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Sonntag, 29. März 2020

Beethoven, Ludwig van - Klaviersonaten ? Freddy Kempf

Sonaten-Express


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie ein moderner Intercity-Express zieht diese Aufnahme aus Schweden am Zuhörer vorbei - treibend, elegant, fassettenreich und gewaltig - musikalisch auf höchstem Niveau.

Der junge Pianist Freddy Kempf präsentiert auf dieser SACD drei der beliebtesten und meist interpretierten Klaviersonaten Beethovens – natürlich im Surround-Klang, wie es von einer SACD mittlerweile erwartet wird. Die Kombination dieser Stücke, obwohl von Beethoven selbst unbeabsichtigt, ist fast zu einem Standartprogramm geworden, das zu jeder musikalischen Entwicklung eines Pianisten gehört.
Als erste ‘Station’ erklingt die Grande Sonate Pathètique, No.8 in C minor Opus 13. Komponiert in den Jahren 1798/1799 setzte dieses Werk einen Meilenstein Beethovens bisherigen Schaffens. Er widmete die Sonate einem seiner wichtigsten Gönner, dem Fürsten Karl von Lichnowsky. Beethoven löste sich zu dieser Zeit von den musikalischen Besonderheiten des 18. Jahrhunders und erschuf somit seinen persönlichen Stil, der die Extreme Dynamik und Tempogestaltung in seinen Werken kombinierte.

Mit seinen 28 Jahren ist Freddy Kempf im gleichen Alter wie Beethoven als er die Pathètique schrieb. Insofern ist es vielleicht genau der richtige Zeitpunkt sich an dieses Werk von Beethoven heranzuwagen und es zu digitalisieren. Kempf, ein Virtuose und Techniker zeigt in seiner Interpretation neue Impulse und löst sich von vielen vorangegangenen Versionen der Klavier-Elite (Kempff, Arrau, Ashkenazy u.a.). Besonders seine sehr rhythmisch orientierte Einleitung im Grave lässt den sonst so schweren Einstieg mit einer unterschwelligen Leichtigkeit erklingen. Es ist die Rhythmik und die leicht mechanisch wirkende Spieltechnik, die Freddy Kempf als Stilmittel verwendet. Deutlich wird dies im Hauptthema des ‘Allegro di molto e con brio’. Mit einem freurigen Tempo fliegt er über die stakkato-aufsteigende Moll-Skala in der rechten Hand. Dazu sorgen die Oktavtremoli in der linken Hand für eine ungeheure Dramatik, die es bis zum Zeitpunkt der Entstehung in der Klaviermusik noch nicht gab.
Auch im zweiten Satz liegt die treibende Kraft in der linken Hand. Mit rhythmischer Genauigkeit, feinen Crescendos und sauber positionierten Prallern und Phrasierungen ist auch der zweite Satz trotz seiner ruhigen und nachdenklichen Art sehr locker gestaltet. Im Stile Freddy Kempfs geht es im dritten und letzten Satz wieder ans Eingemachte. Das lebendige Rondo springt ihm mit einer ungeheuren Brillanz und Geschwindigkeit aus seinen flinken Fingern.

Meilensteine mit Temperament

Die zweite ‘Station’ bildet - gut zwei Jahre später komponiert - einen weiteren Meilenstein der Klaviergeschichte. ‘Sonata quasi una Fantasia’ - Opus 27 Nr. 2, Klaviersonate Nr. 14 in cis-moll, die Mondscheinsonate. Sie ist der Gräfin Giuletta Guicciardi gewidmet und stammt aus dem Jahre 1801. Diesen weltberühmten ersten Satz der Mondscheinsonate bestreitet Freddy Kempf äußerst gefühlvoll und akzentuiert. Hin und wieder erschleicht mich beim Hören der Wunsch, das Tempo leicht zu bremsen. Er hat unbändiges Temperament, welches im dritten Satz durch seine energiegeladene Spielweise der virtuos gesetzten Dreiklangsbrechungen zum Höhepunkt gelangt.
Die dritte ‘Station’ ist Beethovens Appassionanta, Opus 57 Nr. 23 in f-moll aus dem Jahre 1805. Sie bildet nicht nur für den Komponisten einen glänzenden Höhepunkt dieser Gattung, sondern ist bei dieser Produktion auch der interpretatorische Climax. Mit seiner präzisen Akzentuierung der einzelnen Finger klingen auch die technisch äußerst anspruchsvollen Passagen wie die Akkord-Tremoli oder die Appegios im ‘Allegro Assai’, dem ersten Satz modern und sehr lebendig – negativ ausgedrückt könnte man vielleicht von zu technisch oder zu mechanisch sprechen – aber das möchte ich hier nicht tun, denn genau das ist sein Stil und dem ist und bleibt er treu, wie er es in älteren Aufnahmen immer wieder zeigte. Von großer Bedeutung ist die leidenschaftliche Dynamik, die den Scharm dieser Sonate ausmacht. Die schnellen Wechsel vom Pianissimo ins Fortissimo und umgekehrt ziehen sich durch das gesamte Werk und werden von Kempf mitreisend in die Tasten gelegt.

Wie ein moderner Intercity-Express zieht diese Aufnahme aus Schweden am Zuhörer vorbei - treibend, elegant, fassettenreich und gewaltig - musikalisch auf höchstem Niveau. Klanglich ist die Aufnahme ebenfalls ein Genuss. Besonders als Surround-Erlebnis ist diese Silberscheibe zu empfehlen. Die hinteren Lautsprecher bilden einen natürlichen Raumklang, der den Hörer in die erste Reihe dieses schwedischen Konzertsaales versetzt und ein ganz persönliches Erlebnis zwischen Klangkörper und Hörer entstehen lässt. Der äußerst geringe Rauschpegel dieser Aufnahme rundet das positive Hörerlebnis ab.
Das Booklett beinhaltet wie bei den meisten Produktionen aus dem Hause BIS umfangreiche Informationen zum Komponisten, zu den Werken und dem Interpreten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Steffen Dreyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten ? Freddy Kempf

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
BIS Records
1
15.01.2005
62:53
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
7318599914602
bis501460


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Beethoven, Ludwig van
 - Sonate Nr. 8 c-moll op. 13 - Pathétique
 - Sonate Nr. 14 cis-moll op. 27,2 - Mondscheinsonate
 - Sonate Nr. 23 f-moll op. 57 - Appassionata


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Interpret(en):Kempf, Freddy


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"Der Umstand, daß seine Einspielung der drei letzten Sonaten Beethovens auf BIS 501120 von der internationalen Presse sehr gelobt wurde, machte Interpret und Label Mut und Lust auf mehr. Nun also drei der beliebtesten und meistinterpretierten Klaviersonaten Beethovens in einer klanglich überzeugenden Surround-Aufnahme."


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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