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Sonntag, 5. Dezember 2021

Rheinberger, Josef Gabriel - Complete Organ Works Vol.12

Rheinberger klangmächtig und intim


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Rheinberger-Edition von MDG ist eines der wichtigsten editorischen Großprojekte auf dem Gebiet der Orgelmusik in den letzten Jahrzehnten

Die zwölfte (und letzte?) Folge von Rudolf Innigs durchaus als epochal zu bezeichnender Gesamteinspielung von Josef Gabriel Rheinbergers immer noch vielfach unbekannten Orgelwerken folgt wiederum einem bewährten Programmkonzept: Zwei Orgelsonaten werden gepaart mit kleineren Werken unterschiedlicher Ausprägung vom romantischen Charakterstück bis zum streng kontrapunktischen Trio. Auch das Instrument ist nicht zum ersten Mal in der Reihe zu hören; es handelt sich um die mächtige Kuhn-Orgel der Stadtkirche St. Anton in Zürich, deren Besonderheit wohl darin liegt, dass sie zu einem mächtigen Plenum ebenso fähig ist wie zu zarten, intimen Farben. Die mächtigen Töne, der große romantische Orgelklang kommt vor allem in den Ecksätzen der beiden Sonaten zum Tragen, während deren Binnensätze jeweils Züge von Charakterstücken tragen – vor allem in der 20. Sonate mit dem Titel ‚Zur Friedensfeier’ mit den beiden intimen Mittelsätzen ‚Intermezzo’ und ‚Pastorale’. Eine echte Rarität ist die ‚Singmesse’, eine Folge von Sätzen zu katholischen Messliedern für den liturgischen Gebrauch. Romantische Leckerbissen voll blühender Melodik sind die Canzonetta WoO 26,4 und das Intermezzo WoO 26,4.

Rheinberger ernst genommen

Rudolf Innig ist ein idealer Interpret für Rheinberger; er verleiht den Präludien und Finali der Sonaten angemessene Majestät und post-barockes Pathos, baut geschmackvolle Rubati ein und lässt kontrapunktische Kunstfertigkeit deutlich zu Tage treten. Vor allem in den langsameren, intimeren Stücken vermag der Organist zu überzeugen: Nichts ist hier zu spüren von falsch verstandener Süßlichkeit, Innig nimmt Rheinberger immer ganz ernst und versteht es, die Qualitäten dieser Musik herauszuarbeiten. Mein persönlicher Favorit ist die schöne Pastorale aus der Sonate Nr. 20, ein besonders innig (...) empfundenes Stück. Die Liedsätze der ‚Singmesse’ sind bei aller Funktionalität echtester Rheinberger.

Editorisches Großprojekt von epochaler Bedeutung

Die Rheinberger-Edition von MDG ist eines der wichtigsten editorischen Großprojekte auf dem Gebiet der Orgelmusik in den letzten Jahrzehnten; einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat die exemplarische Aufmachung in Bezug auf Begleittexte, graphische Gestaltung und Informationsgehalt des Booklets. Detaillierte Registrierungsangabe fehlen etwa auch diesmal nicht. Für Orgelfans ist die ganze Reihe ein Muss, für interessierte, entdeckungsfreudige Hörer eine lohnende Investition!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rheinberger, Josef Gabriel: Complete Organ Works Vol.12

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
MDG
1
21.02.2005
79:24
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
760623090221
MDG 317 0902-2


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Rheinberger, Joseph


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Interpret(en):Innig, Rudolf


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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