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Mittwoch, 30. November 2022

A Shropshire Lad - Three song cycles to poems by a E. Houseman

Lyrik und Dramatik


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als A.E. Housman 1896 seine Gedichtsammlung ‘A Shropshire Lad’ veröffentlichte, war nicht abzusehen, dass die 63 Gedichte des Professors für Griechisch und Latein am Londoner University College, später in Cambridge tätig, sich neben den Werken von William Shakespeare und Robert Herrick zu einer der dankbarsten Quellen für englische Komponisten entwickelten. Zunächst war der Sammlung kein überragender Erfolg beschieden. Aber England befand sich am Anfang vom Ende des imperialen Traums und erst, als das Bewusstsein für das Zu Ende gehen einer Epoche des ländlich geprägten, idyllischen ‚Old England’ durch den Burenkrieg und den sich in den politischen Krisen eines sich auf den Ersten Weltkrieg hinsteuernden Europas verlierenden Gedanken des Empire geschärft wurde, fanden Housmans Gedichte ihre Leser und wurden zu einem Bestseller. Sie trafen in ihrer Pseudo-Balladenhaftigkeit und mit ihren universellen Themen wie Tod, Veränderlichkeit und Verlust einer alten Welt genau jenen Nerv der Zeit, der im Fieberwahn einer ungewissen Aufbruchstimmung generierte und sich zugleich an die gelebte Poesie eines idealisierten englischen Arkadien beharrlich, aber schließlich erfolglos klammerte. Sehr zum Missfallen des Dichters, der seine Lyrik dadurch verraten sah, folgten sehr bald die ersten Vertonungen von Gedichten aus ‚A Shropshire Lad’. Einen ersten bedeutenden Versuch, Housmans Verse in Musik zu setzen, machte bereits 1904 Sir Arthur Somervell und bald schon summierten sich weitere Vertonungen, was nicht verwundern sollte, enthalten Housmans Gedichte selbst schon sehr viel Musikalität durch den Einfluss der Simplizität der Lieder Shakespeares und die klaren Formen der Ballade. Sie sind emotional, melancholisch und in Form und Sprache klassisch elegant und einfach – und so geradezu prädestiniert für die Umsetzung in Musik. Butterworth, Orr, Ireland, Moeran, Horder, Berkeley und Barber haben Housmans Verse vertont. Aufnahmen von drei auf ‚A Shropshire Lad’ basierenden Liederzyklen von Ivor Gurney und Ralph Vaughan Williams hat Hyperion in seiner ‚Helios’-Reihe wiederveröffentlicht.

Französisches Fieber und englisches Volkslied

Als Ralph Vaughan Williams 1906 begann, seinen Liederzyklus ‚On Wenlock Edge’ zu komponieren, befand er sich in jener Phase seiner Laufbahn, in der das englische Volkslied eine prominente Rolle spielte. Dies tat es bereits seit 1893, als Vaughan Williams das Lied ‚Dives and Lazarzus’ hörte und fortan wusste, welchen Weg er einschlagen wollte nach den Jahren des Brahmsschen Einflusses (man höre Vaughan Williams’ Kammermusik der 1890er Jahre!). In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts sammelte Vaughan Williams etliche Volkslieder, was für seine Werke jener Zeit nicht folgenlos blieb, wo das eine oder andere Liedzitat auftaucht. Dem Komponisten fehlte nach eigenem Ermessen jedoch noch ein wenig kompositorischer Feinschliff, den er sich bei Maurice Ravel holen wollte. Das französische Fieber erfasste somit auch den begonnenen Liederzyklus ‚On Wenlock Edge’. 1909 zeitgleich mit den Arbeiten zur ‚Sea Symphony’ fertiggestellt zeigt, wenngleich auch das Volksliedidiom nie völlig abgelegt wird, das Werk doch deutliche Spuren des Einflusses von Ravel. Die Transparenz der Faktur in Streichquartett und Klavier ist durch atmosphärische Farbeffekte gegeben und doch hat der Liederzyklus ein symphonisches Gepräge. Zugleich ist die Vertonung der sechs Gedichte aus Housmans ‚A Shrophshire Lad’ von hoher dramatischer Intensität.
Der Tenor Adrian Thompson erweckt genau diese Intensität der Dramatik zum Leben. Seine helle, klare Stimme ist der Idealfall für die Interpretation dieser englischen Liedliteratur. Das schlanke Timbre durch ein nie aufdringliches, aber stets präsentes Vibrato modifiziert, sind es die dynamischen Feinabstufungen und eine Phrasierung voller dramatischer Intensität, mit denen Thompson die Qualitäten der Komposition unterstreicht und den instrumentalen Kontext nicht unberücksichtigt lässt. Das Delmé Quartet und Iain Burnside am Klavier steuern eine bei ‚On Wenlock Edge’ selten gehörte Subtilität der Klangfarbenpalette bei. Sie bewahren die Eigenständigkeit des instrumentalen Satzes, versehen ihn aber mit durchdringender Binnenspannung, die der dramatischen Anlage des Werks zugute kommt und die Balance zwischen Solist und Instrumentalisten harmonisch auslotet, ohne an Konturenschärfe und Eindringlichkeit zu verlieren.

Lyrisch und vokalbetont

Mit ‚The Western Playland’ und ‚Ludlow and Teme’ enthält die vorliegende Aufnahme zwei weitere Liederzyklen auf Gedichte aus Housmans ‚A Shropshire Lad’, die wie schon bei Vaughan Williams instrumental mit Streichquartett und Klavier besetzt sind. Geschaffen hat sie Ivor Gurney, eine fast tragische Figur der englischen Musikgeschichte. Zugleich als Dichter tätig, studierte er vor dem Ersten Weltkrieg bei Charles Stanford und meldete sich 1916 zum Kriegsdienst, aus dem er nach einem Gasangriff physisch und psychisch derangiert ausschied. 1919 bis 1921 studierte er bei Ralph Vaughan Williams und komponierte zum Großteil Lieder und Liederzyklen, bevor seine mentale Instabilität ihn nach mehreren Suizidversuchen dazu zwang, ab 1922 seine letzten Lebensjahre in Hospitälern zu verbringen. Er starb 1937. In seinen beiden Liederzyklen ‚The Western Playland’ (1918-21) und ‚Ludlow and Teme’ (1919/20) geht Gurney einen anderen Weg als Vaughan Williams. Seine Annäherung an Housmans Gedichte ist weder dramatisch noch symphonisch, vielmehr lyrisch, manchmal dem englischen Volksliedidiom nicht fern und in der Führung der Singstimme stark der Sprache und dem Text verpflichtet. Gewissermaßen auskomponierte Interpretationen der Worte der Gedichte.
Stephen Varcoes weicher und doch vollvolumiger Bariton entwickelt aus den acht Stücken von ‚The Western Playland’ stets eine stringente Melodielinienführung und profiliert so die geforderte Präferenz des gesungenen Textes. Den lyrischen Ton und die deutliche Artikulation im Verbund mit intensiver Phrasierung bringt Varcoe äußerst differenziert in eine organische Balance zur Begleitung. Die von Gurney fein ausgearbeiteten Stimmungsbilder werden vom Delmé Quartet und Iain Burnside am Klavier durchaus treffend konturiert und die harmonisch oft so intrikate Anlage entschieden in Faktur gebracht. Der dramatische Spannungsbogen fehlt auch hier ebenso wenig wie im abschließenden Liederzyklus ‚Ludlow and Teme’, den wiederum Adrian Thompson mit viel Feinsinn für artikulatorische Raffinesse und rhythmischer Prägnanz interpretiert. Hier wartet das Delmé Quartet mit subtil ausgespielten vibratoseligen Phrasen auf und Iain Burnside erweist sich als Spieler eines flexibel plastischen Tastenanschlags.

Die wiederveröffentlichten Aufnahmen des Jahres 1989 hätten klangtechnisch mehr Räumlichkeit und Tiefe verdient. Das Klangbild ist recht flach, wenngleich die Transparenz und die Balance zwischen Sängern und Instrumentalisten auch genügen mag, den Höreindruck nicht zu schmälern. Zudem liefert Der Booklet-Text von Michael Hurd fundierte Informationen über Werke und Verfasser.
Eine Bereicherung für den Sammler und den Plattenschrank.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    A Shropshire Lad: Three song cycles to poems by a E. Houseman

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
17.01.2005
Medium:
EAN:

CD
0034571151878


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Gurney, Ivor
Vaughan Williams, Ralph


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Interpret(en):Thompson, Adrian
Varcoe, Stephen
Burnside, Iain


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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