):Irving, Robert
Interpret(en):Fonteyn, Dame Margot
Somes, Michael
Grey, Dame Beryl
Ashton, Sir Frederick
Shaw, Brian
Jackson, Rowena


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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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