> > > La Tavola Cromatica: Un'accademia musicale dal Cardinale Barberini
Montag, 6. Dezember 2021

La Tavola Cromatica - Un'accademia musicale dal Cardinale Barberini

Für exklusive Zirkel


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für musikhistorisch Interessierte eine interessante Einspielung, der es aber an Schwung und Überzeugungskraft fehlt.

Die Lösung von der Gebundenheit an die Kirchentonarten, die humanistische Beschäftigung mit der Modalität der altgriechischen Musik und das Aufkommen der Dur-Moll-Tonalität noch ohne systematische theoretische Fundierung begünstigten um 1600 das Entstehen von extrem chromatischer Musik. Ausdruck dieser Bemühungen sind chromatische Tasteninstrumente, die das (in der mitteltönigen Stimmung undenkbare) gleichzeitige Spiel in vielen entfernten Tonarten erlauben. Klanglich hat diese exklusive, häufig rein spekulativ begründete Kunstform die chromatischen und enharmonischen Experimente eines Gesualdo da Venosa ebenso gezeitigt wie ‚Fughe cromatiche‘, ,Madrigali chromatici; usw. Eines der Zentren humanistischer Spekulation und adelig-exklusiven Musizierens im Rom des frühen 17. Jahrhunderts war der Zirkel um Kardinal Francesco Barberini. Eine Akademie im Palast des Kunstmäzens und Kardinals um 1635 wird in der vorliegenden Einspielung rekonstruiert. Die Musik – Madrigale, Canzonen und Canzonetten, Toccaten, Sonaten usw. – hat eines gemeinsam: Den ausgeprägt chromatischen Zug. Das ist intime, für die Erbauung und den Diskurs exklusiver Kreise gedachte Musik, die vielfach an die Grenzen des Ausdrucks und des ‚musikalisch Schönen‘ geht. Dem Zuhörer wird einiges abverlangt, vieles wirkt wie auf dem Reißbrett entworfen. Die bei Barberini versammelte Gesellschaft hatte einen extravaganten Geschmack und einen Hang zu Experimenten.

Spannungsarme Darbietung

Dem Ensemble ‚The Earle his Viols‘ – benannt nach dem Instrumentenbauer Richard Earle, der alle Gamben gebaut hat – gesellen sich für die musikalische Akademie die Sopranistin Evelyn Tubb und die Harfenistin Marie Nishiyama hinzu. Durch die – souverän agierenden – Gamben wird der intime Charakter der Musik noch verstärkt, der Gesamteindruck ist grüblerisch und vielfach melancholisch. Entsprechend der zeitgenössischen Aufführungspraxis werden die mehrstimmigen Madrigale mit Sopran und Gambenbegleitung aufgeführt, was der Textverständlichkeit sehr förderlich ist. Evelyn Tubbs Sopran ist beweglich, aber nicht allzu ausdrucksstark, im Timbre farbarm und dynamisch wenig flexibel. Es entsteht der Eindruck nobler Glätte. Die Akademie beim Kardinal Barberini ist offenbar eine Angelegenheit für einen erlesenen Zirkel von Eingeweihten, so triviale Dinge wie Leidenschaft bleiben ausgeklammert. Diesen Eindruck macht diese CD jedenfalls, offenbar bewusst, wie die ebenfalls exklusive Aufmachung nahelegt. Für musikhistorisch Interessierte eine interessante Einspielung, der es aber an Schwung und Überzeugungskraft fehlt. Der Begleittext ist sehr informativ.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    La Tavola Cromatica: Un'accademia musicale dal Cardinale Barberini

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Raumklang
1
16.02.2005
66:20
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4018767023022
RK 2302


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Bottrigari, Ercole
Buono, Giovanni Pietro del
Eredia, Pietro
Kapsberger, Johannes Hieronymus
Mazzocchi, Domenico
Merula, Tarquinio
Nenna, Pomponio
Rossi, Michelangelo
Venosa, Carlo Gesualdo da Venosa
Waesich, Cherubino


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Interpret(en):Tubb, Evelyn
Nishiyama, Marie


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Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


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