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Donnerstag, 21. März 2019

Castelnuovo-Tedesco, Mario - The Well-Tempered Guitars

Eine Bach-Reverenz der besonderen Art


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dass sich insbesondere auch im 20. Jahrhundert viele Komponisten wieder auf den großen J. S. Bach berufen haben, dürfte kein Geheimnis sein. Dass als klangliches Ergebnis jedoch eine Sammlung von 24 Präludien und Fugen durch alle Dur – und Molltonarten dabei heraus kommt, und diese dann in überdeutlicher Anlehnung an Bach auch noch den Titel ‚Die wohltemperierten Gitarren’ erhält, dürfte eher die Ausnahme sein und darüber hinaus so manch anderem Bach-Verehrer als ‚Anmaßung’ sauer aufstoßen. Genau diese Ausnahme ist das Opus 199 des italienisch-amerikanischen Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968) für zwei Gitarren. Das umfangreiche Werk wurde bereits 1995/96 vom Duo Favori eingespielt und jetzt beim Label Tacet als sechste Folge der ‚Duo Favori Series’ auf einer Doppel-CD herausgebracht.

Mehr als eine simple Bach-Kopie?

In der Tonsprache Castelnuovo-Tedescos spielt Folklore eine große Rolle, und das merkt man auch der hier eingespielten Komposition durchaus an. Ferner ist die Musik in der klassischen Dur-Moll-Tonalität gehalten, was angesichts der Tatsache, dass der Komponist wie erwähnt alle Tonarten durchschreitet, ja auch kaum anders sein konnte. Castelnuovo-Tedesco geht im übrigen genau wie das Vorbild Bach, und nach ihm Komponisten ähnlicher Sammlungen wie etwa Chopin oder Schostakowitsch in ihren Préludes, systematisch vor, er wählt jedoch einen anderen, noch ‚unverbrauchten’ Weg. Für die Präludien wird zwar in erster Linie von bereits zu Bachs Zeiten bekannten Tanzformen wie Bourrée, Giga, Gavotte oder Menuett Gebrauch gemacht, aber auch jüngere Tänze wie etwa die Rumba werden dankbar aufgegriffen. Neben Zitaten aus fremden Werken zeigt sich damit deutlich Castelnuovo-Tedescos Einstellung, den reichen Fundus der Musikgeschichte in sein Schaffen einzubeziehen, und nicht mit Scheuklappen ausgestattet das einmal errungene Material im Sinne der Avantgarde streng weiterzuentwickeln. Ähnlich wie das große Vorbild verstand es der Komponist dabei, einerseits dem nach außen hin doch irgendwo eintönigen Projekt durch immer neue Charaktere und Färbungen die nötige Abwechslung angedeihen zu lassen, ohne dass anderseits jedoch das Gefühl eines roten Fadens in Form eines klar begrenzten Personalstils jemals verloren ginge.

Feine Interpretationen, gut aufgenommen und stimmig präsentiert

Die beiden Gitarristen des Duo Favori, Barbara Gräsle und Frank Armbruster, präsentieren sich als glänzend eingespieltes Paar und legen eine rundum überzeugende Deutung der ‚Wohltemperierten Gitarren’ vor. Das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel und die einwandfreie Intonation lassen die beiden zu lediglich einem Klangkörper verschmelzen. Die verschiedenen Stile und farblichen Schattierungen der Stücke werden von den beiden glaubhaft vermittelt; nachdenklich tiefe, aber auch heitere, eher virtuos-verspielte Passagen werden technisch stets auf hohem Niveau zum Leben erweckt. Jedem Satz scheint der gebührende Stellenwert eingeräumt worden zu sein, und ist vielleicht nicht zuletzt ein Grund, dass die Musik stets spannend bleibt und sich nicht im stets gleichen Ablauf von Präludium und Fuge abnutzt.
Die Aufnahmequalität ist ebenfalls sehr überzeugend. Der Klang ist natürlich und klar, das Klangbild äußerst präsent und ausgewogen. Durch die sinnfällige Ausnutzung der Möglichkeiten des Stereo, die Gitarren links und rechts zu platzieren, wird eine noch größere Durchsichtigkeit des Klangbilds erzielt. Das ab und an in erster Linie in den Pausen zwischen den Stücken leise durchzuhörende Vogelzwitschern unterstreicht eher die von der Musik verbreitete, überwiegend doch leichte und frische Atmosphäre, als dass es stören würde. Das Booklet führt mit einem kompakten Text aus der Feder von Frank Armbruster zwar gut in das Gesamtwerk ein, indem ein schöner Überblick gerade auch in Hinblick auf die ästhetische Positionierung gegeben wird, genauere analytische Details zu den einzelnen Sätzen wären jedoch auch nicht unwillkommen gewesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Castelnuovo-Tedesco, Mario: The Well-Tempered Guitars

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
2
15.03.2004
EAN:

4009850014102


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Castelnuovo - Tedesco, Mario


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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