> > > Schönberg, Arnold: Piano Concerto
Sonntag, 25. Oktober 2020

Schönberg, Arnold - Piano Concerto

Triumph der Halbmoderne


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mögen Sie Schönberg? Wie kaum manch Andere spaltet er immer noch die Geister, die grandiosen Spannweiten seines Oeuvres spannen ihre Flügel von der Spätromantik bis in seine neu-kreierte Zwölftonmoderne – die man ja heute eigentlich nicht mehr als Moderne bezeichnen darf. Schönbergs Wunsch, dass man eines Tages seine zwölftönigen Melodien wie selbstverständlich auf der Straße pfeifen würde, harrt immer noch seiner Realisierung. Manche Träume jedoch werden nun von Chandos erfüllt, mit diesem eindringlichen, ja bisweilen angenehmen forschen Porträt wird zwei großen Orchesterwerken Schönbergs gehuldigt.

Zerreißend und tiefgründig

Schönbergs ’frühe’ Phase wird mit seinem ersten Orchesterwerk überhaupt vorgestellt, dem Tongedicht ’Pelleas und Melisande’ nach der bekannten Vorlage Maeterlincks. Niemand geringeres als Tondichtungsgroßmeister Richard Strauss hatte Schönberg zu diesem Stoff motiviert, wenn auch eigentlich in der Idee einer Oper. Schönberg jedoch widmete sich einer rein orchestralen Angehensweise, wie in anderen programmmusikalischen Werken des 19.Jahrhunderts nahm er die Stimmungen und Emotionen der Vorlage auf, ohne jedoch parallel zur Handlung zu vertonen (wie es beispielsweise bei Strauss u.a. oft der Fall war). Das Ergebnis ist eine beeindruckende, teils bedrückende Studie über das Schicksal der beiden Hauptcharaktere, ihre Liebe und die dunklen Atmosphären, die Matthias Bamert hier mit vollster Hingabe aus dem klangvollen Scottish National Orchestra zu locken vermag. Bamert leuchtet mit klugem Griff für sinfonische Zweideutigkeiten die Partitur aus, die Szenerien gelingen in ihren Schilderungen wie eine psychologische Sicht der Seele, ohne plakativ werden zu müssen branden die massiven, innerlich zerreißenden Höhepunkte gegen den Hörer. Derart versiert vom Orchester, eindringlich und doch zugleich mit dem nötigen Gespür für die musikalischen Strukturen werden Schönbergs ’Pelleas und Melisande’ zum fesselnden Ereignis – wenn schon nicht durch die Vorlage beglückend, so aber in der Darbietung.

Interessant, spannend, modern

Das erst 1944 uraufgeführte Klavierkonzert op.42 im zweiten Teil der CD spricht nun in der ganz anderen Sprache Schönbergs. Noch kompromissloser, noch exaltierter in den melodischen Ideen wirft Schönberg hier mit klassischen Klavierkonzertkonventionen um sich, um gleichzeitig neuartige der Moderne zu erschaffen. Die notwendigen organischen Aufbauten für diese schwierigen Entwicklungen gelingen dank Amalie Malling am Flügel und dem ausgezeichnet folgenden Danish National Symphony Orchestra unter Michael Schönwandt mit den nötigen Reibungen und Beeinflussungen, dass Interesse und Spannung durchweg gehalten werden – angesichts dieses komplexen Werks allein schon eine beachtliche Leistung. Das erste Hören verstört in manchen Passagen zu Recht, allzu oft geht man Schönberg und Dirigent Schönwandt noch auf den Leim und folgt gedanklich in andere Richtungen. Doch zusehends faszinieren die Wendungen, immer wieder Neues erkennt man in der spannenden Aufnahme, vor allem im teils säuselnden, teils donnernden und stets klug eingepassten Klavierspiel Mallings.

Der reizvolle Effekt dieser CD ist unleugbar, dass sie zusehends wächst und immer wieder neue Facetten offenbart. Viele werden eine Liszt’sche Tondichtung oder ein mal wieder abgespultes Klavierkonzert der Spätromantik mit Freuden liegen lassen und sich auf Schönbergs neue Reisen begeben, die trotz derselben Werke immer wieder in neue Welten entführen. Mann muss ja nicht gleich alles nachpfeifen können, ein großer Erfolg für Komponist und die herausragenden Interpreten ist es allemal!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schönberg, Arnold: Piano Concerto

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
01.04.2012
Medium:
EAN:

CD
0095115128527


Cover vergössern

Schönberg, Arnold


Cover vergössern

Dirigent(en):Bamert, Matthias
Schonwandt, Michael
Paling, Edwin
Orchester/Ensemble:Scottish National Orchestra
Danish National Symphony Orchestra/DR
Interpret(en):Malling, Amalie


Cover vergössern

Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Chandos:

  • Zur Kritik... Estnische Entdeckungen: Drei estnische Komponisten auf den Spuren der Romantik: Neeme Järvi und das Estnische Nationale Symphonieorchester überzeugen vor allem mit Werken von Mihkel Lüdig und Artur Lemba, weniger mit denjenigen von Artur Kapp. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Bad Boy of Music: In der BBC-Philharmonic-Serie mit US-amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts stellt das Label Chandos abermals George Antheil vor, mit seiner 'American' Symphonie Nr. 3 und weiteren Schlüsselwerken. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Nicht mit ganzem Einsatz: Eine Auswahl aus Matthias Bamerts Stokowski-Transkriptionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Chandos...

Weitere CD-Besprechungen von Alexander Gurdon:

  • Zur Kritik... Robert Simpsons unbekannte Sinfonik: Elf unbekannte Sinfonien ziehen den Hörer zu dieser CD-Box, doch neben den eindrucksvollen Interpreten wissen die Kompositionen nicht immer zu überzeugen. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
  • Zur Kritik... Charme und Staub: Zwei rare Konzertmitschnitte von Carl Schuricht belegen seine dirigentische Größe, ein umfangreicher Portraitfilm hingegen kommt nicht über den Status eines blassen Zeitdokuments hinaus. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
  • Zur Kritik... Grauen- und seelenvolle Quartette: Das St. Lawrence String Quartet widmet sich drei düsteren Streichquartetten Dmitrij Schostakowitschs, größtenteils mit Kraft und plastischem Schrecken, aber auch mit zu seltenen intimen Momenten. Weiter...
    (Alexander Gurdon, )
blättern

Alle Kritiken von Alexander Gurdon...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Komplexes Denken: Rolf Riehm erfrischt unsere Hörgewohnheiten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Ohne Theateraura: Eine gediegene historisch informierte Lesart von Beethovens berühmter selten zu hörender Schauspielmusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vier Bäche und die Sinfonie: Eine wahrhaft funkensprühende Konstellation, die das Controcorrente Orchestra wunderbar ausspielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leo Fall: Die Rose von Stambul

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich